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Hertha: Große Zuversicht im Kampf um die Lizenz

kicker

"Plan A" ist die Anleihe-Rückführung

In der ersten Runde des Lizenzierungsverfahrens hatte die DFL Hertha BSC Bedingungen auferlegt, die Frist für deren Erfüllung endet am 4. Juni. Im Kern geht es mutmaßlich um die Finanzierung der 2018 aufgelegten 40-Millionen-Euro-Nordic-Bond-Anleihe, die - Stand jetzt - im November 2025 zurückgezahlt werden muss. Hertha arbeitet seit Monaten an einem Finanzierungskonzept, um die Anleihe fristgerecht zurückzahlen zu können, hatte aber im April parallel dazu ein Verfahren für eine mögliche Verlängerung der Anleihe bis 2028 zu einem von 10,5 auf 6,5 Prozent reduzierten Zinssatz angeschoben. Im ersten Gang hatte dieses Verfahren das nötige Quorum von 50 Prozent der Anleger verfehlt, bis zum 3. Juni läuft ein zweites, schriftliches Verfahren.

"Man muss in Szenarien denken und für alle Szenarien und Eventualitäten einen Finanzierungsplan haben", sagte Finanzgeschäftsführer Ralf Huschen auf der Mitgliederversammlung des Klubs am Sonntag in der Halle 22b der Messe Berlin. "Es ist immer gut, zwei- oder dreigleisig zu fahren, um einen Verein zu finanzieren. Plan A ist, am 8. November die Anleihe zurückzuführen."

Details zum aktuellen Lizenzierungsverfahren nannte Huschen nicht, zeigte sich aber demonstrativ zuversichtlich: "Ich darf aus rechtlichen Gründen nicht vor dem 4. Juni antworten. Wir sind sehr optimistisch, dass unsere Planungen in unserem Sinne aufgehen werden. Ich würde hier heute nicht sitzen, wenn ich nicht sehr, sehr optimistisch wäre."

Der kicker hatte am 14. Mai enthüllt, dass Hertha im Rennen um die Lizenz für die kommende Zweitliga-Saison einen umstrittenen Antrag auf Änderung der Lizenzierungsordnung erst gestellt und später zurückgezogen hatte. Nach kicker-Informationen ging es in dem Antrag um eine Anerkennung von Kreditlinien bei Versicherungsunternehmen im Lizenzierungsverfahren der DFL.

"Wir haben viel zu viel Geld für viel zu wenig Tabellenplatz ausgegeben"

Die auf Platz 11 beendete Zweitliga-Saison ordnete Huschen in seinem Bericht vor den mehr als 1400 anwesenden Mitgliedern sehr deutlich ein: "Wir haben viel zu viel Geld für viel zu wenig Tabellenplatz ausgegeben. Da muss im nächsten Jahr mehr rauskommen. Wir werden auch im nächsten Jahr ein Top-3-Budget haben. So sollte auch die Ambition sein. In der Vergangenheit wurde aus sehr viel sehr wenig gemacht. Künftig würde ich es gern andersherum machen."

Das klare Ziel für 2025/26 sei es, "erstmals seit vielen Jahren einen Nettogewinn zu verzeichnen" und den Verein auf Sicht "komplett schuldenfrei dastehen zu lassen". Über den wirtschaftlichen Status quo sagte Huschen: "Wir sind auf einem guten Weg, haben aber noch einiges vor uns. Auf absehbare Zeit brauchen wir weiterhin Transfererlöse, aber man sieht Licht am Ende des Tunnels."

Auch Sportdirektor Benjamin Weber unterstrich die zuvor von Präsident Fabian Drescher und Geschäftsführer Huschen formulierten Ansprüche mit Blick auf die kommende Saison: "Wir werden unsere Ambitionen sehr viel klarer kommunizieren - intern und extern. Es geht darum, um den Aufstieg zu spielen."

Kurswechsel: Neuzugänge, die den deutschen Markt kennen

Mit der abgelaufenen Saison, in der Hertha Platz 18 der Heimtabelle belegt hatte, zeigte sich Weber "nullkommanull zufrieden", leitete aus dem Aufwärtstrend unter dem Mitte Februar installierten Trainer Stefan Leitl aber Zuversicht ab: "Wir sind in der Lage, diesmal sehr frühzeitig Dinge anschieben zu können. Wir gehen seit zwei Jahren das erste Mal mit einem Trainer in die Pause rein, der den gesamten Kader kennt und mit dem wir bereits wichtige Entscheidungen treffen konnten."

Zugleich bekräftigte der Sportdirektor den eingeschlagenen Kurswechsel bei der Spieler-Akquise: "Wir sind sehr stark auf Profile von Spielern gegangen, die den deutschen Markt kennen und die wirtschaftlich darstellbar sind." Im Klartext: Nach den bereits verpflichteten Sebastian Grönning (Angriff, Ingolstadt), Leon Jensen (Mittelfeld, Karlsruher SC) und Niklas Kolbe (Abwehr, Ulm) werden weitere Spieler kommen, die keine oder fast keine Eingewöhnungszeit brauchen.

Zudem konnte Weber mit den Vertragsverlängerungen der Leistungsträger Fabian Reese, Michael Cuisance, Toni Leistner und Deyovaisio Zeefuik in den vergangenen Wochen weitere Pflöcke einschlagen: "Wir wollten frühzeitig klare Signale und Botschaften setzen." Das ist gelungen - und soll erst der Anfang sein.