Olaf Janßen, am Freitagabend verlor ihr Team 1:2 (0:2) gegen den SC Freiburg - hat gegen den Bundesligisten aber eine gute Leistung gezeigt. Wie bewerten Sie den Test?
Den kann man gar nicht hoch genug bewerten. Ich habe viele Dinge gesehen, die unser Spiel ausmachen sollen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Jungs mein System so schnell verstehen, so schnell umsetzen. Wir sind - zu Recht - vom SC Freiburg mit Lob überschüttet worden.
Wie würden Sie den fußballerischen Ansatz, den Sie beim SV Sandhausen implementieren wollen, beschreiben?
Variabel, sehr variabel. Es ist falsch, wenn man sagt, dass wir mit einer Dreierkette spielen - aber doch auch richtig (lacht). Wir agieren häufig über einen Dreieraufbau - entweder fällt ein Sechser zwischen die beiden Innenverteidiger oder ein Außenverteidiger rückt sehr hoch, während der andere tief bleibt. Gegen den Ball ist es oft eine Viererkette in einem 4-4-2, es kann aber auch zu einer Fünferkette im 5-3-2 werden. Das Wichtigste ist, dass wir auf verschiedene Gegner und verschiedene Spielsituationen reagieren können - das System ist da nur eine Momentaufnahme.
Aus dem Kader der vergangenen Saison ist nur noch Luis Idjakovic übrig, die Mannschaft ist komplett neu. Konnten sich bereits Strukturen und Hierarchien bilden?
Das passiert mit jedem Tag, den wir zusammen sind, in jeder Trainingseinheit. Aber klar, das wird noch ein bisschen Zeit brauchen. Was ich aber sagen kann: Die Jungs wollen unbedingt.
Fehlende Führungsspieler haben die Verantwortlichen als Hauptgrund für den Abstieg in der vergangenen Saison ausgemacht. Wer kann in der jetzigen Mannschaft diese Rolle übernehmen?
Wir haben mit Pascal Testroet, Kwabe Schulz, Phil Halbauer oder Niklas Tarnat einige Spieler, die bereits viel Erfahrung haben. Das merkt man ihnen natürlich an. Aber am Ende des Tages geht es natürlich um die Leistung auf dem Platz. Und da tun sich auch die jungen Spieler hervor - und gehen damit auf eine andere Art voran. Ich mache mir jedenfalls überhaupt keine Sorgen, dass wir keine Führungsspieler haben.
Aktuell stehen 18 Feldspieler und drei Torhüter im Kader. Abgeschlossen dürften die Planungen noch nicht sein?
Nein, es fehlen mindestens noch zwei Feldspieler.
Wo sehen Sie noch Bedarf?
Die zwei offenen Planstellen haben wir in der Offensive. Aber wir haben zuletzt auch einige Ausfälle gehabt. Die Verletzungen von Yanis Outman, Jannik Graf und David Mamutovic sind - leider - vermutlich gravierend. Da müssen wir abwarten, wie die Operationen verlaufen und wie lange sie uns fehlen werden.
Im Training und in den Testspielen waren zuletzt immer sechs, sieben Spieler aus der U 19. Gibt es den einen oder anderen, der sich dabei besonders hervortut?
Da würde ich zum jetzigen Zeitpunkt niemand hervorheben. Nur so viel: Die Jungs sind alle mit großem Eifer dabei, versuchen die Inhalte umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit dem Nachwuchsleistungszentrum und den Trainern der U-Mannschaften funktioniert hervorragend. Und aufgrund unserer Kaderstruktur werden bei jedem Regionalliga-Spiel Jungs aus der U 19 dabei sein.
„Zuhause, Freitagabend, Eröffnungsspiel - besser kann es eigentlich nicht sein.“ (Olaf Janßen über das Auftaktspiel)
Wie lautet ihr Zwischenfazit zur Vorbereitung?
Wir haben schon ganz schön was auf die Beine gestellt (schmunzelt). Das Trainingslager war aufgrund der Temperaturen brutal, aber die Jungs haben es durchgezogen.
Was steht in den knapp drei Wochen bis Saisonstart noch auf dem Programm?
Wir werden weiter an unserer Physis arbeiten - unser Spiel ist sehr intensiv, da ist das unumgänglich. Daneben stehen natürlich unsere Abläufe im Mittelpunkt.
Los geht es mit einem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt …
Die Vorfreude steigt. Zuhause, Freitagabend, Eröffnungsspiel - besser kann es eigentlich nicht sein. Aber unser Auftaktprogramm ist sehr anspruchsvoll. Wir starten im August sofort mit zwei Englischen Wochen.
Schon beim Trainingsauftakt vor knapp drei Wochen berichteten Sie von Euphorie und Aufbruchstimmung im Verein. Wie nehmen Sie das aktuell wahr?
Es ist noch einmal deutlich mehr geworden. Die Eindrücke, die ich zu Beginn hatte, haben sich verfestigt. Ich sehe eigentlich nur strahlende Gesichter und spüre viel Motivation. Wir haben uns inzwischen alle besser kennengelernt. Die Personen, mit denen ich zu tun habe - und das sind eine ganze Menge - schöpfen Vertrauen, verstehen, wie ich arbeite, wie ich als Mensch ticke.
Interview: Christoph Offner