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FSV Schöningen: Den schnellen sportlichen Erfolg begleiten Hausaufgaben bei der Infrastruktur

kicker

"Wir kommen in vielen Dingen noch nicht ganz hinterher"

Zu den Feierlichkeiten kamen sie von überall herbeigelaufen. Überall hatten sich Schöninger Jubeltrauben gebildet. Die Special-Edition-Shirts mit der Aufschrift "Regionalliga Nord" gingen in Sekundenschnelle herum. Präsident Karsten Kräcker tat sein Bestes, jeden seiner Aufstiegshelden persönlich abzuklatschen. Später in der Nacht gingen die Feierlichkeiten in einem Braunschweiger Lokal weiter.

Die FSV Schöningen ist am Ziel ihrer Träume. Knapp 14 Jahre nach der Gründung (Fusion zwischen FC Schöningen 08, SV Hoiersdorf und TSV Twieflingen) des Klubs spielt er künftig in der Regionalliga Nord, der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Was für eine Geschichte. "Wir wussten, wir haben zwei Matchbälle", meinte Trainer Christian Benbennek und seine Mannschaft ließ beim 4:0-Sieg bei der SV Hemelingen nie irgendwelche Zweifel aufkommen. Es war gleichzeitig der höchste Saisonsieg.

"Gestern war kein Druck zu spüren. Alle waren locker und freuten sich auf das Spiel", beschrieb Benbennek die Stimmung vorab in der Kabine. Wenn eine Mannschaft eine solche Feinkost auf dem Rasen bietet wie die FSV, dann geht der Blick automatisch auf den Trainer. Dass es gewisse Zutaten bedarf, um ein gelungenes, schmackhaftes Endprodukt zu erlangen, weiß Karsten Kräcker schon von Berufswegen. Der Vorsitzende der FSV Schöningen ist gelernter Bäckermeister.

„"Nur mit Feierabend-Fußball kommst du da nicht weit."“ (Karsten Kräcker, Vorsitzender)

Viel passte schon zusammen. Gestandene Spieler, ergänzt durch einige junge wie Eigengewächs Johannes Lutz bildeten eine appetitliche Mischung beim ambitionierten Team aus dem Landkreis Helmstedt. Aber es fehlte das gewisse Etwas, der entscheidende Geschmacksverstärker. Und der kam im Sommer 2024 mit Trainer Christian Benbennek. "Der Trainer ist der Top-Transfer der letzten zehn Jahre", sieht Kräcker Benbennek als die entscheidende Ingredienz. Daniel Reiche, der schon als 15-Jähriger unter Benbennek trainiert hat, sieht es "als göttliche Fügung", dass dieser in Schöningen gelandet ist und hofft, dass es eine langfristige Beziehung zwischen beiden Seiten wird.

Beliebt waren sie nicht in der Oberliga. Geduldet, aber nicht gemocht. Akzeptiert, aber stets kritisch gesehen. Warum kommen Ex-Profis wie Christian Beck, Federico Palacios oder Daniel Reiche in die Provinz nahe der Grenze zu Sachsen-Anhalt? Was den Amateuren spöttisch den Namen Bayern München der Oberliga einbrachte. Na klar, Kohle muss der Grund sein. Was Sie in Schöningen heftigst dementieren. Christian Beck zum Beispiel arbeitet in der Marketingabteilung des 1. FC Magdeburg. Und reiht sich wochentags in die Gilde der Feierabend-Fußballer ein. "Alle Spieler haben einen Job, gehen einer Arbeit nach", beteuert Kräcker. Der Macher der FSV gesteht aber ein, dass das Niveau in der Regionalliga angepasst werden müsse. "Nur mit Feierabend-Fußball kommst du da nicht weit."

Rotation gegen Altona 93

Es ist der Konstellation der Aufstiegsrunde geschuldet, dass Schöningen am Mittwoch noch einmal ran muss. Für Altona 93 geht es auf neutralem Platz in Verden an der Aller um die letzte Chance, für Schöningen um nichts mehr. "Wir wollen einen seriösen Auftritt hinlegen und Altona nichts schenken", betont Benbennek. Dass er in der Aufstellung rotieren werde, verhehlt er aber nicht. "Christian Beck spielt seit Wochen mit starken Knieschmerzen, der braucht mal eine Pause. Ebenso haben sich Spieler aus der zweiten Reihe einen Einsatz verdient." Auch Daniel Reiche ist angeschlagen, hat Probleme mit dem Sprunggelenk. "Das Spiel hat keinen Finalcharakter mehr für uns, das ist klar, aber wir werden befreit versuchen, einen schönen Ball zu spielen", meint Reiche. Er sei gespannt, wie Altona unter dem Druck auftreten werde. Etwaige Vorwürfe der Wettbewerbsverzerrung nimmt Benbennek schon vorab den Wind aus den Segeln: "Das ist doch albern. Jede Mannschaft hatte die Chance, in den ersten beiden Spielen alles klarzumachen."

„Das ist doch albern. Jede Mannschaft hatte die Chance, in den ersten beiden Spielen alles klarzumachen.“ (Christian Benbennek, Trainer)

Nach dem Abschluss der Aufstiegsrunde fliegt die Mannschaft am Donnerstag bis Sonntag nach Mallorca. Ohne Christian Benbennek. "Ich bin noch nie mit einer Mannschaft irgendwohin mitgefahren", erzählt der 52-Jährige. In seiner Doppelfunktion als Sportdirektor bleibt zudem keine Zeit zu verlieren. Im August startet die Regionalliga-Saison. Die Spieler mit den meisten Einsatzminuten in der Oberliga sollen bleiben, andere müssen gehen. Dazu schaut sich der Verein nach ambitionierten, Regionalliga-affinen Akteuren um. Kein leichtes Unterfangen. "Ich hatte einige Wunschspieler, die mir aber abgesagt haben, weil ich Ihnen nicht rechtzeitig einen Aufstieg garantieren konnte", beschreibt Benbennek die Crux, die durch die verpasste Meisterschaft entstanden war.

Aufgrund ihrer klangvollen Namen dürfte die FSV zu einer Bereicherung für die Regionalliga Nord werden. Mit ihrer Spielweise und Qualität könnte es das Team in der höheren Klasse sogar einfacher haben. Und dennoch: "Das ist schon ein Abenteuer in der Regionalliga", weiß Benbennek um den großen Sprung von der Oberliga.

Das erste Jahr sehen die Verantwortlichen in Schöningen als Übergangsjahr. "Wir sind sportlich zu schnell gewachsen, wir kommen in vielen Dingen noch nicht ganz hinterher", verweist Vereinsboss Kräcker auf die Infrastruktur. "Wir wollen das Stadion erweitern, die Tribüne soll überdacht werden, zudem müssen wir eine Art Käfig für die Gästefans bauen", verweist Kräcker auf notwendige Maßnahmen. Priorität hat aber zunächst die Gestaltung des neuen Kaders. "Das steht an erster Stelle, denn wenn wir sang- und klanglos wieder absteigen, wären ja alle Mühen umsonst gewesen", betont Kräcker, dem nicht bange ist vor der sportlichen Herausforderung.