Wer hätte das gedacht? Nach vier Spieltagen stand Robin Hranac schon länger für Hoffenheim in der Bundesliga auf dem Platz als in der kompletten Vorsaison. Vier Einsätze waren es nur geworden, dreimal hatte sich der offenkundig überforderte und mal spät ein- oder früh ausgewechselte Innenverteidiger dabei die kicker-Note 5 eingefangen.
An den ersten vier Spieltagen der laufenden Spielzeit nun war der 25-Jährige in der Startformation der TSG stets gesetzt und verdiente sich dreimal die kicker-Note 3, mit einer 3,5 war er trotz des 1:4 zuletzt gegen München auch gegen den Rekordmeister einer der besten Hoffenheimer.
"Er hat in den letzten Wochen mit seinen Leistungen gezeigt, dass er im Vorjahr klar unter seinem Wert geschlagen worden ist", betont Trainer Christian Ilzer und verteilt ein Sonderlob: "Speziell auch gegen die Bayern, wo er aus unserer Mannschaft herauszuheben war."
„Im Laufe der letzten Saison hat er sich nie gehen lassen, ist immer positiv geblieben.“ (Christian Ilzer)
Hranacs Ausdauer und Geduld haben sich ausgezahlt. "Im Fußball heißt es, immer dranzubleiben und da zu sein, wenn die Chance kommt. Das hat Robin sehr vorbildlich gezeigt und gelöst", versichert Ilzer, "er hatte keinen guten Start und in einer sehr schwierigen Saison nie den Weg zu seiner Topform und in die Startformation gefunden. Aber was ich ihm extrem positiv anrechnen muss: Im Laufe der letzten Saison hat er sich nie gehen lassen, ist immer positiv geblieben. Er war kein Haderer oder Jammerer, sondern hat es ausgehalten, sich hinten anzustellen und versuchte, sein Bestmögliches in jedes Training einzubringen."
Diese Beharrlichkeit kommt dem Tschechen nun zugute. In Hoffenheim wie im Heimatland, in dessen Nationalteam sich der gebürtige Pilsener ebenfalls wieder zurückgekämpft hat. Hranac wird ein eher sensibles Naturell nachgesagt. Die persönlichen Rückschläge und die Turbulenzen des Klubs in der Vorsaison boten nicht das notwendige Fundament und Umfeld für einen erfolgreichen Start des feinfühligen Fußballers auf seiner ersten Auslandsstation. Nun scheint Hranac an den Aufgaben zu wachsen und mit jedem Auftritt zusätzlich Selbstvertrauen und Selbstsicherheit zu tanken.
Den Shootingstar des Vorjahres auf dieser Position, Arthur Chaves, hat er jedenfalls fürs Erste verdrängt. Der wiederum durchlebt nun das, was Hranac hinter sich hat. Und nimmt es laut Ilzer ebenso an. "Ähnlich wie Robin im Vorjahr, da gibt es nichts auszusetzen, die Trainingsleistungen sind top", bestätigt der 47-Jährige, "er zeigt sich kämpferisch, ist ein Teamplayer und macht es mir schwer, wen ich in die Startelf stelle. Er zeigt einen sehr professionellen Umgang mit seiner jetzigen Situation."