Aus Basel berichtet George Moissidis
Eine Stunde vor ihm verteilte Ludovic Magnin die Ausgangsposition für das Duell mit seinem Ex-Klub. Sein FC Basel sei im morgigen Aufeinandertreffen in der Europa League der Außenseiter, der VfB Stuttgart der Favorit. Eine Einschätzung, der sein Gegenüber widerspricht. Teilweise zumindest.
"Von diesen Spielchen halte ich nicht so viel", sagt Stuttgarts Cheftrainer Sebastian Hoeneß, der allerdings die eigenen Ambitionen nicht kleinreden will. "Natürlich ist es so, dass wir nach Basel kommen, um auch etwas mitzunehmen. Wir haben die Riesenchance, uns nach dem Heimsieg gegen Celta Vigo (2:1, Anm. d. Red.) eine richtig gute Ausgangsposition zu verschaffen. Das ist das Ziel. Obwohl wir wissen, dass wir mit Basel auf den letztjährigen Meister und Pokalsieger der Schweiz treffen. Dazu vor wahrscheinlich ausverkaufter Kulisse."
Hoeneß erinnert sich an die goldenen Zeiten des FC Basel
Dass der Gastgeber aktuell lediglich Platz 5 in der Schweiz belegt, dürfe niemanden einlullen. Hoeneß hat reichlich Erinnerungen an die Heimstätte des Traditionsklubs, war vor Jahren schon mehrfach vor Ort. Er kenne noch "die goldenen Zeiten" des FCB, vor allem in der Königsklasse. Wo so manch prominenter Gegner ins Stolpern geriet, wenn das Stadion im Licht der Pyrotechnik erleuchtete und die Atmosphäre von der Tribüne auf den Rasen schwappte. "Davon gehe ich morgen auch aus. Deswegen müssen wir morgen gewappnet sein."
Ob er wie zuletzt wieder die Startformation rotieren lässt, will der 43-Jährige gewohnter Weise nicht verraten. Dass davon auszugehen ist, lässt sich aber zwischen den Zeilen heraushören. "Wir sind jetzt in der Phase, wo wir viele Spiele haben und dem Kader das Vertrauen schenken müssen", erklärt Hoeneß. "Letzte Woche hat es außergewöhnlich gut funktioniert. Das ist notwendig. Wir müssen die Belastung der Jungs steuern und die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen."
Rotation ist ein Drahtseilakt
Ein Drahtseilakt, der gut austariert gehört. Man müsse alles jedes Mal "sorgfältig durchdenken und auch mit den Spielern sprechen. Am Ende müssen wir die Mischung hinkriegen aus keinem Risiko und bestmöglicher Startelf. Das ist das Ziel, das wird auch in Zukunft so sein". Nicht nur kurzzeitig oder phasenweise, "sondern wahrscheinlich sogar bis nächstes Jahr".
Ohne es auszusprechen, bestätigt Hoeneß, dass einer seinen Platz sicher hat. Neben Alexander Nübel, Angelo Stiller und Ermedin Demirovic, die zu den Dauerbrenner des Kaders gehören. Luca Jaquez, der im Winter aus Luzern nach Stuttgart kam und ein Wiedersehen mit dem St. Jakob Park feiert. "Ich glaube, ich habe hier zwei, drei Mal gespielt", sagt der 22-Jährige. Der Innenverteidiger habe "gute Erinnerungen. Ich glaube, ich habe mehr gewonnen als verloren".
Jaquez darf mit Nominierung für die Nationalmannschaft rechnen
Sein jetzt anstehender Auftritt könnte sogar ein ganz besonderer werden. Jaquez, so heißt es, werde dem morgen zu verkündenden Kader der Schweizer A-Nationalmannschaft angehören. "Es würde mich extrem freuen, wenn ich für die Nationalmannschaft auflaufen könnte", sagt der Abwehrmann. Aber bisher sei es nicht offiziell. "Ich habe noch nichts mitbekommen."