"Bis dahin kann es aber auch schon 3:0 stehen"
Havelses Trainer Samir Ferchichi hatte vor der Partie angekündigt, dass er hoffe "die Geschichte zu Ende schreiben zu können." Um das Ziel zu erreichen, setzte der Trainer auf die gleiche Startelf und Formation wie schon im Hinspiel. Lediglich die Schienenspieler im 3-1-4-2-System wurden zunächst defensiver positioniert und fielen immer wieder in die Fünferkette zu einer 5-3-2-Formation. In einer von Beginn extrem fahrigen Partie waren beide Mannschaften darauf bedacht keine Fehler zu machen.
Die Garbsener hatten dennoch einen klar erkennbaren Matchplan und setzten auf lange Diagonalbälle und Standardsituationen. Spielerisch kamen beide Teams zunächst zu keinen Torchancen. Vor lediglich 2300 Zuschauern, davon 600 aus Leipzig, untermauerte Havelse, dass es in dieser Saison das heim stärkste Team aller Regionalligen (14 Siege aus 17 Spielen) war.
„Der Platzverweis spielt uns sicher in die Karten, aber bis dahin kann es auch schon 3:0 stehen.“ (TSV-Trainer Samir Ferchichi)
Wenn es gefährlich wurde, dann vor dem Tor der Gäste. Doch Leipzigs Schlussmann Andreas Naumann wuchs ein ums andere Mal über sich hinaus. "Bis dahin kann sich Lok beim Torhüter bedanken", sagte Ferchichi nach der Partie. Wenn er dann doch geschlagen wurde, half seine Hintermannschaft mit und klärte zweimal auf der Linie. In einer ohnehin sehr hitzigen Partie hagelte es in der zweiten Halbzeit eine Verwarnung nach der anderen - mit verheerenden Folgen in der 80. Minute. Dombrowa ging, nachdem er selbst ein Foul gepfiffen bekommen hatte, zu ungestüm in den bereits abgepfiffenen Zweikampf und kassierte die Ampelkarte. Danach bekam Havelse Oberwasser und spielte wesentlich dominanter auf. "Der Platzverweis spielt uns sicher in die Karten, aber bis dahin kann es auch schon 3:0 stehen", sagte Ferchichi.
Durch Tore von Kapitän Julius Düker, Top-Scorer Marko Ilic und Edeljoker Lorenzo Paldino spielte der TSV die 40-minütige Überzahl dann gekonnt aus. "Wir haben hoch souverän gewonnen, ich habe noch nicht so richtig begriffen, was hier passiert ist", sagte Ferchichi nach Abpfiff. Auch Torschütze Düker wusste noch nicht wohin mit seinen Emotionen: "Was hier heute abgelaufen ist, ist Wahnsinn. Ich kann es noch nicht realisieren."
In der Verlängerung kam es dann in Teilen zu unschönen Szenen. Den Leipzigern brannten die Sicherungen durch, gefolgt von zwei Platzverweisen. Nach Abpfiff überwog dann aber die Fairness aller Beteiligten. "Hektik gehört zum Sport dazu. Leipzig hat eine überragende Saison gespielt. Ich hätte es ihnen gegönnt", sagte Ferchichi. Kapitän Düker schlug in die gleiche Kerbe. "Es tut mir leid für Lok, egal, wie sehr ich mich freue."
Die Feierlichkeiten der Garbsener kannten nach Abpfiff keine Grenzen. "Du guckst in diese Gesichter der Fans und jedes Gesicht hat eine Geschichte. Ob Spieler, Familie oder Freunde. Wir schreiben ein Buch daraus und wann immer wir das Buch lesen, wird auf der letzten Seite ein Happy End sein. Und das ist Wahnsinn", sagte Ferchichi nach Abpfiff.