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Heule: "Klar denken wir in einer solchen Situation auch an den Meistertitel"

kicker

Am Samstag spielt ihr gegen den FC St.Gallen. Für dich ist das aus zweierlei Hinsicht ein spezielles Spiel - einerseits wegen deiner Jugendzeit beim FCSG, andererseits gab es im Sommer Gerüchte über eine mögliche Rückkehr. Was hat am Ende den Ausschlag für deinen Wechsel zum FC Thun gegeben?

Für mich war der entscheidende Punkt, dass ich mich nicht von meinen Gefühlen leiten lassen wollte. St.Gallen ist meine Heimat, und ich hatte immer das Ziel, eines Tages für die erste Mannschaft zu spielen. Trotzdem habe ich die gesamte Situation am Ende ganz objektiv betrachtet: Was ist wirklich das Beste für mich und meine Karriere? Und aus dieser nüchternen Perspektive habe ich mich schlussendlich für den Wechsel zum FC Thun entschieden.

Du wechseltest im Sommer 2021 vom FCSG zum FC Wil, während im selben Transferfenster auch der bisherige Stamm-Linksverteidiger Miro Muheim zum Hamburger SV ging. Wie war damals die Situation beim FC St.Gallen: Hättest du die Möglichkeit gehabt, einen Profivertrag bei St. Gallen zu unterschreiben?

Ich hatte zuvor immer wieder die Möglichkeit, mit der ersten Mannschaft zu trainieren und auch Testspiele zu bestreiten. Gegen Ende der Saison 2020/21 wurde jedoch klar, dass ich keine Chance erhalten würde, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. Gleichzeitig eröffnete sich mir die Möglichkeit beim FC Wil. Der Wechsel von Muheim zum HSV hatte keinen Einfluss mehr auf meine Situation, da er erst erfolgte, nachdem ich mich bereits für den Schritt nach Wil entschieden hatte.

Vor zwei Jahren zog es dich schon einmal in die Super League, damals zum FC Stade-Lausanne-Ouchy. Dort lief es sowohl für dich als auch für das Team nicht nach Plan. Rückblickend - was waren die Hauptgründe dafür, besonders im Vergleich zu deiner jetzigen Situation bei Thun?

Für mich persönlich war die Situation damals sehr schwierig, vor allem wegen mehrerer Verletzungen. Nach dem vierten Spieltag brach ich mir den Arm und verpasste fast die gesamte Hinrunde. Danach zog ich mir zusätzlich noch eine Schambeinentzündung zu, die mich erneut lange ausser Gefecht setzte. Auch auf das Team bezogen, war es keine einfache Zeit. Mein Eindruck war, dass wir nicht wirklich als Einheit aufgetreten sind. Viele wollten individuell etwas bewirken, anstatt gemeinsam als Mannschaft aufzutreten.

„Wenn du weisst, dass wir wirklich als Team auftreten, fällt vieles leichter. Du kannst Fehler machen, weil du weisst: Der Hintermann ist da und hilft dir, sie auszubügeln“ (Michael Heule über die stärken der Thuner.)

Bereust du im Nachhinein den Wechsel zu Lausanne-Ouchy?

Nein, den Wechsel bereue ich im Nachhinein auf keinen Fall. Wäre ich nicht zu Ouchy gewechselt, wäre ich heute womöglich nicht dort, wo ich jetzt stehe. In Lausanne habe ich sowohl schöne als auch schwierige Zeiten erlebt. Natürlich verlief die Super-League-Saison für mich nicht optimal - ich war viel verletzt und zudem zum ersten Mal von zu Hause weg und daher oft alleine. Durch die Verletzungen war ich anfangs auch nicht so viel bei der Mannschaft. Trotzdem war es ein wichtiger Lernprozess.

Du warst ab dem ersten Spieltag bei Thun gesetzt und hast von Beginn an deine Leistung gebracht, genauso wie der Rest des Teams. Wie ist dir das gelungen und was hat dir dabei geholfen?

Ich habe am Anfang gar nicht viel überlegt, sondern einfach auf meine Qualitäten vertraut. Wir wollten von Beginn an als Mannschaft etwas zeigen und diese mannschaftliche Geschlossenheit hilft enorm. Wenn du weisst, dass wir wirklich als Team auftreten, fällt vieles leichter. Du kannst Fehler machen, weil du weisst: Der Hintermann ist da und hilft dir, sie auszubügeln. Dieses Vertrauen innerhalb der Mannschaft hat mir sehr geholfen, von Anfang an meine Leistung abzurufen.

