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Emdens Manager Rießelmann: "Wir alle haben einen anderen Anspruch"

kicker

Herr Rießelmann, am Samstag hat der BSV Kickers sich mit 1:1 vom HSC Hannover getrennt. Ein enttäuschendes Jahresende in einer bis dato enttäuschenden Saison?

Ganz so dramatisieren würde ich es nicht. Es gehört auch mal eine Saison dazu, in der es nicht ganz so nach Plan läuft. Aber klar ist auch, dass wir alle im Verein einen anderen Anspruch haben als nur um den Klassenerhalt zu spielen. Wir sind seit sechs Spielen ungeschlagen. Der Trend geht also grundsätzlich in die richtige Richtung, wenngleich die Partie gegen den HSC Hannover schon sehr enttäuschend war. Wir hätten uns gerne auf einem einstelligen Tabellenplatz in die Winterpause verabschiedet.

Früh in der Saison erklärten Sie, dass Sie auf dem Platz "keinen klaren Plan" erkennen. Haben Sie diesen mittlerweile entdeckt?

Seit den drei Niederlagen im Oktober zeigt die Formkurve auf jeden Fall nach oben. Wir haben danach vernünftigen Fußball gespielt. Das Spiel gegen den HSC war jetzt aber ein Rückfall in alte Zeiten. So ehrlich müssen wir sein. Die Mannschaft hat phasenweise gezeigt, dass sie mit den Großen mithalten kann. Gegen Drochtersen und Meppen haben wir 2:2 gespielt, in Oldenburg kassieren wir in der Nachspielzeit das 1:2. Da waren wir auf Augenhöhe. Das zeigt, was in der Mannschaft steckt. Leider haben wir es insgesamt viel zu inkonstant auf den Rasen bekommen.

Derzeit schaut es nach drei Absteigern am Saisonende aus. Haben Sie nach wie vor das Gefühl, im Kampf um den Klassenerhalt zu stecken?

Ja, es geht nach wie vor ausschließlich um den Klassenerhalt. Natürlich ist Platz 6 nicht so weit entfernt, aber das primäre Ziel ist es, in der Liga zu bleiben.

Im Frühjahr wollte der SV Meppen Sie unbedingt verpflichten. Haben Sie es schon einmal bereut, das Angebot nicht angenommen zu haben?

Nein, auch Klubs wie Meppen und Oldenburg haben Situationen, wie die unsere aktuell, schon einmal erlebt. Der SV Meppen ist ein toller Verein mit professionellen Bedingungen, gefühlt ein Drittligist. Ich bin beruflich sehr viel unterwegs und habe auch noch eine Familie. Das wäre alles nur sehr schwer vereinbar gewesen. Ich habe damals eine bewusste Entscheidung getroffen, die am Ende auch richtig war.

Mit Julian Ulbricht, der aktuell die Torjägerliste anführt, haben Sie sich vor der Saison ebenfalls beschäftigt. Warum ist er im Emsland und nicht in Ostfriesland gelandet?

Ich glaube, dass Julian auch gerne zu uns gekommen wäre. Finanziell war das aufgerufene Paket für uns aber schlichtweg nicht darstellbar.

Wollen Sie den Kader in der Winterpause noch einmal verstärken?

Die Tendenz ist, dass wir im Winter nicht groß aktiv werden.

Torwart Norman Quindt hat seinen Stammplatz verloren und wurde zuletzt beim TSV Havelse gehandelt. Verlässt er den Klub im Winter?

Das kann ich noch nicht abschließend sagen. Auch bei Isaak Djokovic hat sich beruflich etwas geändert. Deshalb müssen wir uns zeitnah mit beiden Torhütern zusammensetzen. Dann werden wir im neuen Jahr eine Entscheidung treffen, ob es hier eventuell Veränderungen gibt.

Gibt es im Sommer einen größeren Umbruch? Weil Sie beispielsweise mit einigen der Aufstiegshelden von 2024 nicht mehr planen?

