Abwehrchef und Linksfuß gesucht
Siebter oder Fünfter in der Endabrechnung - was auf den ersten Blick keine große Rolle spielt, kann sich langfristig bei der Ausschüttung der Fernsehgelder bemerkbar machen. Ein Platz mehr oder weniger in diesem Ranking entscheidet gerne mal über eine Million Euro mehr oder weniger auf dem Konto. Insofern ist es für den FCK recht ärgerlich, dass die abgelaufene Saison mit 55 Gegentoren zu Ende gegangen ist. 56 Tore hat das Team geschossen, macht unterm Strich das geringstmögliche Plus. Düsseldorf und Magdeburg stehen besser da - und deshalb trotz gleicher Punktausbeute vor dem FCK.
Schon vor dem abschließenden 0:4 in Köln war das für einen Aufstiegsaspiranten sehr bescheidene Torverhältnis ein echtes Handicap für die Pfälzer, die beim letzten Fünkchen Hoffnung auf den Relegationsplatz umso mehr von drei anderen Partien abhängig waren. Es wurde bekanntlich nichts mit Platz 3 und der FCK tritt in der kommenden Saison erneut in der 2. Liga an. Die Ansprüche wachsen, der FCK will erneut oben ein Wörtchen mitreden, kündigte Boss Thomas Hengen bereits an. Wohlwissend, dass eine stabilere Defensive die Grundlage sein muss.
Lieberknecht der passende Mann
"Die Defensive fängt vorne im Sturm schon an. Das ist ja immer ein gemeinschaftliches Projekt. Definitiv haben wir zu viele Gegentore bekommen. Das ist einfach so, du darfst keine 50 Gegentore und mehr kassieren. Wenn du eine reelle Chance haben willst, oben mitzuspielen, dann darfst du dir zwischen 30 und 40 Gegentore erlauben", betont der Geschäftsführer.
Torsten Lieberknecht scheint für diese Mission rein auf dem Papier besser geeignet zu sein als sein Vorgänger Markus Anfang, dessen offensiver Ansatz schon bei seinen früheren Stationen durch zu viele Gegentore zu Problemen geführt hatte. Lieberknecht ist zwar kein reiner Defensivfanatiker, doch er geht die Sache meist pragmatisch an. Beim Bundesliga-Aufstieg mit Darmstadt 98 in der Saison 2022/23 war die stabilste Defensive der Liga mit nur 33 Gegentoren die Grundlage. Für Platz 2 reichten den Minimalisten 50 Tore - genauso viel schoss damals Absteiger Bielefeld.
Die wichtige Vorlaufzeit
In seinen vier Spielen beim FCK spürte Lieberknecht direkt am eigenen Leib, wie sehr der Schuh hinten drückt. Denn trotz der sieben Punkte in diesen Zeitraum kassierte das Team eben auch acht Gegentore. "Man sieht es ja insgesamt an den Gegentoren, wo man unter anderem den Hebel ansetzen muss, wenn man eine noch bessere Saison spielen möchte", resümierte der Chefcoach.
Dass er die Mannschaft in den vergangenen Wochen so intensiv hat kennenlernen dürfen, bezeichnete der gebürtige Pfälzer als "total hilfreich" und einen "Vorteil" im Vergleich zu einem Start als Trainer in der Sommerpause. Er habe so einen "guten Einblick in die Mannschaft, wie sie sich als Team präsentiert, die Kultur in der Kabine und die Kaderqualität" bekommen.
Nicht nur im Verteidigen der Gegentore sah Lieberknecht viel Verbesserungspotenzial, auch der Spielaufbau gefiel dem 51-Jährigen nicht. "Man hat heute auch wieder gesehen, wie wichtig es ist, gerade auf beiden Innenverteidigerposition Leute zu haben, die mit ihrem starken Fuß dort spielen", sagte Lieberknecht nach dem Saisonabschluss in Köln, wo mit Jannis Heuer und Jan Elvedi zwei Rechtsfüßer im Zentrum agierten. Das war im gesamten Saisonverlauf nicht anders, im Kader war kein einziger Innenverteidiger, dessen starker Fuß der linke ist.
Der Wunsch nach einem Linkfsuß
Lieberknecht formulierte also einen klaren Auftrag für die sportliche Führungsriege um Hengen und Sportdirektor Marcel Klos. "Wir brauchen im Spielaufbau einen Linksfuß. Es dauert immer zu lange, wenn wir von Mann zu Mann spielen", so Lieberknecht. Mit nur einem Spieler ist es aber kaum getan. Stand jetzt stehen mit Heuer und Elvedi kommende Saison zwei Innenverteidiger unter Vertrag. Hinzukommt Defensivallrounder Luca Sirch, der angesichts zahlreicher Interessenten nach der Sommerpause auch in der Bundesliga auflaufen könnte. Mit dem Senkrechtstarter kann der FCK nicht fest planen.
Der erste Schritt muss sein, sich auf ein favorisiertes Spielsystem festzulegen. Lieberknecht agierte in seiner bisherigen Trainerkarriere in dieser Hinsicht keineswegs dogmatisch, sowohl Grundformationen mit drei als auch mit zwei Innenverteidigern hat er im Repertoire. Beim FCK gab es in den vergangenen Jahren viele Ansätze. Konstant war aber nur die Inkonstanz. Der Traditionsverein tauschte seine Spielideen und Grundsätze in den vergangenen Jahren ungefähr so häufig wie die Trainer - Lieberknecht ist der fünfte in zwei Jahren.
Es braucht den klaren Abwehrchef
In welcher Formation auch immer: Heuer als auch Elvedi haben grundsätzlich schon das Zeug dazu, bei einem ambitionierten Zweitligisten in der Startelf zu stehen. Doch eben nicht gemeinsam in einer Viererkette, wie diese Saison und ganz besonders eindrücklich das letzte Spiel gezeigt haben.
Der FCK braucht einen klaren Abwehrchef, der mit Leistung und Führungsstärke vorangeht, an dem sich andere Spieler festhalten und hochziehen können. Von dieser Personalie hängt viel in der kommenden Saison ab. Mindestens einen vierten Innenverteidiger braucht es dann zusätzlich, der mit Heuer oder Elvedi um den verbleibenden Platz kämpft - oder die verbleibenden Plätze im Falle einer Dreierkette.
Mindestens genauso wackelig wie das Personal im Zentrum waren in den meisten der vergangenen 34 Ligaspielen auch die Außenverteidiger. Links konnten weder Erik Wekesser (kicker-Durchschnittsnote 4,19) noch Florian Kleinhansl (3,56) überzeugen, rechts wechselten sich Jean Zimmer (3,85), Frank Ronstadt (4,0) und Jan Gyamerah (4,0) mehr oder weniger erfolglos ab.
Gute Chancen, sich auf Anhieb einen Stammplatz auf der rechten Seite zu sichern, hat demnach Neuzugang Simon Asta. Der bisherige Fürther kann nur der Anfang gewesen sein. Nur mit einer runderneuertern Defensive wird der FCK seine hohen Ziele erreichen können.