Aufstiegsfinale gegen Sunderland
Drei Aufstiege in den vergangenen acht Saisons stehen zu Buche - und diesen Erfolgen zwei Abstiege gegenüber. Seit Sheffield United in der Saison 2016/17 den Sprung von der drittklassigen League One in die Championship geschafft hat, folgten zwei weitere Ausflüge in die Premier League, mal längere, mal kürzere. Nun soll Nummer drei folgen. Gerne natürlich wieder länger.
Das ist für alle Premier-League-Aufsteiger mittlerweile ein schwieriges Unterfangen. 2019/20 überraschte Sheffield noch mit Platz 9 im englischen Oberhaus, ein Jahr später ging es als Letzter wieder runter. Bei der Rückkehr 2023/24 waren als Aufsteiger gerade einmal drei Siege drin. Die Folge: wieder Platz 20. Auch die anderen beiden Aufsteiger mussten direkt wieder den Gang in die Championship antreten, das gleiche Schicksal ereilt in der noch laufenden Saison die drei Aufsteiger Southampton (nur 2 Siege), Ipswich Town (4) und Leicester City (6).
Das "richest game in football"
Gleichzeitig schickt sich Sheffield United an, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen und damit einen neuen Anlauf zu starten, sich in der Premier League zu etablieren. Die Schere zur ersten Liga ist nicht nur sportlich, sondern auch finanziell riesig. Experten rechnen damit, dass in der Premier League im Vergleich zur zweiten Liga gut 260 Millionen Euro mehr warten.
Nicht umsonst wird das Finale der Aufstiegs-Play-offs, das Sheffield am Samstag in Wembley gegen den AFC Sunderland bestreitet (16.01 Uhr, LIVE! bei kicker), als "richest game in football" betitelt. Es geht um viel mehr als einfach nur einen Aufstieg.
Letzteres allein würde eigentlich schon genug Potenzial für Drama versprechen. Damit kennt sich Sunderland - letztmals 2016/17 in der Premier League - nach den Play-offs mittlerweile besonders gut aus. Das Team von Cheftrainer Regis Le Bris verlor die letzten fünf Hauptrunden-Spiele allesamt, nur um dann Frank Lampards Coventry City in Minute 120.+2 des Halbfinalrückspiels auszuschalten.
Bellingham im Fokus
"Die Spieler haben ein paar Tage gebraucht, um sich von diesem unglaublichen Moment zu erholen", meinte Le Bris gegenüber Sky Sports. "Das Ende der Partie war überragend." Nun soll ein überragender Saisonabschluss her, der für einige Talente zum Abschied werden könnte.
Der 19-jährige Tom Watson steht vor einem Wechsel zu Brighton, Jobe Bellingham, der jüngere Bruder von Jude, ist heftig umworben, unter anderem von Borussia Dortmund oder RB Leipzig. Die Black Cats könnten im Sommer einige Leistungsträger verlieren.
Historische Dimensionen im Aufstiegsfinale
Favorit auf den Aufstieg sind sie nicht. Diese Rolle gehört vor dem Duell der beiden Traditionsvereine Sheffield. Die Blades schossen sich per Rekord gegen Bristol City ins Aufstiegsfinale, schlossen die Hauptrunde als Dritter - hinter den beiden sicheren Aufsteigern Leeds United und dem FC Burnley - mit 14 Punkten Vorsprung vor dem Vierten aus dem Nordosten Englands ab. Eine größere Differenz gab es noch nie zwischen zwei Finalteilnehmern der Aufstiegs-Play-offs seit der Einführung des aktuellen Formats zur Saison 1988/89.
"Du begegnest immer irgendwelchen Zweifeln", spielte Le Bris die Tabelle herunter. "Wir wissen, dass ein schwieriger Gegner wartet in einem einzigartigen Event. Es wird hart. Du musst auf das Unerwartete vorbereitet sein. Zum Glück hat dieses Team schon bewiesen, dass wir mit dem Unberechenbaren umgehen können."
Zudem lässt sich eine andere Statistik finden, die Sunderland Mut machen und dem Gegenüber die Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte: In neun Anläufen gewann Sheffield noch nie die Aufstiegs-Play-offs. Den Black Cats gelang dies immerhin 2022 beim Aufstieg aus der League One in die Championship. Keeper Anthony Patterson oder Mittelfeldspieler Patrick Roberts waren damals schon dabei.
"Wenn ich auf all diese Narrative hören würde, könnten wir auch genauso gut zu Hause bleiben und ich mir einen Urlaubstag geben", wiegelte Sheffield-Coach Chris Wilder angesprochen auf die Historie ab. "Wir wollen unser eigenes Kapitel in diesem berühmten Fußballverein schreiben." Der immerhin schon seit gut 135 Jahren existiert, wie Wilder anmerkte. "Irgendwann in den nächsten 135 Jahren werden wir es über die Aufstiegs-Play-offs hinkriegen." Vielleicht endet das Warten schon am Samstag.