In welchem fussballerischen Bereich konntest du dich in dieser Saison bereits die grössten Fortschritte erzielen?

Ich glaube, im physischen Bereich konnte ich mich in dieser Saison am meisten verbessern, insbesondere was das Laufvolumen angeht. Auch denke ich, dass ich auf dem Platz klarer agieren kann.

Vor dem vergangenen Spiel gegen Luzern sprach eigentlich wenig für euch: zwei Niederlagen in Folge, verletzte und gesperrte Spieler sowie eine Grippewelle. Trotzdem habt ihr das Spiel überzeugend gewonnen. Es scheint fast so, als könne euch nichts aus der Bahn werfen. Wie erklärst du dir diese Widerstandsfähigkeit?

Das Spiel hat symptomatisch gezeigt, welche Qualität wir im Team haben. Aufgrund der vielen Ausfälle mussten wir auf verschiedenen Positionen Änderungen vornehmen. Letztendlich war das aber kaum spürbar, weil wir einfach als Mannschaft funktionieren und jeder Spieler auf dem Platz weiss, was zu tun ist. Ich glaube, das ist eine grosse Stärke dieser Mannschaft: Sie fällt nicht auseinander, wenn mal jemand fehlt.

Hast du in deiner Karriere schon einmal so eine starke mannschaftliche Geschlossenheit erlebt?

Ich hatte auch schon in Wil ein sehr gutes Team, die Bedingungen waren ähnlich. Bereits als ich hier in die Kabine kam, habe ich gemerkt, dass es hier sehr ähnlich ist. Für mich war es immer wichtig, dass es in der Mannschaft stimmt und dass das Team im Vordergrund steht.

Ihr steht nun nach 16 Spielen mit sechs Punkten Abstand auf dem ersten Platz, von Zufall kann somit schon lange nicht mehr die Rede sein. Ganz ehrlich, bei so einer Ausgangslage denkt man in einer stillen Minute doch schon an den Meistertitel?

Klar denkt man in so einer Situation auch an den Meistertitel - träumen sollte ja erlaubt sein. Aber wir wissen selbst, dass die Saison noch sehr lange dauert. Daher wäre es sicher falsch, in Euphorie zu verfallen. Träumen dürfen und können wir trotzdem und wenn wir am Ende so weiterspielen, kann es auch gut ausgehen.

Wie geht ihr im Verein mit der veränderten Ausgangslage um? Plötzlich geht ihr in fast jede Partie als Favorit, was ja ein fundamentaler Unterschied zum Beginn der Saison ist.

Das ist für uns gar kein grosses Thema. Wir gehen in jedes Spiel mit der gleichen Mentalität, egal gegen wen wir spielen. Das zeichnet uns meines Erachtens auch aktuell aus: Dass wir nicht an die Tabellensituation denken, sondern einfach unser Ding durchziehen

Du hast dich - wie der gesamte Verein - ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gespielt. Nach wenigen Spieltagen wurdest du bereits von manchen Medien mit der Schweizer Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Was macht das mit dir?

Grundsätzlich ist es natürlich schön, wenn so über einen gesprochen wird - das zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Für mich spielt das allerdings keine grosse Rolle, da die Nationalmannschaft noch weit entfernt ist. Klar, die Nati ist ein Ziel, aber ich spiele aktuell meine erste richtige Saison. Ich konzentriere mich daher darauf, eine konstante Saison hinzulegen, denke nicht zu weit voraus und freue mich einfach darüber, dass es aktuell so gut läuft und ich so viel zum Einsatz komme.

Zum Abschluss: Was braucht es von euch, um am Samstag den FC St.Gallen, der ja einen ähnlichen Spielstil wie ihr pflegt, schlagen zu können?

Wir brauchen die gleichen Leistungen wie bereits im ersten Spiel in St.Gallen: Den Willen, das Tor zu verteidigen, schnelles Umschalten und natürlich eine ähnliche Chancenverwertung wie im Hinspiel. Wenn wir diese Attribute wieder auf den Platz bringen, können wir erneut die drei Punkte holen.