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Halstenbek-Rellingen: Schluss für Rekord-Trainer Barthel

kicker

Dabei hatte sein Team zur Halbzeit noch mit 3:0 in Führung gelegen. Es war die sechste Pleite im achten Spiel. Dennoch kam die Beurlaubung des 51-Jährigen zumindest für Außenstehende ziemlich überraschend.

Denn Barthel ist Halstenbeks Rekord-Trainer: Nach 3110 Tagen endete seine Ära. Selbst Experten mussten lange überlegen, wer denn der Vorgänger war. Die Lösung: Thomas Bliemeister (69), der gerade mal rund 100 Tage weniger im Amt war. So hatte der Verein in den vergangenen 17 Jahren genau zwei Trainer. "Die handelnden Personen sind wohl ein bisschen aus der Übung", kommentierte Barthel süffisant die Tatsache, dass ihn der Telefonanruf am Montagmorgen dann doch ein wenig stillos vorkam.

Überbleibsel der goldenen Ära

Sein nun ehemaliger Verein ist das letzte Überbleibsel der goldenen Ära im westlichen Umland Hamburgs. Der VfL Pinneberg wurde sechsmal Hamburger Meister, schaffte 1973 sogar den Aufstieg in die damals zweitklassige Regionalliga. Rasensport Elmshorn war acht Jahre lang eine feste Größe in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein, wurde als FC Elmshorn nochmal Hamburger Meister. Auch der Wedeler TSV spielte überregional, Holsatia Elmshorn und EMTV brillierten in Hamburgs höchster Klasse, und auch bei Holstein Quickborn, SV Rugenbergen und TSV Uetersen wurde zwischenzeitlich ambitioniert Fußball gespielt.

Es waren eben andere Zeiten, als die örtlichen Sponsoren sich noch gegenseitig überboten und das gesamte Dorf am Samstagnachmittag zum Sportplatz strömte. Damals waren die Begriffe "Netto" und "Brutto" im Amateurfußball noch nicht wirklich relevant - Hauptsache, im monatlichen Briefumschlag am Kabinenplatz war alles "tutto kompletto", natürlich inklusive Siegprämien... Fest verbunden ist der Fußball vor den Toren Hamburgs mit dem Namen Hans-Jürgen Stammer, der zunächst 27 Jahre lang bei Raspo Elmshorn in verantwortlichen Positionen tätig war, ehe er zu HR wechselte, wo er als Sportchef und Präsident nun auch schon wieder in seiner 21. Saison ist.

Mit viel Herzblut

Heiko Barthel hat die Endphase des "goldenen Westens" noch als Aktiver mitbekommen. Doch für ihn ist der Fußball weit mehr als ein (Neben-)Job. Mit viel Herzblut übernahm er 2017 das Traineramt, konnte den Abstieg in zwei Monaten nicht mehr verhindern. Anschließend ging sein Team zunächst als Favorit ins Landesliga-Rennen, doch nach der Corona-Pause wurde der Etat heruntergefahren. Umso spektakulärer war in Halstenbek 2023 der Wiederaufstieg, als in den beiden Relegationsspielen gegen den favorisierten Düneberger SV sogar Alte-Herren-Spieler zum Einsatz kamen, weil diverse Stammkicker längst im Urlaub waren - HR gewann tatsächlich 3:2/2:2.

Anschließend führte Barthel die "letzten Mohikaner des Westens" zweimal zum Klassenerhalt. Doch nach 14 Abgängen in der Sommerpause offenbarte sich für ihn wieder einmal ein Himmelfahrtskommando. Durch Verletzungen und Krankheiten war der Kader zuletzt so dezimiert, dass sich Barthel in seiner letzten Partie sogar selbst als Ersatzspieler auf die Bank setzte und sein Co-Trainer Dominik Lange (36) in der Anfangsformation stand. Letzterer hat nun die Aufgabe, die Wende zum Positiven einzuleiten. Der Auftakt daheim gegen den Aufsteiger HT 16 (1:2) ging daneben. Etwas Hoffnung macht der Spielplan: Am Freitag geht es zum Tabellendritten Eimsbütteler TV. Gegen den gab es in der Vorsaison inklusive Pokal drei Siege.