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Kabak streift die Leidenszeit ab

kicker

Mit einer reinigenden Geste feierte Ozan Kabak diesen besonderen Moment. Als wolle er sich die Altlasten und schmerzhaften Erinnerungen buchstäblich abstreifen. "Dieses Trikot hat sehr lange in der Kabine gehangen", erklärte der Rückkehrer, der gegen den Hamburger SV erstmals wieder nach einer kleinen Ewigkeit beim Anstoß auf dem Platz stand, "das letzte Spiel in der Startelf war damals gegen Bayern München". 4:2 gewann die TSG damals, und Kabak wurde hinter vorgehaltener Hand als potenzieller nächster Verkaufsschlager gehandelt. Dem Vernehmen nach soll ein Klub aus der Premier League damals 15 Millionen Euro geboten haben. Es kam ganz anders.

Bei der türkischen Nationalmannschaft riss sich der Innenverteidiger das Kreuzband und fiel lange aus. Viel länger als üblich. "Ich hatte viele Probleme, zwei, drei Operationen, es war sehr emotional", gesteht Kabak, "es ist ein unglaubliches Gefühl für mich, nach eineinhalb Jahren zum ersten Mal in der Startelf zu stehen und direkt zu treffen. Ich bin sehr glücklich, aber das habe ich mir verdient, ich habe sehr viel investiert und trainiert, ich habe mich mit dem Tor und der Leistung belohnt."

Ilzer: "Ein Tor in Stürmermanier"

Mehrfach fing der 25-Jährige gegen den HSV hinten gegnerische Konter ab und schoss vorne das wichtige 2:0. "Er hat eine lange Leidenszeit hinter sich gebracht", freute sich auch Trainer Christian Ilzer, "seine Kernaufgabe, zu verteidigen, hat er bravourös erledigt und einige Kontersituationen als Feuerwehrmann gegen den schnellen Königsdörffer gut klären können. Das Sahnehäubchen, dass er vorne ein Tor in absoluter Stürmermanier macht, wenn man sieht, wie er den Ball mitnimmt und am Torwart vorbei legt, mehr als gelungen und eine sehr schöne Geschichte."

Nach mehreren Einwechslungen profitierte Kabak am Samstag von der Gelbsperre Bernardos und dem dafür nach links gerückten Albian Hajdari. Jetzt meldet der Rückkehrer und vormalige Leistungsträger wieder ernsthafte Ansprüche an. "Ich will spielen in jedem Spiel und unsere Mannschaft stärken", sagt Kabak, "aber es gibt große Konkurrenz, der Trainer wird eine schwere Entscheidung treffen müssen nächste Woche."

Dann tritt die TSG zum Jahresabschluss bei Kabaks Ex-Klub VfB Stuttgart an. Doch Bernardo kehrt zurück, Hajdari zieht es wieder nach innen, und seinen angestammten Arbeitsplatz besetzt mittlerweile sehr konstant und zuverlässig Robin Hranac. Das wird also kein Selbstläufer für Kabak.

Vertragsgespräche im Winter

Es ist nicht mehr so einfach, in die Mannschaft zu kommen, hat man auch bei Grischa Prömel gesehen", betont Ilzer, "wenn du länger weg bist und die Mannschaft findet sich, ist es nicht leicht, wieder Fuß zu fassen. Und ich mache es den Spielern auch nicht leicht, sie müssen dranbleiben und die Chance dann nützen, wenn sie kommt. Wie es Ozan heute gemacht hat. Es ist eine belebende Konkurrenzsituation, die die Jungs gut annehmen, weil sie wissen, sie können sich nicht zurücklehnen."

Im Falle Kabaks hat die Angelegenheit allerdings eine weitere Ebene, denn der Vertrag des Abwehrspielers endet im kommenden Sommer. Auf die Frage nach seiner Zukunft weicht er derzeit hartnäckig aus. "Schwer zu sagen", so Kabak, "ich konzentriere mich nur aufs nächste Training und aufs nächste Spiel." Mal sehen, was die anberaumten Gespräche in der nahenden Winterpause bringen.