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"Du solltest nicht zu viele Krümel liegenlassen" - Schmadtke legt bei 96 los

kicker

…seinen Wiedereinstieg bei 96 und seine Ausgangsposition dort:

"Neu ist: Ich habe noch nie im Winter begonnen. Es geht auch gar nicht darum, dass ich wieder hier bin und die Dinge wieder genauso werden, wie sie damals waren. Das weckt manchmal falsche Erwartungen. Ja, ich war schon einmal hier. Aber es ist eine neue Zeitrechnung und die Voraussetzungen sind anders."

…seine Auszeit vor dem jetzigen Engagement in Hannover:

"Ich habe meiner Frau vor drei Jahren gesagt, dass Zeit ist, sich um andere Dinge zu kümmern und sie auch mal Chef im Ring ist. Wir sind viel unterwegs gewesen, dann kam Liverpool dazwischen. In den vergangenen zwei Jahren sind wir gereist. Zuletzt dachte ich, dass es doch Zeit ist, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Ich würde nicht hier sitzen, wenn sie das total doof fände. Und ich werde nicht von Düsseldorf oder aus Spanien diesen Klub leiten. Ich mag beide Standorte und habe dort Möglichkeiten, mich zurückzuziehen. Ich glaube aber nach wie vor, dass man auch in der Stadt sein muss, wenn man für einen Klub tätig ist. Es geht nicht anders, weil du ein Gefühl für die Menschen und Situationen bekommen musst. Es ist ja kein Labor, in dem ich arbeite."

"Ich schaue mir alles hier in Ruhe an"

…sein eigenes Rollenverständnis als Geschäftsführer Sport:

"Ich bin im Laufe der Zeit sicherlich bewusst etwas weggegangen vom direkten Kontakt zur Mannschaft. Aber es ist nicht so, dass ich total weg bin. Wenn Spieler etwas auf dem Herzen haben, sollen sie kommen. Wenn man um die Dinge weiß, kann man sie auch regeln. Aber es ist nicht so, dass ich mich jeden Tag in der Kabine oder auf dem Trainingsplatz sehe wie noch vor 15 Jahren."

…seine Vorstellungen zum künftigen Mitarbeiterstab und die Rolle von Sportdirektor Ralf Becker:

"Ich schaue mir alles hier in Ruhe an, wer da ist und wer welche Ideen hat. Und dann vergleiche ich es mit meinen Ideen. Vielleicht verändern wir intern etwas an der Struktur, vielleicht holen wir extern jemanden dazu. Das ist aber kein Thema, das brennt. Ich brauche jetzt keinen Chefscout für diese Transferperiode. Wenn ich im Frühjahr denke, dass wir einen brauchen, dann werden wir auch einen finden, der passt. Auch Ralf Becker werde ich kennenlernen und wir werden uns austauschen, wie wir mit der Mannschaft umgehen und was für Aufgabenfelder es gibt. Und dann werden wir uns überlegen, wie die Dinge vonstattengehen. Ralf hat einen Vertrag, das gilt es auch zu respektieren."

…seine eigene Vorstellung von Zusammenarbeit:

"Natürlich gibt es Dinge, die für mich unverrückbar sind. Zum Beispiel, dass man ordentlich miteinander umgeht. Kabineninhalte sollen nicht nach außen dringen, sie sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Wir sollten überhaupt nicht öffentlich, sondern im Hause miteinander diskutieren. Das muss nicht immer von großer Harmonie geprägt, sollte aber zielorientiert sein. Ich wünsche mir mündige Spieler, die intern auch Entscheidungen bewerten sollen. Wenn sie es extern tun, dann ist das so. Aber dann müssen sie damit leben, dass es auch eine Antwort darauf geben kann. Maxime von uns allen sollte einfach sein, gute Arbeit für unseren Klub zu leisten."

