Auch Eymen Laghrissi war am Samstag sichtlich angefressen, als er nach dem Auslaufen durch die Mixed Zone in die Kabine ging. Dabei hatte der 17-Jährige kurz zuvor den wohl größten Moment seiner noch sehr jungen Karriere hinter sich: ausverkaufter Wildpark, Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern, Profidebüt und die Vorlage zum umjubelten 2:2. Doch in der Nachspielzeit versaute Marlon Ritter dem Angreifer den besonderen Tag und sorgte dafür, dass der Karlsruher SC mit 2:3 verlor.
Vorzug vor Fukuda und Simic
Dass Laghrissi gleich bei seiner ersten Berufung in den Kader im emotionalen Duell gegen den FCK zu seinem Debüt kam, war durchaus überraschend. Zum einen, weil auf der Bank mit Shio Fukuda und Roko Simic zwei weitere Neuner saßen, zum anderen, weil Christian Eichner überhaupt nur ein einziges Mal tauschte.
"Ich wechsle die Spieler ein, von denen ich glaube, dass sie es zum Zeitpunkt X einfach gut machen und es sich ein Stück weit verdient haben", erklärte Eichner. Und traute Laghrissi eben eher zu, es an der Seite von Fabian Schleusener "gut" zu machen, als den beiden Leihgaben im Sturm. Simic, der in der Liga zunächst fünfmal startete und dann dreimal von der Bank kam (ein Tor), saß erstmals über 90 Minuten auf der Bank. Fukuda - bislang vier Jokereinsätze und noch kein Scorerpunkt - hatte schon in Dresden zuschauen müssen.
Vorbereitung mit den Profis
"Eymen hat sich Stück für Stück rangesaugt", lobte Eichner Laghrissi, der schon die Sommervorbereitung mit den Profis absolvierte. Der Angreifer war stets früh dran. 2024/25, mit gerade einmal 16 Jahren, lief er bereits für die U 19 in der DFB-Nachwuchsliga auf. Parallel stand er mit der U 17 im DFB-Pokalfinale, das nach Verlängerung gegen Bremen mit 0:2 verloren ging.
In der laufenden Saison traf er zweimal in drei Einsätzen für die A-Junioren. Im Februar gab er zudem sein Debüt für die U-17-Auswahl des DFB, nachdem er zuvor bereits neun Spiele (drei Tore, vier Vorlagen) für die U 16 absolviert hatte. Für die U-17-WM im November steht Laghrissi auf Abruf bereit.
Egloff verwertet Laghrissis Hereingabe
Während der Stürmer bei den Junioren auch häufig über die linke Seite kam, setzte ihn Eichner zunächst rechts neben Schleusener ein. Laghrissi begann vereinzelt - wer will es ihm im ersten Spiel vor fast 34.000 Zuschauern verübeln - etwas ungenau, aber mutig, engagiert, mit sofortiger Bindung zum Spiel. Und mit einer sehr guten Idee.
Als ihn Philipp Förster in einem Konter auf jener rechten Seite in eine Drei-gegen-zwei-Situation schickte, entschied sich Laghrissi gegen den Weg zum Tor, zog leicht nach außen und bediente Egloff, der die flache Hereingabe mit dem ersten Kontakt zum Ausgleich verwertete.
„Man hat gleich in der ersten Aktion gesehen, was er drauf hat.“ (Mario Eggimann)
Kurz vor Schluss handelte sich der junge Dribbler, der seine Qualität mit beiden Füßen andeutete, noch eine Gelbe Karte ein, die späte Niederlage konnte auch er nicht mehr abwenden. Und doch war es ein vielversprechendes Debüt Laghrissis. "Wir wissen, dass Eymen einer der Top-Jugendspieler in Deutschland ist", lobte Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann das KSC-Talent im Anschluss und fügte an: "Man hat gleich in der ersten Aktion gesehen, was er drauf hat".
Laghrissi war knapp zwei Minuten auf dem Platz, da zog er von rechts auf den linken Flügel und wurde von Marvin Wanitzek bedient. Mit drei schnellen Haken auf engstem Raum ließ er Kaiserslauterns Paul Joly stehen, seine Flanke fand dann aber keinen Abnehmer.
Vertrag bis Ende Juni
Dass der Sprung zu den Profis beim KSC möglich ist, zeigten zuletzt vor allem Rafael Pinto Pedrosa (18) und der zurzeit verletzte Louey Ben Farhat (19). Beide Eigengewächse spielten sich im Vorjahr in den Zweitliga-Kader und verlängerten in diesem Jahr langfristig.
Laghrissis Vertrag läuft dagegen nur noch bis zum kommenden Sommer. "Wir wollen natürlich, dass er länger bleibt", erklärte Eggimann. "Aber darum ging es bei der Einwechslung nicht, sondern um die Leistung. Er macht es gut, wir lassen ihn ja nicht umsonst schon seit Beginn der Vorbereitung bei den Profis mittrainieren."
„Es ist immer so, dass unsere Top-Talente von anderen Vereinen umworben werden.“ (Mario Eggimann)
Selbstverständlich haben aber auch andere Vereine die Entwicklung des jungen Offensivspielers im Blick. Im August nannte Sky die TSG Hoffenheim und Manchester United als Interessenten. "Es ist immer so, dass unsere Top-Talente natürlich von anderen Vereinen umworben werden", sagte Eggimann und ergänzte mit Blick auf eine mögliche Verlängerung: "Wir sind da im Kontakt, sind eng dran und am Ende entscheidet der Spieler."
So oder so dürfte sich Laghrissi mit seinem Einstand in eine gute Position gebracht haben, um in den kommenden Wochen weitere Einsatzchancen zu erhalten. Am kommenden Freitag (18.30 Uhr) in Fürth, und, wenn er nicht noch in den Kader des früheren KSC-Coachs Marc-Patrick Meister für die U-17-WM nachrückt, auch in den Folgewochen. Das Turnier in Katar, bei dem Deutschland als Titelverteidiger antritt, beginnt am 3. November.