Er kam als Mittelstürmer Nummer 3 zu Bayer 04. Doch beim 1:1-Unentschieden gegen die PSV Eindhoven lief Christian Kofane als Startelfspieler für das Sturmzentrum auf - und erzielte direkt seinen ersten Treffer in der Champions League. Ein Moment, in dem dem erst 19-Jährigen die Emotionen durchgingen.
Als Eindhovens Armando Obispo ihm in der 65. Minute die großzügige Offerte machte, konnte Kofane diese nicht ausschlagen. Zehn Meter zentral vor dem eigenen Tor verlor der PSV-Innenverteidiger leichtfertig den Ball, den Leverkusens kamerunischer Stürmer zur 1:0-Führung im Eindhovener Tor versenkte. Der bisherige Höhepunkt im Fußball-Märchen des Christian Kofane.
„Ich musste mich zusammenreißen. Eigentlich wollte ich weinen.“ (Christian Kofane)
Dieser hatte vor Jahresfrist noch in seiner Heimat gespielt, eher er Ende 2024 in die U 19 von Albacete nach Spanien wechselte, um Anfang dieses Jahres in die Profi-Mannschaft des Zweitligisten aufzurücken. Dort hatte sich der 1,89 Meter große und 81 Kilogramm schwere Angreifer dank seiner Schnelligkeit, seiner Physis und seiner Abschlussqualitäten mit acht Treffern und einem Assist aus 20 Liga-Einsätzen in die Scouting-Datenbanken zahlreicher Klubs gespielt, ehe er im Sommer für 5,25 Millionen Euro Ablöse nach Leverkusen wechselte - und dann am Mittwochabend beinahe zum Helden geworden wäre.
Eine rasante Entwicklung, die das Talent in diesem Moment übermannte. "Ich musste mich wieder zusammenreißen, weil das Spiel noch nicht vorbei war", beschrieb dieser nachher seinen emotionalen Ausbruch nach seinem Führungstreffer, "eigentlich wollte ich weinen, aber ich habe mich wieder gefasst, um weiterzumachen und dem Team zu helfen".
Kofane hadert mit dem Defensivverhalten nach der Führung
Doch die Hilfe Kofanes, der in der 80. Minute völlig entkräftet und nach Wadenkrämpfen ausgewechselt worden war, reichte nicht. Auch im zweiten Spiel in der Königsklasse konnte Bayer 04 nicht gewinnen, hat nach zwei Partien gegen Mannschaften, die man schlagen muss, wenn man die K.-o.-Phase erreichen möchte, erst zwei Zähler auf dem Konto. Das Weiterkommen ist im Moment in weite Ferne gerückt.
Eine Situation, mit der Kofane trotz seines persönlichen Erfolgserlebnisses haderte. "Wir erzielen das erste Tor. Wir müssen gut verteidigen, wenn wir im Vorteil sind", formulierte der bullige Angreifer den Anspruch an das eigene Team, das diesen nicht erfüllen konnte, und kündigte an: "Wir lernen etwas aus diesem Spiel und können es hoffentlich umsetzen."
„Er hat die Bälle gut verteilt, gut festgemacht, ist auch teilweise sehr gut in die Räume tief gelaufen. Das ist etwas, was wir brauchen.“ (Mark Flekken)
Fortschritte und Lernerfolge muss nicht nur der Nobody erzielen, sondern vor allem die etablierten Kräfte im Kader. Kofane selbst, an den vor der Saison die Erwartungshaltung gerichtet war, dass er sich gut adaptiert und bestenfalls im Laufe der Spielzeit zu einer Alternative entwickelt, bewegt sich - anders als viele andere Sommerzugänge - im Soll.
Oder sogar darüber, wie den lobenden Worten von Torhüter Mark Flekken zu entnehmen ist. "Er macht es gut. Nicht nur, dass er ein Tor macht, sondern auch im Zusammenspiel", lobte der niederländische Nationalspieler, "er ist halt wirklich ein Anspielpunkt vorne. Er hat die Bälle gut verteilt, gut festgemacht, ist auch teilweise sehr gut in die Räume tief gelaufen. Das ist etwas, was wir brauchen."
„Jetzt ist Kofis Chance da und dann soll er sie einfach nutzen. Heute hat er das gut gemacht.“ (Mark Flekken)
Ein unterschiedliches Spielerprofil im Vergleich zu Leverkusens Toptorjäger. Der Spielertyp Kofane sei "wieder was anderes als der Spieler Patrik Schick", analysiert Flekken, "natürlich ist es schade, dass der Schicki verletzt ist, aber jetzt ist halt Kofis Chance da und dann soll er sie einfach nutzen. Heute hat er das gut gemacht."
Trotz der unterschiedlichen Spielweise teilt Kofane, der bislang in allen Leverkusener Saisonspielen zum Einsatz kam und zwei Treffer sowie zwei Assists verbuchen konnte, ein Leid mit seinem etablierten Sturmkonkurrenten, den er aufgrund dessen Oberschenkelverletzung auch am Samstag gegen Union Berlin bei seinem dritten Startelf-Einsatz für Bayer 04 vertreten darf. So wurde auch der Kameruner, wie Schick in den Partien zuvor, von seinen Mitspielern im Strafraum quasi nicht in Szene gesetzt.
Die Zulieferdienste für Bayers Mittelstürmer bewegen sich unterhalb der Existenzsicherung
Kofanes 1:0 war dessen einziger Torschuss. Obwohl sich Bayer offensiv verbessert zeigte, bewegen sich die Zulieferdienste für die einzige Spitze im 3-4-2-1-System von Trainer Kasper Hjulmand unterhalb der Existenzsicherung. So galt für Kofane, was zuvor auch Schick erfahren musste: Als Mittelstürmer bei Bayer 04 zu spielen, ist derzeit alles andere als vergnügungssteuerpflichtig.