Mitgliederversammlung bei Hertha BSC
"Ich muss ganz klar sagen: Die Saison war aus unserer Sicht nicht zufriedenstellend. Unser Anspruch darf nicht Platz 11 in der 2. Bundesliga sein", sagte Hertha-Präsident Fabian Drescher bei der Mitgliederversammlung des Hauptstadtklubs am Sonntagvormittag in der Halle 22b der Messe Berlin. "Aus diesem Grund hat der Verein im März eine schonungslose Analyse angekündigt, die wir begonnen und aus der wir bereits Schlüsse gezogen haben. Der Saisonverlauf hat gezeigt, dass umfassende Umstellungen notwendig sind, um in den kommenden Jahren sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Es braucht eine übergeordnete Neuausrichtung."
Mit Blick auf die nächste Saison erklärte Drescher: "Wir müssen ambitioniert und hungrig sein. Unser Anspruch darf es nicht sein, es uns in der 2. Liga gemütlich zu machen. Ziel muss es sein, in der kommenden Saison den Aufstieg anzustreben, ohne vom eingeschlagenen Weg abzukommen und uns zu verbiegen."
Auch Trainer Stefan Leitl, der bereits im Urlaub ist, hatte in einer eingespielten Video-Botschaft an die Mitglieder die Mission für die kommende Spielzeit skizziert und erklärt: "Es kann nur unser Ziel sein, alles daranzusetzen, in die Bundesliga aufzusteigen. Dafür brauchen wir euren Support und noch ein paar Wochen mit guten Entscheidungen."
Thema Geschäftsführer-Suche: "Wir lassen uns nicht treiben"
Bei der Suche nach einem Nachfolger für Geschäftsführer Thomas E. Herrich, der offiziell zum 30. Juni - eineinhalb Jahre vor Vertragsende - ausscheidet, will sich der Klub Zeit nehmen. "Wir im Präsidium haben uns entschieden, einen strukturierten, professionellen und zukunftsorientierten Auswahlprozess für die Nachfolge aufzusetzen", sagte Drescher. "Dazu gehört die Hinzuziehung einer externen Personalberatung. Ein klares Anforderungsprofil liegt vor. Gespräche haben bereits stattgefunden, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir lassen uns bei unserer Entscheidung nicht treiben. Der Kandidat muss eins ganz klar mitbringen: die absolute Überzeugung für unseren Weg, unsere Werte und den eingeschlagenen Kurs. Die Person muss zu Hertha BSC passen, Hertha BSC aber genauso zu ihr."
Bis auf Weiteres werde Ralf Huschen, der seit Sommer 2024 amtierende Finanzgeschäftsführer, die Geschäftsführung allein übernehmen. Den Schritt von Herrich, sich nach der abgelaufenen Saison zurückzuziehen, nannte Drescher einen "Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein, Loyalität und Weitblick".
Zum Rücktritt von Andreas "Zecke" Neuendorf, der am Ostersonntag seinen Posten als Direktor Akademie und Lizenzspielerbereich geräumt hatte, sagte der Präsident: "Das ist für uns nachvollziehbar gewesen. Aber dennoch verliert der Verein eine echte Identifikationsfigur. Zecke war, ist und bleibt Teil der Hertha-Familie." Trotz der Abgänge von Herrich und Neuendorf und der aktuellen Vakanzen betonte Drescher: "Benny Weber (Sportdirektor, d. Red.) arbeitet gemeinsam mit unserem Cheftrainer intensiv an der Planung der neuen Saison. Entgegen anderslautender Meldungen: Bei uns bricht in der Führung kein Chaos aus."
Drescher: "Ich bin weiterhin kein Präsident für Schlagzeilen"
Zur Arbeit des seit November amtierenden Präsidiums sagte Drescher: "Das Präsidium hat sich schnell gefunden, ist zügig ins Arbeiten gekommen und verfolgt ein gemeinsames Ziel: das Wohl und die nachhaltige, erfolgreiche Strukturierung unseres Vereins." Zugleich unterstrich der Jurist: "Die vergangenen sechs Monate als ereignisarm zu bezeichnen, wäre maßlos untertrieben. Die vergangenen Spielzeiten waren eine Zeit des Wandels, des Lernens, aber auch des Scheiterns."
Zugleich machte Drescher seinem Unmut darüber Luft, dass vereinsinterne Vorgänge und Personalien immer wieder vorab in den Medien auftauchten: "Die Quelle dieser Leaks konnten wir bisher nicht ermitteln. Das ist frustrierend. Ferner ist es ermüdend, sich ständig mit der Frage beschäftigen zu müssen, wie es sein kann, dass vertrauliche Informationen immer wieder den Weg an die Öffentlichkeit finden. Es beschleicht uns das Gefühl, dass hier bewusst Misstrauen gesät werden soll - möglicherweise mit dem Ziel, das Präsidium zu spalten. Sollte das tatsächlich jemand bezwecken - und ich hoffe, dass dem nicht so ist -, möchte ich im Namen des gesamten Präsidiums sagen: Das wird euch nicht gelingen."
Drescher, der nach dem Tod von Kay Bernstein im Januar 2024 die Amtsgeschäfte kommissarisch übernommen hatte und im November des vergangenen Jahres gewählt worden war, sagte: "Ich bin weiterhin kein Präsident für Schlagzeilen, die Presse oder Social Media. Ich bin ein Präsident für euch, die Mitglieder von Hertha BSC."