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Jatta: Der Derby-Held mit der Nebenrolle

kicker

St. Pauli-Legende André Trulsen hat zehn Stadt-Derbys gespielt, HSV-Idol Richard Golz neun. Bakery Jatta wäre im Normalfall Rekordhalter mit Trulsen, liegt aber mit acht Duellen auf Platz drei - weil er die letzten beiden Partien in der Saison 2023/24 kurzfristig verpasst hatte: Ausgerechnet vor dem 2:2 am Millerntor im Dezember 2023 sah er seine fünfte Gelbe Karte und musste gesperrt zuschauen. Vor dem Rückspiel (1:0) war er für die Startelf vorgesehen und fiel kurzfristig aus, weil er nach dem Anschwitzen am Vormittag Knieprobleme hatte. Dass am morgigen Freitag die Jagd auf den Derby-Rekord nicht fortgesetzt wird, hat abermals gesundheitliche, aber auch sportliche Gründe.

Trotz fehlender Perspektive tut sich der Gambier schwer mit einem Abschied

Wenn Merlin Polzin über den dienstältesten HSV-Profi (seit 2016 unter Vertrag) redet, dann tut er dies voller Respekt. Das Problem: Der Trainer muss derzeit immer wieder Fragen zu dem Gambier beantworten. Es geht dabei nicht allein um dessen Gesundheitszustand, sondern auch um die Zukunft. Wegen muskulärer Probleme hatte Jatta das Ende der Vorbereitung verpasst, ist mittlerweile wieder ins Mannschaftstraining teilintegriert. Eine Rolle für das Derby hätte er dennoch nicht gespielt, obwohl er dieses mehrfach geprägt hat.

Im Januar 2022 gelang ihm das Siegtor zum 2:1 in einem historischen Stadt-Duell - wegen der Corona-Pandemie war der Volkspark fast leer, nur 2000 Fans durften ins Stadion. Jatta hat in einem kicker-Interview einmal gesagt: "Ich erinnere mich genau, dass ich es in dem Moment total laut fand. Es waren nicht viele Menschen da, aber der Torschrei war total emotional." Rund ein Jahr später war es deutlich lauter, als der HSV den FC St. Pauli in einem der denkwürdigsten Derbys mit 4:3 schlug, auch da hatte Jatta zum 2:1 getroffen. "Es ist toll, dass ich so viele Derbys miterleben durfte, weil sie besonders sind."

Aber wie viele Derbys wird Jatta noch bestreiten? Schon im Januar hätte der HSV den Publikumsliebling ausgeliehen, der VfL Bochum mit Ex-Trainer Dieter Hecking hatte Interesse, aktuell ist er ohne Perspektive. "Wir haben eine sehr offene Kommunikation und vertrauensvolle Gespräche", sagt Polzin, "ich habe ihm gesagt, wie unser Fußball aussehen wird, er kennt meine Meinung. Nichtsdestotrotz ist er weiterhin ein Bestandteil der Mannschaft." Aber nicht mehr zwingend des Spieltagskaders.

HSV ist Jattas "große Liebe"

Nach einer Saison mit zwei langen Verletzungspausen hat Jatta sportlich den Anschluss verloren, gleichzeitig ist er eine besondere Figur im Verein. Mit einer besonderen Wirkung. Bei der Aufstiegsfeier rief er den Anhängern selig zu: "Ich liebe euch alle." Weil die Fans mit ihm schwere Krisen durchgestanden haben. "Ich fühle mich hier zu Hause, der HSV ist meine große Liebe", hat er erklärt. Auch deshalb tut er sich schwer, den Verein zu verlassen.

Jatta hat einen gut dotierten Vertrag bis 2029, aber aktuell fast keine Perspektive. Polzin sagt: "Mal sehen, was in den nächsten Tagen bis zur Schließung des Transferfensters noch passiert." Und wenn nichts passiert? "Wenn Baka da ist, dann freuen wir uns über sein Lächeln." Einen weiteren besonderen Derby-Moment wird er dem HSV am Freitag nicht bescheren.