…das Verhältnis zum Mutterverein, mit dem die Profi-Sparte in Hannover oft im Clinch lag:

"Ich kenne die Protagonisten, sie mich auch. Ich glaube, dass wir schon in der Lage sind, gemeinschaftliches Arbeiten hinzubekommen. Sonst wäre ich nicht hier."

"Ich hatte das Gefühl, dass ich Menschen, die ich mag, unterstützen kann."

…seine sportlichen Ambitionen für die zweite Amtszeit in Hannover:

"Damals bin ich in der 1. Liga eingestiegen. Jetzt sind wir in der 2. Liga und haben eine Idee, wie wir vielleicht auf Sicht wieder Erstligist werden können. Natürlich ist die erste Liga in Deutschland das Maß aller Dinge, aber das hat in diesem Fall keine Rolle gespielt, weil ich nach der Kontaktaufnahme das Gefühl hatte, dass ich Menschen, die ich mag, unterstützen kann. Dem habe ich mit meinem Einstieg gerne entsprochen."

…den Wandel im Fußball, seit er 2014 einmal mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga aufstieg:

"Der Spielstil hat sich in der 2. Liga verändert. Da wird inzwischen mehr Fußball gespielt. Was gleichgeblieben ist und immer gleichbleiben wird: Um aufzusteigen, brauchst du ungefähr einen Punkteschnitt von 2,0. Das bedeutet in jeder Liga der Welt, dass du entweder deine Heimspiele gewinnst und auswärts unentschieden spielst - oder umgekehrt. Daran kann man sich orientieren. Spitzenmannschaften können auch einmal fünf, sechs Spiele am Stück gewinnen."

…seine Pläne mit Trainer Christian Titz, dessen Vertrag als Jugendcoach er einst in Aachen nicht verlängerte:

"Es spricht nichts dagegen, dass das auch mit Christian Titz funktioniert. Damals bei Alemannia Aachen war er U-19-Trainer und sein Vertrag ist ausgelaufen. Aber wir müssen nicht mehr über alte Zeiten sprechen - das ist über 20 Jahre her. Dass unsere Mannschaft hier in Hannover eine Handschrift hat und einen Spielstil verfolgt, kann man erkennen."

"Einen hohen Puls bekomme ich nicht, wenn der Torwart weit mit vorrückt."

…seine Gefühle als Ex-Torwart, wenn er den offensiven Titz-Fußball mit hohem Pressing, viel Ballbesitz und einem mitspielenden Keeper denkt:

"Einen hohen Puls bekomme ich nicht, wenn der Torwart in den Spielaufbau eingebunden ist und weit mit vorrückt. Es gibt viele Wege, die zum Erfolg führen. Das Torwartspiel an sich hat sich seit der Zeit, in der ich gespielt habe, komplett verändert, wie auf vielen anderen Positionen. Damals war es gefühlt eine Sensation, wenn ein Torwart einen Pass über sechs Meter spielen konnte. Heute ist das nicht mal mehr eine Mindestanforderung. Eines bleibt allerdings: Es wäre ganz gut, wenn der Torwart den einen oder anderen Ball auch hält und dann seine spielerischen Qualitäten einbringt."

…die Notwendigkeit für einen taktischen "Plan B" bei 96, um womöglich auch mit veränderter Herangehensweise zum Aufstieg zu gelangen:

"Über zweite, dritte, vierte Wege kann man nachdenken, wenn der erste Weg perfektioniert ist. Aber da sind wir noch nicht. Christian ist dabei, mit dem Team die Dinge zu optimieren. Das Kennenlernen der Spieler untereinander, das Spüren, wie der andere sich in bestimmten Situationen verhält, all das braucht nach dem besagten Umbruch Zeit. Da sind fünf Monate, die es bisher waren, nicht viel. Jetzt hoffen wir mal, dass wir im Trainingslager die Dinge intensivieren, den einen oder anderen Effekt vielleicht noch beschleunigt oder nachgeschliffen bekommen. Christian wird daran feilen, den erkennbaren Spielstil, den er installiert hat, zu festigen. Und dann kann man im nächsten Schritt vielleicht einmal auch über einen anderen Weg nachdenken, noch ist dafür lange nicht die Zeit."

