Als Roland Kroos im Sommer 2017 beim Greifswalder FC als Trainer anheuerte, spielte der Verein aus Mecklenburg-Vorpommern noch in der Verbandsliga und war sicherlich nur den wenigsten ein Begriff. Acht Jahre später ist der Verein vom Bodden mittlerweile in der 4. Liga angekommen, hat sich nicht erst seit der Vizemeisterschaft in der Saison 2023/24, als sich der Klub in einem spannenden Schlussspurt nur Energie Cottbus geschlagen geben musste, einen Namen gemacht.
Und auch der mittlerweile 65 Jahre alte Kroos ist zurück, nun vorerst interimsweise und bis auf Weiteres als Sportlicher Leiter, wie die Hansestädter Anfang Oktober bekanntgaben. "Ich hatte immer eine gewisse Verbundenheit zum Verein und als der Vorstand auf mich zugekommen ist, hat es nicht lange gedauert und ich habe für eine gewisse Zeit zugesagt", sagt Kroos im Gespräch mit dem kicker, dessen Sohn Toni mit Deutschland 2014 Weltmeister wurde. Parallel läuft die Suche nach einem Sportdirektor beim Klub aber weiter, in der auch Kroos eingebunden ist.
Nur Platz 15
Nach seinem krankheitsbedingten Ende als Trainer des GFC im Februar 2023 stand Kroos dem Verein zuletzt als Berater zur Seite und "war immer noch nah dran", wie der gebürtige Greifswalder sagt. "Ich hatte einen guten Überblick." Somit blieb Kroos die sportliche Talfahrt des Vereins in der vierten Spielzeit in Folge in der 4. Liga nicht verborgen. Nach elf Partien stehen die Hansestädter lediglich auf Tabellenplatz 15 - dem ersten möglichen Nichtabstiegsplatz. "Der Tabellenplatz und die Punkte sagen viel aus. Damit können wir nicht zufrieden sein", meint Kroos. Mit dessen Installation soll auch Markus Zschiesche, der zuletzt als Sportchef und Trainer in Doppelfunktion beim GFC agierte, "entlastet werden", so der 65-Jährige. "Der Trainer kann sich nun auf das Sportliche konzentrieren, um aus der Situation herauszukommen."
Denn seit dem 2. Spieltag und dem 3:0 gegen Chemie Leipzig konnte die MV-Mannschaft keinen Sieg mehr einfahren, rutschte im Gesamtklassement immer weiter ab. Generell steht lediglich ein Dreier in der aktuellen Spielzeit zu Buche. Seit neun Matches (vier Remis, fünf Niederlagen) warten die Greifswalder bereits auf ein Erfolgserlebnis. Geht die Abstiegsangst also um beim Verein? "Das muss man im Auge behalten. Die Tabelle lügt nicht", sagt Mecklenburg-Vorpommerns Trainer des Jahres 2017, der dieser Tage bei jeder Trainingseinheit vor Ort ist und sich mit Mannschaft und Trainer austauscht. Denn das gemeinsame Ziel ist es, schnell wieder in die Erfolgsspur zu kommen.
Die nächste Chance dazu haben die Greifswalder am Samstag, wenn das Auswärtsspiel gegen den Tabellensiebten FSV Zwickau ansteht. "Auch wenn es die Tabelle nicht aussagt, sehe ich uns auf Augenhöhe", meint der Greifswalder Verantwortliche. Immerhin: In allen vier Pflichtspielen in der 4. Liga seit 2023 gegen die Sachsen ist das MV-Team noch ungeschlagen (drei Siege, ein Remis). Auch Kroos wird die Reise in die GGZ-Arena mit antreten. "Wenn ich etwas mache, dann richtig. Ich bin in dieser Zeit jetzt zu 100 Prozent dabei", so der interimsweise Sportliche Leiter. Dieser betont aber, trotz über 30-jähriger Tätigkeit als Coach: "Markus ist als Trainer der Hauptverantwortliche. Ich will aber meine Erfahrung natürlich weitergeben. Wir können es im sportlichen Bereich noch maximieren." Über Details für mögliche Veränderungen wollte Kroos nicht sprechen, sagte jedoch: "Wir wollen die Aufgaben, auch im Trainerteam, besser verteilen und noch intensiver an den Schwerpunkten arbeiten. Es gilt, die beste Version des Greifswalder FC zu finden."
Und dies ist für Kroos ein wichtiges Anliegen. Immerhin war der Vater von Toni und Felix im Klub schon als Trainer, Technischer Direktor, Teamchef, Berater und nun Sportlicher Leiter aktiv. "Das ist der Heimatverein der ganzen Familie, wo alles irgendwann mal angefangen hat, auch wenn wir mal weg waren. Die Verbindung ist nie abgerissen und der Greifswalder FC bedeutet mir sehr viel", sagt Kroos - jetzt immerhin wieder in offizieller Funktion.