So weit sind wir noch nicht. Erstmal werden wir mit jedem Spieler einzeln sprechen. Das wird der erste Schritt sein. Diese Gespräche werden wir in Ruhe im neuen Jahr führen. Danach legen wir die Karten sauber auf den Tisch. Klar ist, dass wir einige Ideen im Kopf haben, aber es muss auch darstellbar und vor allem auch finanzierbar sein.

„Wir werden uns die Spiele in der Rückrunde genau ansehen, sehr viele Gespräche führen und dann sorgfältig entscheiden, mit welchen Jungs und mit welchem Konzept wir den Weg weitergehen wollen.“ (Henning Rießelmann über mögliches Vollprofitum)

Wollen Sie zur kommenden Saison auf Vollprofitum umstellen?

Das wird eine der zentralen Fragen sein, mit der wir uns beschäftigen. Der Ausgang ist allerdings noch völlig offen. Wir werden uns die Spiele in der Rückrunde genau ansehen, sehr viele Gespräche führen und dann sorgfältig entscheiden, mit welchen Jungs und mit welchem Konzept wir den Weg weitergehen wollen. Am Ende gehören ja auch immer zwei Seiten dazu. Danach wird sich zeigen, ob wir einen kleineren oder größeren Cut machen. Und vor allem, wer unseren Weg bedingungslos mitgehen möchte.

Braucht der BSV das Vollprofitum, um fortan mit Klubs wie Meppen und Oldenburg konkurrieren zu können?

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. In der vergangenen Saison standen wir mit Feierabendfußball vor allen Traditionsvereinen. Einen Spieler wie Mika Eickhoff möchten wir sehr gerne behalten. Er hat nun aber ein Studium bei der Polizei begonnen. Da wird kein Vollprofitum möglich sein. Auch Tido Steffens, unser erfolgreichster Stürmer, ist berufstätig. Andererseits gibt es natürlich auch Spieler auf unserer Liste, die gerne unter Vollprofibedingungen spielen möchten. Die Gespräche müssen am Ende auch ein Stück weit zeigen, wo der Weg hinführt.

Sie können als Entscheidungsträger nicht tagtäglich in Emden vor Ort sein. Verpflichten Sie bald einen Sportdirektor?

Auch das ist noch offen. Mit Christoph Punte und Sebastian Plog habe ich zwei enge Mitstreiter an meiner Seite, mit denen ich mich täglich austausche. Aber auch die beiden sind beruflich stark eingebunden. Deshalb starten wir nach Weihnachten die Gespräche und schauen, auch im Hinblick auf den Kader, wie wir uns am besten und stärksten für die Zukunft aufstellen werden. Fakt ist, dass wir eine noch klarere DNA für die Zukunft entwickeln wollen und auch werden.

„Wir sind so verblieben, dass wir jetzt erst einmal Weihnachten feiern, alles sacken lassen und in Ruhe in die Winterpause gehen.“ (Hennig Rießelmann über Vertragsgespräche mit Stefan Emmerling)

Der Vertrag von Trainer Stefan Emmerling läuft im Sommer aus. Gehen Sie mit ihm auch in die kommende Saison?

Wir sind im engen Austausch und haben in dieser Woche bereits die Hinrunde sportlich gemeinsam analysiert. Wir sind so verblieben, dass wir jetzt erst einmal Weihnachten feiern, alles sacken lassen und in Ruhe in die Winterpause gehen. Ich glaube, das ist auch vernünftig. Im neuen Jahr werden wir dann sämtliche Gespräche mit Mannschaft, Trainerteam und Staff führen, damit alle Seiten frühzeitig Planungssicherheit besitzen.

Das klingt zumindest nicht nach einem klaren Bekenntnis.

Wie gesagt: Wir haben diese Gespräche noch nicht geführt. Alles andere ist spekulativ.