Nachdem die Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend schon über drei Stunden gelaufen war, mit reichlich emotionalen Rede- und Diskussionsbeiträgen, gab es eine Abstimmung, bei der es 99,5 Prozent Zustimmung gab: Der 2009 verstorbene frühere SC-Vorsitzende Achim Stocker wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
Zuvor hatte der Aufsichtsratvorsitzende Heinrich Breit mit persönlichen Worten an den langjährigen Klubchef erinnert, der im Mai 90 Jahre alt geworden wäre. Seine Witwe Hanne Stocker kam für eine kurze Rede auf die Bühne und erklärte, dass ihr Mann stolz darauf gewesen wäre, wie sich sein Verein entwickelt hat "und auf alle, die ihn weiterführen". Sie erhielt Standing Ovations.
Die Wahl eines Ehrenvorsitzenden war beim Sport-Club erst durch eine Satzungsänderung möglich, zu der es mit 87 Prozent der 755 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder ebenfalls eine große Mehrheit gab. Hauptgrund dafür war allerdings die Einführung eines neuen Gremiums, des Vereinsrats, der die Aufgaben des zuletzt vakanten Präsidentenamts und des bisherigen Ehrenrats zusammenführt. Er soll unter anderem die Vereins- und Fankultur fördern, Veranstaltungen für Mitglieder organisieren und Mitgliederanliegen aufnehmen und beraten.
Diese Struktur war der Lösungsvorschlag, der in einem mehrmonatigen Dialogprozess von Aufsichtsrat, Ehrenrat, Vorstand, Mitgliederinitiative, Fanbeirat und 50 zufällig ausgewählten Mitgliedern erarbeitet wurde. SC-Finanzvorstand Oliver Leki hatte das in der Mitgliederversammlung noch mal erläutert.
Es gab jedoch im Saal viele kritische Stimmen, die sich sowohl an fehlender Transparenz als auch an der Auswahl der vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen vier Kandidaten störten. Festgelegt wurde, dass der Vereinsrat in einer Übergangsphase aus den bisherigen Ehrenratsmitgliedern und bis zu vier neuen Personen bestehen soll. Da nur genau vier zur Wahl standen, empfanden das einige Mitglieder nicht als demokratisch.
Letztlich wurden aber alle vier gewählt, erstmals per elektronischer Abstimmung, was die Versammlung wegen der Erläuterung der neuen Technik zu Anfang bereits verzögert hatte. Als Vorsitzender des Vereinsrats wurde Marc Schmid (47) gewählt, der seit 2014 Mitglied des Aufsichtsrats war, dem er künftig nicht mehr angehört. Er ist zudem seit über 30 Jahren ehrenamtlich für den Sport-Club tätig. Das Gremium verjüngen sollen die ebenfalls gewählten Lea Ehinger (27), Fabian Freiseis (38) und Stefanie Renz (33), die aus rund 30 Bewerbungen ausgewählt wurden.
Kontroverse vor einem Jahr
"Nach der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr war es richtig und wichtig, bei dieser sehr grundsätzlichen Frage, wie es rund um das Präsidentenamt weitergeht, die Mitglieder einzubinden", sagte Leki. Im Oktober vor einem Jahr gab es nach dem überraschenden Rücktritt des Präsidenten Eberhard Fugmann kontroverse Diskussionen und die Entscheidung, erst mal keinen Nachfolger zu wählen. "Gemeinsam ist es uns in einem sehr umfangreichen und strukturierten Prozess gelungen, eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Vereins zu erarbeiten und diese mit der Satzungsänderung entsprechend umzusetzen", findet nun der SC-Finanzvorstand.
Da aber auch in diesem Jahr viel Redebedarf herrschte, kamen Leki und Sportvorstand Jochen Saier erst sehr spät am Abend dazu, die finanzielle und sportliche Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres (Saison 2024/25) zu ziehen. "Ein großartiger Erfolg" war die Qualifikation für die Europa League, sagte Leki, "und auch wirtschaftlich war es eine erfolgreiche Saison".
Erneut betonte er die hohe Eigenkapitalquote (82,7 Prozent), und dass der Verein keine Bankverbindlichkeiten hat. "Wir sind wirtschaftlich stabil, wachsen weiter organisch und werden maximal ambitionierte Ziele formulieren", so der SC-Vorstand, der aber nur eine Rekordzahl präsentieren konnte: Der Sport-Club hat inzwischen stolze 79.000 Mitglieder.