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Leitl: Mit Kontrolle raus aus dem Hamsterrad

kicker

Die, die es emotional mit Hertha BSC halten, bekamen vermutlich zeitweise Kammerflimmern. Ihre Mannschaft wurde an jenem Montagabend Mitte August vom Gegner vor der Pause derart schwindlig gespielt, dass man sich angesichts der kollektiven Berliner Orientierungslosigkeit fragen durfte, ob Herthas Profis später überhaupt den Stadion-Ausgang finden würden. Den fanden sie und - irgendwann - auch noch den Eingang in ein leidlich kompliziertes Spiel. Hertha war die schlechtere Mannschaft, aber siegte in der 1. Runde des DFB-Pokals mit 5:3 im Elfmeterschießen bei Preußen Münster. Am Samstag gastiert Münster in der Liga in Berlin, und das Video-Material aus dem Cup-Duell will Hertha-Coach Stefan Leitl nur sehr begrenzt für die Spielvorbereitung nutzen. "Wir", sagte er am Donnerstag trocken, "haben uns nur das Elfmeterschießen angeschaut."

Der letzte Heimsieg gelang Anfang Mai gegen Fürth

Es gibt ein paar Themen, die wollen sie in Berlin - aus psychologischen Gründen - in dieser Woche am liebsten klein halten. Die Heimschwäche, die sich bei Hertha fast zu einer Art Fluch ausgewachsen hat, steht da an erster Stelle. Drei Heimspiele in dieser Saison brachten den überschaubaren Ertrag von einem Punkt und keinem Tor. Saisonübergreifend gelangen dem Hauptstadtklub in den vergangenen 15 Zweitliga-Heimauftritten nur zwei (!) Siege, der letzte Anfang Mai gegen Fürth (1:0).

Leitl will das Thema "nicht größer machen, als es tatsächlich ist", und kündigte für die Spielvorbereitung an: "Wir werden keine Veränderungen machen, wir bleiben in unserem Ablauf." Im Spiel selbst geht es aus Leitls Sicht "um Kontrolle, darum, bei sich zu bleiben - auch in negativen Momenten, die es geben kann. Es geht darum, dass wir geschlossen überzeugt von unserem Plan sind und an dem festhalten. Wenn wir nachjustieren müssen, werden wir das tun, aber nicht in Hektik verfallen." Sein Credo: "Man muss nicht immer schön spielen. Man muss auch nicht immer gut spielen. Es geht darum, für uns zu Hause ein Ergebnis zu erzielen."

"Wenn Dinge nicht gelingen, verfallen wir in Einzelaktionen"

Sie werden zügig Heimsiege brauchen, wenn's etwas werden soll mit der Aufholjagd. "Wir müssen unsere Leistung abrufen, den Teamgedanken in den Vordergrund stellen und diese Gemeinsamkeit, wie wir sie in den Auswärtsspielen aufs Feld bekommen", sagte Leitl, der darum bemüht ist, den Druck rauszunehmen: "Wenn wir zum Warm-up gehen, spüre ich, dass die Jungs in unserem Stadion zu Hause etwas Besonderes zeigen wollen. Wenn Dinge nicht gelingen, verfallen wir in Einzelaktionen. Wenn diese Einzelaktionen auch nicht gelingen, ist es wie so ein Hamsterrad. Wir bekommen nicht diese Energie und diese Teamgeschlossenheit auf den Platz." Sein Gegenrezept ist es, "die Kontrolle in der Mannschaft zu bewahren und klar bei unseren Prinzipien zu bleiben".

Hertha will anknüpfen an die Siege in Hannover (3:0) und in Nürnberg (3:0). "Du musst nicht immer ein Spektakel bieten, sondern intensiven Fußball, Zweitliga-Fußball, um zu Hause Spiele zu gewinnen", erklärte Leitl. "Das wird unsere Aufgabe sein." Dreimal war die Aufgabe in dieser Saison im Olympiastadion bisher zu schwer. Gegen Münster folgt ohne Top-Stürmer Dawid Kownacki, der wegen einer Sprunggelenkverletzung den Rest der Hinrunde ausfällt, der nächste Anlauf.