Nach vier Minuten hatte Vize-Kapitän Tim Oberdorf die Düsseldorfer in Bochum nicht nur in Führung, sondern letztlich auch zum Sieg geschossen. Auch deshalb, weil Florian Kastenmeier - der Mann, der die Binde um den Arm trägt - den knappen Vorsprung der Fortuna mehrmals mit starken Paraden über die Zeit rettete. Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Samstagabend gewesen sein, dass die beiden Anführer auch ihrem angezählten Cheftrainer zur Seite standen.
"War nicht ganz so einfach, die Woche", blickte Schlussmann Kastenmeier am Sky -Mikrofon auf die vergangenen Tage zurück. Unmittelbar nach der 0:3-Niederlage gegen Darmstadt hatte etwa Sportvorstand Klaus Allofs die Debatte um Daniel Thioune befeuert und unmissverständlich klargemacht, dass dieser "dafür verantwortlich" sei, "dass sich die Situation bessert."
„Der hat diese Woche nicht so ruhige Nächte gehabt.“ (Florian Kastenmeier über Daniel Thioune)
Dass die Fortuna allen voran im zweiten Abschnitt an der Castroper Straße zu passiv agiert hatte, musste auch der Torhüter eingestehen - "aber das ist ja klar, dass wir nicht die Sterne vom Himmel spielen nach dieser Woche." Vielmehr stellte Kastenmeier das geschlossene Defensivverhalten der Mannschaft in den Vordergrund - und äußerte sich auch zur großen Bedeutung des Sieges hinsichtlich der Zukunft seines Trainers.
"Ja, den habe ich kurz gedrückt. Der ist ein bisschen emotional geworden, der Alte", erklärte der Torwart, der einen mehr als guten Draht zu Thioune hat. "Der hat diese Woche nicht so ruhige Nächte gehabt. Vertrauen ist keine Einbahnstraße - er hat uns das Vertrauen geschenkt und wir schenken ihm das Vertrauen", fügte er anschließend an, wobei man auch ihm die große emotionale Bedeutung des Dreiers anmerken konnte.
"Wir arbeiten jetzt dreieinhalb Jahre zusammen. Ohne ihn würde ich auch nicht da stehen, wo ich jetzt stehe, glaube ich. Er hat mir immer das Vertrauen geschenkt, jetzt dazu noch die Binde. Das ist dann schon ein bisschen engeres Verhältnis", so Kastenmeier, der abschloss: "Dieser Sieg war nicht nur für alle, die Fortuna im Herzen tragen, sondern besonders auch für ihn."
Oberdorf und Co. weiter "felsenfest" von Thioune überzeugt
Auch Siegtorschütze Oberdorf machte sich nach dem Abpfiff abermals für den Trainer stark, "weil wir nach wie vor komplett überzeugt sind von der Idee, wie er Fußball spielen will." Aus Sicht des 29-Jährigen lag "das, was in den letzten Wochen nicht so gut lief, weniger an ihm, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie wir es umgesetzt haben - und häufig dann auch gar nicht umgesetzt haben."
Dass die Mannschaft laut Oberdorf weiterhin "felsenfest davon überzeugt" sei, dass Thioune der richtige Mann an der Seitenlinie ist, nahm der Trainer selbst derweil wertschätzend zur Kenntnis. Ebenso wie die Tatsache, dass es seinem Team in Bochum gelungen ist, "erstmals wirklich Zweitligafußball" zu spielen und letztlich den dritten Saisonsieg einzufahren.
"Maximal erleichterter" Thioune fordert Demut
"Es freut mich natürlich ungemein und ist eine Bestätigung dessen, dass ich über drei Jahre vielleicht auch nicht ganz so viel falsch gemacht habe mit meiner Mannschaft", führte Thioune aus, der sich dennoch bewusst ist, "dass unser Fußball nach ein wenig Stückwerk aussieht. Sie haben alles auf dem Platz gelassen, und ich glaube, ich habe auch ein Stück weit dazu beigetragen, dass ich auch in den nächsten Wochen Trainer sein soll oder sein darf. Wobei das letztendlich ja nicht ich entscheide."
Seine Spieler hätten in diesem Zuge aus seiner Sicht aber "auch gemerkt, dass ich vielleicht nicht zu Recht so viel aushalten musste", wie es jüngst eben der Fall war. Zugleich forderte er wie schon im Vorfeld der Partie eine gewisse Demut, was die Qualität des auf vielen Positionen veränderten Kaders anbelangt: "Der Kader hat Potenzial, aber er muss wachsen. Er ist gerade nicht Top 5 in der Liga, aber er kann sich da hinentwickeln", so die Einschätzung des 51-Jährigen.
Trotz aller Emotionen richtete der "maximal erleichterte" Thioune den Blick schließlich auf die kommende Partie, in der die Fortuna "mindestens genau so" funktionieren müsse. Bereits am Freitagabend gastiert der 1. FC Nürnberg in Düsseldorf (18.30 Uhr).