Nach Zitter-Klassenerhalt
Herr Lindemann, durch das 0:0 gegen den SV Todesfelde hat der SSV Jeddeloh II am 34. Spieltag den Klassenerhalt klargemacht. Wie fällt Ihr Fazit zur Saison aus?
Erst top, dann ein bisschen Flop. Es war ein ständiges Auf und Ab. Wir hatten keine Kontinuität und haben zu viele individuelle Fehler gemacht. Nach der Hinrunde dachte ich, wir seien auf einem guten Weg. Dann kommt, wie immer in Jeddeloh, wieder so eine ominöse Rückrunde. Am Ende schlingern wir dann irgendwie über die Ziellinie. Für mich als Trainer waren die letzten Wochen der Saison sehr anstrengend.
Der SSV hat sich über einen längeren Zeitraum aus dem tiefsten Abstiegskampf raushalten können. Warum wurde es am Ende doch nochmal so eng?
Das spiegelt die Mannschaft wider. Diese Schwankungen zeigen, dass die letzte Gier fehlt. Wir machen uns das Leben gerne selber schwer. Daran müssen wir wirklich arbeiten.
„Wenn dieser Verein nicht versteht, dass die Regionalliga sich entwickelt hat, und der SSV sich deshalb auch entwickeln muss, wird es ihn irgendwann erwischen.“ (Björn Lindemann)
Ende September kam es zu einem verheerenden Brand auf dem Gelände der Haskamp-Arena. Wie sehr hat dieser diese Saison beeinflusst?
Es war schlimmer, als wir nach Jeddeloh zurückgekehrt sind. Dort waren die Bedingungen eine Katastrophe. Auf den Plätzen konnten wir nicht viel einstudieren. Damit werden den Jungs auch Ausreden geschaffen. So konnten wir nicht vernünftig arbeiten. Das hat mich gestört, denn als Trainer will ich mich nur um den Sport kümmern.
Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem bis zum Ende um den Klassenerhalt gebangt werden musste. Wie kann der Klub verhindern, dass es ihn nicht doch alsbald einmal erwischt?
Wenn dieser Verein nicht versteht, dass die Regionalliga sich entwickelt hat, und der SSV sich deshalb auch entwickeln muss, wird es ihn irgendwann erwischen. Das ganze Drumherum muss besser werden. Auch so eine gesamte Saison muss einmal richtig durchgeplant werden. Am 16. Juni startet die Vorbereitung. Da muss jetzt klar sein, wo wir dann trainieren können. Stattdessen stehen wir aktuell da und wissen wieder nicht, welche Möglichkeiten wir haben.
„Aktuell ist es hier Landesliga-Niveau. (...) Der Verein muss aufwachen. Wir brauchen mehr Kompetenz beim SSV.“ (Björn Lindemann)
Das Umfeld in Jeddeloh II ist per se weiterhin nicht vollauf regionalligatauglich. Wie realistisch sind sich rasche Verbesserungen?
Aktuell ist es hier Landesliga-Niveau. Ich war ja schon als Spieler hier. Die Trainingsbedingungen haben sich seitdem nicht verbessert. Gerdi Meyer (Geschäftsführer Gerhard Meyer, Anm. d. Red.) gibt immer jede Menge Gas, aber alleine kann er das auch nicht schaffen. Ganz klar: Der Verein muss aufwachen. Wir brauchen mehr Kompetenz beim SSV. Vereine wie BW Lohne oder die SV Drochtersen/Assel sind viel weiter als wir. Die wachsen jedes Jahr ein Stück weiter.
Im vergangenen Sommer haben mit Julian Bennert, Mario Fredehorst, Pierre Becken und Konstantin Engel mehrere erfahrene Spieler den Klub verlassen. Vor dieser Saison kamen mit Gazi Siala und Max Wegner zwei erfahrene Spieler. Nun gehen auch Bastian Schaffer und Felix Bohe. Muss der SSV hier im Sommer nochmal nachlegen?
Wir brauchen auf jeden Fall noch Qualität und ein paar Jungs, die auch mal den Mund aufmachen. Das habe ich dem Verein auch gesagt. Nur mit jungen Talenten geht es nicht. Wir brauchen eine stabile Achse. Da müssen wir nach passenden Spielern suchen. Das wird nicht einfach.
Willi Evseev aus Meppen kommt auf den Markt. Trägt er nächste Saison das SSV-Trikot?
Am Ende des Tages ist immer die Frage, ob es für alle Seiten passt. Willi habe ich frühzeitig angesprochen. Natürlich müssen wir darüber nachdenken, ob wir ihn zu uns holen können. Willi hat am Ende der Saison auf jeden Fall gezeigt, dass er weiterhin in der Regionalliga spielen kann. Er wäre jemand, der uns weiterhelfen könnte.
Wird Max Wegner als Kapitän der Nachfolger von Bastian Schaffer?
Das ist noch nicht gesagt. Da habe ich auch Kasra (Ghawilu, Anm. d. Red.) im Auge. Er hat es in dieser Saison gut gemacht, auf und neben dem Platz. Um ihn wollen wir langfristig eine Mannschaft aufbauen. Max wird da auch immer ein Wörtchen mitreden mit seiner Erfahrung. Darüber mache ich mir Gedanken, wenn der Kader komplett ist.
„Thure hatte in dieser Saison die Chance. Diese hat er nicht zu 100 Prozent genutzt. (...) Auch als Typ ist er nicht vorangekommen.“ (Lindemann über Keeper Thure Fengler)
Bleibt Thure Fengler die Nummer 1?
Thure hatte in dieser Saison die Chance. Diese hat er nicht zu 100 Prozent genutzt. Wir haben viele Gegentore durch individuelle Torwartfehler kassiert. Das darf nicht passieren. Es waren zu viele Höhen und Tiefen. Auch als Typ ist er nicht vorangekommen. Als Torwart musst du präsent sein und auch mal einem wehtun. Das ist eine Position, auf der ich ein, zwei andere Kandidaten im Auge habe.
Können Sie Stürmer Simon Brinkmann von einem Verbleib überzeugen?
Ich denke, dass wir da auf einem guten Weg sind. Für ihn ist es der richtige Schritt, wenn er sein Studium vernünftig weitermachen und bei uns nochmal ein Jahr performen kann. Wir brauchen aber jetzt bald eine finale Entscheidung von ihm. *Sie arbeiten als Versicherungskaufmann und zugleich als Trainer in der Regionalliga. Wollen Sie beides auf Dauer kombinieren?* Das eine will man, das andere muss man. Natürlich würde ich mich gerne noch viel mehr auf den Sport konzentrieren und als Trainer einen Schritt weiterkommen. Aktuell will ich aber nicht nur auf den Fußball zu setzen. Das Risiko ist zu groß.