…seine vordringlichen Aufgaben in der Arbeit mit den sportlichen Handlungsträgern:

"Jetzt geht es darum, gemeinsam darüber zu diskutieren, wieso wir nicht sechs oder acht Punkte mehr haben. Da stellt sich die Frage, ob es Erklärungen oder Dinge gibt, die wir beeinflussen können, um es in der Rückrunde noch besser hinzubekommen. Wir müssen uns erst einmal darüber verständigen, wer wir eigentlich sind. Wir sind aktuell ein Klub, der im Sommer einen Monster-Umbruch vollzogen hat, mit 18 Veränderungen. Wir haben eine verhältnismäßig junge Mannschaft, mit 24,5 Jahren im Schnitt. Wenn du dann zur Halbserie Fünfter bist, mit Anschluss an die Oberen, dann würde ich mal behaupten, das ist eine gute Hinserie."

"Man muss diskutieren, wie man gewisse Themen verbessert bekommt."

…seine Analyse des Abschneidens von Hannover in der Hinrunde:

"Man kann natürlich sagen, dass man sechs bis acht Punkte liegenlassen hat. Die Frage ist, ob das zum Entwicklungsprozess gehört und ob es dich am Ende daran hindert, ein ganz großes Ziel, nämlich eine Klasse höher zu gehen, zu bewerkstelligen. Man muss darüber diskutieren, wie man gewisse Themen verbessert bekommt."

…die Wahrscheinlichkeit von Zugängen zur Rückrunde:

"Transfers im Winter - die sind nicht so einfach. Heute ist die Pause viel kürzer, du spielst fast durch. Der Wintermarkt ist kompliziert und teuer. Du kannst dem Spieler kaum Zeit geben, sich zu integrieren. Weder kulturell, noch was den Spielstil angeht. Und der ist hier in Hannover schon etwas anspruchsvoll. Das ist kein Fußball von der Stange. Im Sommer ist das einfacher, da hast du sechs Wochen Vorbereitung, das Wetter ist anders. Die Neuen sind mehr draußen unterwegs und können sich in der Stadt und im Klub akklimatisieren. Das ist jetzt schon etwas anders, auch deshalb werden unsere Transfertätigkeiten nicht übermäßig groß sein. Ich kann dabei immer auch eigene Dinge einbringen, aber natürlich übernehme ich in dieser kurzen Zeit auch Dinge, die schon vorbereitet wurden, schaue sie mir noch einmal genauer an, bewerte sie, setze sie um oder verwerfe sie."

…das jahrelange Verharren von 96 in der Zweitklassigkeit und die Sorge vor einem erneuten Scheitern in diesem Jahr:

"Es gibt andere Zweitliga-Dinos, die haben sich dann auch wieder aus dieser Liga verabschiedet. Deshalb wäre es nichts Spektakuläres. Aufsteigen ist immer eine komplizierte Geschichte. Da muss vieles stimmen. Die schwachen Momente dürfen nicht die Überhand gewinnen, die guten Phasen gilt es auszunutzen. Du solltest nicht zu viele Krümel liegen lassen. Für einen Zwei-Punkte-Schnitt darf nicht viel schiefgehen. Dafür brauchst du eine gewisse Reife, eine gewisse Erfahrung. Und am Ende gehört dazu, dass du es auch finalisieren musst. Es gibt genügen Klubs, die lange oben dabei waren, und es in den letzten Wochen nicht mehr hinbekommen haben. Da brauchst du ein paar Erlebnisse, ein paar Hilfestellungen. Ich glaube, dass wir hier insgesamt genügend Erfahrungen haben, um Hilfestellung anzubieten, wenn wir sie brauchen."