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Krattenmacher: Sein Vorbild ist Musiala

kicker

Aus Herthas Trainingslager in Kitzbühel berichtet Steffen Rohr

Von Sandro Wagner hat er seit seinem Wechsel nach Berlin noch nichts gehört. Ist aber nicht schlimm. "Ich habe ihm, wenn ich ehrlich bin, auch noch nicht gratuliert", sagt Maurice Krattenmacher und schmunzelt. Wagner, der aufstrebende Jung-Trainer, und Krattenmacher, das aufstrebende Top-Talent - das war einst eine ziemlich verheißungsvolle Kombination bei der SpVgg Unterhaching. "Er ist ein toller Typ, ein großartiger Mensch", sagt Krattenmacher. "Ich konnte sehr viel von ihm lernen. Es war eine große Ehre für mich, unter ihm spielen zu dürfen. Er geht seinen Weg und wird mit Augsburg eine Top-Saison spielen."

Das Jahr in Ulm: "Ich habe viel mitnehmen können"

Eine Top-Saison beim neuen Klub ist auch Krattenmachers Ziel. Die Leihgabe des FC Bayern setzt nach dem Leihjahr in Ulm den eigenen Ausbildungsweg in der 2. Liga fort - trotz Bundesliga-Offerten. "Hertha ist ein Riesen-Verein", sagt der 19-Jährige. "Ich glaube, es ist sinnvoll, nochmal einen kleinen Zwischen-Step zu machen, damit ich dann im besten Fall - wenn alles gut läuft - früher oder später ganz oben angreifen kann."

Die vergangene Saison beim Auf-und-wieder-Absteiger Ulm, für den er in 32 Zweitliga-Einsätzen drei Tore und acht Assists verbuchte, hat ihn weitergebracht, sportlich und als Persönlichkeit. Er habe "auf jeden Fall viel mitnehmen können", findet der U-20-Nationalspieler. Konkret: "Dass man auch immer versucht, alles zu geben und als Team zusammenzuwachsen, wenn es mal nicht so läuft oder wenn man nicht so viele Spiele gewinnt. Ich bin mir sicher, dass sich das früher oder später auszahlt."

Klub-WM: "Die Erfahrung war unbeschreiblich"

In Berlin soll der U-20-Nationalspieler den Abgang von Ibrahim Maza nach Leverkusen auffangen. Die ersten beiden Testspieleinsätze Krattenmachers vor einer Woche beim Nordost-Regionalligisten BFC Dynamo (6:0) und am vergangenen Dienstag gegen Drittliga-Aufsteiger TSV Havelse (3:2) sahen vielversprechend aus. Tempo, Technik, Torgefahr, Kreativität: Krattenmacher will und kann Herthas Offensive als hängende Spitze oder im offensiven Mittelfeld eine Menge geben. Fertig ist er in seiner Entwicklung gleichwohl noch nicht.

Die Klub-WM, in die er mit dem Tross des FC Bayern startete und die er wegen des Berlin-Wechsels vorzeitig verließ, hat er als kostbare Erfahrung abgespeichert, auch wenn er nicht zum Einsatz kam: "Ich habe mein Bestes gegeben und wollte auch spielen. Dass es nicht geklappt hat, ist natürlich schade. Aber ich war froh, dass ich dabei war. Die Erfahrung, mit den Besten der Besten trainieren zu dürfen, war unbeschreiblich. Da muss man dankbar sein, dass man das erleben darf. Wenn ich mich im ersten Training und im letzten Training vergleiche, war ich ein anderer Spieler. Das Tempo, auch im Kopf, ist viel schneller."

In Unterhachings U 17 gelang der Durchbruch

Die Trainingslager-Tage in Kitzbühel sind für den gebürtigen Münchner Krattenmacher, dessen Eltern nach Bad Aibling zogen, als er vier Jahre war, fast ein Heimspiel. Mit Unterhachings U 15 hat er vor Jahren den Cordial Cup in Kitzbühel gespielt, zu Herthas Testspiel gegen Bröndby IF am Sonntag wollen die Eltern anreisen.

Den Wechsel vom FC Bayern 2017 mit knapp 12 Jahren zur SpVgg, die er im Sommer 2024 wieder in Richtung FC Bayern verließ, sieht er noch heute als Glücksfall. "Im Nachhinein hab‘ ich alles richtig gemacht", sagt Krattenmacher. "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es genauso wieder machen. Der Weg war nicht allzu schlecht." In Unterhachings U 17 gelang ihm der Durchbruch. 2021/22 wurde er im Team von Trainer Marc Unterberger Vizemeister der B-Junioren-Süd/Südwest-Staffel hinter dem VfB Stuttgart und mit 23 Treffern knapp vor dem damaligen Nürnberger und jetzigen Frankfurter Can Uzun Torschützenkönig.

"Jamal ist ein krasser Spieler"

Sandro Wagner holte den Hochbegabten schon mit 15 punktuell in den Männerbereich, mit 16 folgte das Regionalliga-Debüt. "Ich habe schon sehr viele junge Spieler beim FC Bayern München und bei der TSG Hoffenheim gesehen", sagte Wagner damals, "aber nie so einen in dem Alter mit der Qualität." Krattenmacher weiß, was er kann, und er weiß auch, was noch fehlt. Sein Vorbild ist Bayerns Jamal Musiala. "Jamal ist ein krasser Spieler", sagt der Neu-Berliner. "Da kann man schon hochschauen. Wenn man auch mal annähernd so gut wird, dann hat man, glaube ich, schon viel erreicht." Hat man.

Maurice Krattenmacher hat sich auf den Weg nach oben gemacht. Er nimmt dafür die Treppe, nicht das Trampolin. Die Qualität seiner neuen Mannschaft findet er "sehr gut", und was - bei allem spielerischen Know-how - Herthas Hauptrezept in der engen, robusten 2. Liga sein muss, weiß er sehr genau: "Es ist eine schwere Liga. Wir müssen einfach schauen, dass es gegen uns am ekligsten ist zu spielen."