Mit einem Traditionsduell startet die 3. Liga in die neue Saison 2025/26, wenn Rot-Weiss Essen im Stadion an der Hafenstraße am Freitag um 19 Uhr (LIVE! bei kicker) den TSV 1860 München empfängt. Und die Fans können sich auch auf etwas gefasst machen, kommen beide Teams doch mit einer nahezu perfekten Vorbereitung in die neue Spielzeit. Damit könnten die Klubs vor einer erwartet ausverkauften Arena auch direkt für das erste Ausrufezeichen in der 3. Liga sorgen, nennen nicht wenige beide Vereine auch gerne mal als Aufstiegsfavoriten.
Entsprechend optimistisch zeigt sich Essen-Coach Uwe Koschinat bei der Pressekonferenz vor dem Spiel: "Wir haben eine sehr, sehr gelungene Vorbereitung hingelegt. Wir haben allen Grund, sehr selbstbewusst zu sein. Wir konnten den Schwung aus der letzten Runde in die neue Saison retten." Mit einem 5:2 gegen Zweitligist Magdeburg, einem 5:0 gegen Fortuna Köln oder einem 2:1-Sieg über den FC Augsburg waren einige Statement-Erfolge dabei, die diesen Eindruck festigen. Dennoch sind die Testspiele nicht immer ein Indikator für einen guten Saisonstart.
Koschinat brachte Schwung nach Essen
Fakt ist: Seitdem der 53-Jährige die Verantwortung an der Seitenlinie im Dezember letzten Jahres übernommen hat, läuft es für die Rot-Weissen. Er führte sein Team mit 12 Siegen in der 3. Liga auf Platz 2 der Rückrundentabelle - man stand nach der Hinrunde auf Rang 18 - und am Saisonende auf Platz 8. Dennoch will Koschinat bei der Favoritenrolle sicher nicht über sein Team reden und schiebt sie weiter - und zwar nach München: "1860 ist mindestens einer der Favoriten in der Liga, wenn nicht sogar die Orientierung."
Besonders das Transfer-Gebaren und die starke Vorbereitung der 1860er geben dem Coach das Gefühl, dass in München "die Scharmützel neben dem Platz überhaupt keine Rolle spielen". Er spielt damit womöglich unter anderem auf die Situation um den Löwen-Investor Hasan Ismaik an. Dennoch "müsste die Erwartungshaltung bei den Löwen schon etwas höher sein". Wenn man in München also versucht, kleine Brötchen zu backen, sieht Koschinat darin eher ein Understatement: "Ich nehme einem Niederlechner und einem Volland keineswegs ab, dass sie eine stabile Mittelfeldmannschaft sein wollen."
Auch Essen hat Qualität eingekauft
Also macht Koschinat 1860 prompt zum Ligaprimus, der "keinen Spieler im Kader hat, der nicht mindestens eine überragende Drittligasaison gespielt hat". Doch auch Essen sollte sich nicht kleiner machen, als es ist. Nach der abgelaufenen Saison haben die Rot-Weissen lediglich mit Julian Eitschberger (nach Leihe zurück zu Hertha BSC) einen absoluten Leistungsträger verloren und sich stattdessen ordentlich Zweit- und Drittligaerfahrung hinzugeholt. Allein mit Franci Bouebari, Jannik Hofmann, Luca Bazzoli und der Rückkehr von Marvin Obuz sind zusammen mehr als 100 Zweit- oder Drittligaspiele nach Essen gekommen.
Nun steht also die erste Standortbestimmung der Saison an. Verzichten muss Koschinat dabei auf Nicolai Schulte-Kellinghaus (Knieverletzung), Jaka Cuber Potocnik und die etatmäßige Nummer 1, Jakob Golz (Insektenstich auf dem Knie). Zwar wollte sich der Coach im Gegensatz zu seinem Gegenüber Patrick Glöckner nicht detailliert zu der Mannschaftsaufstellung äußern, bestätigte aber, dass Golz durch Felix Wienand mit einem "Top-Torwart" ersetzt werden wird, bei dem er gar keine Bedenken habe.
Wer am Ende Favorit in der Liga sein wird und wer nicht, wird nicht nur vom ersten Saisonspiel abhängen. Dennoch lassen sich danach womöglich bereits die ersten Schlüsse ziehen.