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Hildesheim-Coach Kitar: "Ich komme nicht, um die graue Maus der Liga zu spielen"

kicker

Sie nennt sich die Domstadtelf. Nein, die Rede ist hier nicht vom 1. FC Köln, gemeint ist die Mannschaft des VfV 06 Hildesheim. Offiziell: Verein für Volkssport Borussia von 1906 e.V. Hildesheim. Die Stadt ist Sitz eines katholischen Bistums, der Mariendom gilt als die Kathedrale des Bistums in Hildesheim.

Es mag verwundern, aber der Fußball spielt in der Universitätsstadt, 30 km südöstlich der Landeshauptstadt Hannover gelegen, traditionell eine besondere Rolle. Firmiert unter dem Namen VfV Hildesheim kam der Klub nach dem Zweiten Weltkrieg auf insgesamt sechs Erstligajahre. 1946 war der VfV Gründungsmitglied der Oberliga Süd-Niedersachsen, gleichbedeutend mit der 1. Liga. Zu der Zeit gab es den 1. FC Köln noch gar nicht, der wurde erst 1948 gegründet.

Mit Einführung der Bundesliga 1963 war der VfV nur noch zweitklassig. Als der Fußball mehr und mehr kommerzialisiert wurde, konnte der Verein finanziell nicht mehr mithalten. Die Folge: ein sichtbarer Abwärtstrend. Heute ist der VfV 06 ein gestandener Amateurverein. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga 2023 blieb man in den vergangenen beiden Jahren hinter den Erwartungen zurück. "Der Anspruch ist, immer oben mitzuspielen. Zuletzt Platz fünf und acht sind nicht das, womit wir zufrieden sind. Wir wollen immer unter den Top drei oder vier sein", betont Omar Fahmy, Sportvorstand des Vereins.

Kitar übernimmt als Coach

Frei nach Albert Einstein: Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten. Also musste etwas passieren. "Wir haben einen Umbruch eingeleitet", erklärt Fahmy. Noch im März trennte man sich von der Tandemlösung auf der Trainerposition. Für Marcel Hartmann und Marc Vucinovic übernahm vorzeitig Ridha Kitar als Einzelspitze, der eigentlich erst zum 1. Juli hätte einsteigen sollen.

Anders als Eigengewächs Hartmann übernahm damit ein externer Coach. "Es ist wichtig für den Verein, dass ein Trainer mit einer anderen Brille und Sichtweise kommt. Ein Außenstehender sieht manche Dinge anders und klarer", beschreibt Kitar selbst einen der Gründe für die Wahl. Zudem verfüge er über ein großes Netzwerk. "Ich habe elf Jahre bei Eintracht Braunschweig im Nachwuchs gearbeitet: U 16, U 17, U 23 durchweg." Dadurch habe er einige Namen auf dem Zettel.

Malina kommt vom CFC

Nicht alle Wunschtransfers ließen sich schon dieses Jahr realisieren. Aber insbesondere bei einem Spieler haben sich die guten Kontakte Kitars schon jetzt ausgezahlt. Mit Louis Malina vom Chemnitzer FC wechselt ein Stürmer mit reichlich Regionalligaerfahrung nach Hildesheim. "Ich wusste, dass Louis aus der Region kommt. Da ich Benjamin Duda (Trainer des Chemnitzer FC, Anm. d. Red.) gut kenne, habe ich kurz angerufen und gefragt: "Benny, wie sieht es bei dem Jungen aus, der spielt kaum bei dir?" Kurz danach war der Wechsel fix. Eine Win-win-Situation. Denn "Louis wollte zurück in die Heimat."

Malina gilt als ein Mosaikstein im Kader für die künftige Saison. Ein weiterer namhafter Zugang ist Mick Gudra. Der 24-jährige Mittelfeldspieler hat sogar einige Zweitligapartien bei Hannover 96 in seinem Lebenslauf. Gudra kommt vom TSV Havelse. Eine Verstärkung verspricht sich der VfV auch durch Thomas Case. Der US-Amerikaner ist seit Anfang des Jahres in Deutschland und lief zuletzt für den SV Scherpenberg am Niederrhein auf. "Tommy konnte sich in den vergangenen Wochen im Training mit sehr guten Leistungen empfehlen und hat dabei einen sehr positiven Eindruck hinterlassen", erläutert Sportvorstand Fahmy. Case stammt aus Portland (Oregon) und ist damit neben Oliver Giesing der zweite Spieler aus den USA im Kader.

Verjüngter Kader

Die Transfers des VfV 06 Hildesheim erscheinen wie eine Ansage an die Konkurrenz. Aber es wurden nicht nur Akteure geholt, die sofort als Verstärkung gedacht sind. "Wir haben darauf geachtet, den Kader zu verjüngen und auch Spieler zu holen, für die die Oberliga was Besonderes ist, die eine Eigenmotivation mitbringen", beschreibt Fahmy den Hildesheimer Weg. Das Ziel und die Strategie seien, noch mehr auf die Jugend zu setzen. Auch dafür wurde Ridah Kitar geholt.

Die ersten Eindrücke stimmen den Trainer zusammen: "Selbst wenn die Intensität hoch ist, ziehen die Jungs ordentlich mit." Es gehe darum, die Mannschaft zu begeistern und aufzuwecken. Gerade die, die schon "zwei Jahre in der Oberliga herumdümpeln." Drastische Worte, die den Charakter des Trainers beschreiben: Engagiert, ehrgeizig, erfolgsorientiert.

Aufbruchstimmung

Die Stimmung in Hildesheim heitert zunehmend auf. "Ich habe das Gefühl, dass eine Aufbruchstimmung herrscht", empfindet Kitar. Der Verein habe eine enorme Strahlkraft und Wucht. Wenn es gut läuft, kämen zwischen zwei- und dreitausend Zuschauer ins Friedrich-Ebert-Stadion. Fußball hat eben ein Fundament im Bistum Hildesheim.

Das R-Wort nehmen die Verantwortlichen allerdings nicht in den Mund. Noch nicht. Das ändert aber nichts an den Ambitionen, vorgelebt vom Trainer, der sich selbst als eine Mischung aus autoritär und kooperativ bezeichnet: "Ich komme ja nicht nach Hildesheim, um die graue Maus der Liga zu spielen. Dafür opfere ich viel zu viel Zeit. Ich will immer das Maximum rausholen. Und wenn das Maximum der Aufstieg ist, dann freue ich mich darüber. Und wenn das Maximum nicht gereicht hat, dann haben wir an der einen oder anderen Stelle Nachholbedarf" Es sind diese klaren, erfrischenden Worte, weswegen man gespannt sein darf auf die kommende Spielzeit der Domstadtelf.