Gemeinsam mit Moderator Alex Schlüter durchleuchtet DAZN-Experte Ralf Rangnick im neuen Non-Live-Format "Decoded" europäische Top-Klubs. In der ersten Folge drehte sich alles um den FC Bayern, der gemeinsam mit FCB-Trainer Julian Nagelsmann "dekodiert" wurde. In der ausführlichen Analyse des deutschen Rekordmeisters sprechen sie vor dem Königsklassen-Duell gegen Dynamo Kiew u.a. über den mehrfach verpassten Transfer von Erling Haaland nach München und die Umstände von Nagelsmanns Wechsel auf die Trainerbank des Rekordmeisters.
Außerdem macht Rangnick klar, dass RB Leipzig Nagelsmann seiner Meinung nach niemals zu den Bayern hätte ziehen lassen sollen. Und der Experte bewertet die Transfertätigkeiten der Münchener vor der neuen Saison kritisch.
"Es sind große Fußstapfen, in die man da tritt. Ich glaube, das kann sich jeder vorstellen. Wenn du einen Anruf bekommst, dass Bayern München dich gerne als Trainer hätte, dann machst du dir erstmal Gedanken: Wer war alles vor dir da, wer war in der jüngsten Vergangenheit da."
"Es geht nicht nur darum, Spiele zu gewinnen. In erster Linie natürlich schon, weil dafür werde ich bezahlt. Aber es geht auch darum, dass man eine Identität im Klub schafft, in der jeder Mitarbeiter eine gewisse Verantwortung in erfolgreichen, sowie weniger erfolgreichen Zeiten spürt. Dafür musst du nahbar sein, offen sein, auch mal in anderen Abteilungen vorbeischauen und eben diese Kommunikation pflegen."
"Es ist nicht so leicht für uns, Spieler zu entwickeln. Das wird maximal einer pro Jahrgang sein, wenn überhaupt. Da müssen wir uns nicht das Blaue vom Himmel erzählen."
"Wenn du als Trainer einen Spieler zu früh reinwirfst, obwohl er vielleicht noch nicht so weit ist, kannst du sehr, sehr viel, sehr schnell kaputt machen. Obwohl du es vielleicht gut meinst und sagst: Jetzt spiel mal, jetzt werfe ich dich ins kalte Wasser."
"Es gab zwei Zeitpunkte, zu denen verschiedene Vereine, inklusive des FC Bayern, Erling Haaland hätten holen können. Zum einen als er damals noch in Molde gespielt hat: Ich weiß von Hermann Gerland, dass er ihn damals mit 17 bei einem U-Länderspiel im Westen Deutschlands beobachtet hat und er hat in dem Spiel zwei oder drei Tore geschossen. Man hat mir auch gesagt, dass er total begeistert von ihm war und sich tatsächlich auch dafür ausgesprochen hat, dass er verpflichtet werden soll. Die Entscheidung fiel allerdings anders aus. Und natürlich hätte es theoretisch letzten Winter die Möglichkeit gegeben, als er eine Ausstiegsklausel bei RB Salzburg hatte, den Verein zu wechseln. Damals war es aber so, dass man sich nicht vorstellen konnte, dass er gemeinsam mit Robert Lewandowski spielen könnte - was sich bis jetzt mit Sicherheit geändert hat."
"Wenn man eine Situation hat, in der der größte Konkurrent in Deutschland plötzlich in Not gerät, was die Trainerfrage betrifft - ich unterstelle jetzt mal, wenn es etwas gibt, das RB jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte, dann ist es Geld - hätte ich diesem Wechsel ganz sicher nicht zugestimmt und dem FC Bayern auch noch aus der Patsche geholfen - sondern ganz klar, auch noch zu einem früheren Zeitpunkt gesagt: Pass auf Julian, auf gar keinen Fall. Wir haben hier noch eine spannende Zeit vor uns und du bleibst."
"Das Führungs-Duo Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ist einzigartig. Beide sind ehemalige Spieler im Verein, waren anschließend 41, bzw. 30 Jahre im Amt und haben dem FC Bayern immer ein klares Gesicht gegeben. Auch die selbst organisierte Nachfolge der beiden zu unterschiedlichen Zeitpunkten spricht sehr für Nachhaltigkeit und Entwicklung beim FC Bayern."
"Die Tatsache, dass trotz persönlicher Meinungsverschiedenheiten sieben von neun möglichen Titeln geholt wurden, zeigt, dass Reibung Erfolg erzielen kann."
"Dass man zum Schluss des Transferfensters noch Marcel Sabitzer geholt hat und an Konny Laimer dran war, deutet nicht unbedingt daraufhin, dass es ein konkreter Plan war, den Kader klein zu halten, sondern man sehr wohl auch intern erkannt hat, dass da auch in der Breite noch nachjustiert werden sollte."
"Wir haben in Deutschland ein strukturelles Problem, was den Nachwuchs betrifft: Nämlich dass die Zweiten Mannschaften alle höchstens in der 3. Liga spielen dürfen und selbst da mit Dortmund und Freiburg nur zwei Vereine vertreten sind. Julian ist glaube ich einer von zehn Bundesliga-Trainern, die eine Akademie-Erfahrung haben und den Job von der Pieke auf im Akademiebereich gelernt haben. Bei den Hochbegabten ist es einfach wichtig, dass sie mit 17 schon möglichst Männerfußball spielen. Deswegen ist es zumindest auch kein Zufall, dass Länder wie Portugal mit Vereinen wie Porto, Benfica, Sporting oder auch Salzburg mit der Zweiten Mannschaft in Liefering immer wieder in einer so großen Zahl Top-Spieler produzieren.“