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Leitl unter Druck: Sein Kredit wird kleiner

kicker

Den Satz des Tages lieferte seinerzeit Ralf Huschen. "Wir haben viel zu viel Geld ausgegeben für viel zu wenig Tabellenplatz", sagte Herthas Finanzgeschäftsführer auf der Mitgliederversammlung Ende Mai und verband dieses ernüchternde Fazit mit einem Auftrag: "Da muss im nächsten Jahr mehr rauskommen." Nach sechs Liga-Auftritten in der neuen Saison ist festzuhalten: Mehr rausgekommen ist bislang nicht, eher noch weniger. Ein Sieg, zwei Remis, drei Pleiten: So schlecht war der Klub in seiner Zweitliga-Historie nur 1985/86 und 1988/89. Und so wenige Tore - vier in Gänze - hatte Hertha zum Vergleichszeitpunkt im Unterhaus noch nie.

Der Ertrag korrespondiert mit der fußballerischen Armut

Das 0:2 gegen den SC Paderborn hat die ohnehin angespannte Situation im Berliner Westend nochmals verschärft. Hertha ist nach drei Spielen im Olympiastadion noch immer ohne Heimtor - und wirkt gegen Teams mit einer guten Struktur und einem klaren Plan nachgerade hilflos. Der dürftige Ertrag korrespondiert mit der fußballerischen Armut. Außer in Darmstadt (0:0) waren bislang ausnahmslos alle Gegner gefälliger, gefährlicher und stringenter in ihrem Vortrag. Herthas Spiel wirkt weder zwingend noch homogen, sondern statisch und ausrechenbar. "Potenziell haben wir es drin, aber wir rufen es nicht ab", sagte Kapitän Fabian Reese nach dem Paderborn-Spiel. "Deshalb sind wir alle damit nicht zufrieden."

Etliche Profis kommen nicht ans Limit

Dass die Mannschaft als Ganzes nicht funktioniert und etliche Profis individuell nicht annähernd am Limit spielen, rückt neben der von Sportdirektor Benjamin Weber verantworteten Kaderzusammenstellung zunehmend die Arbeit von Trainer Stefan Leitl in den Fokus. In der vergangenen Rückrunde führte der Mitte Februar als Nachfolger von Cristian Fiel verpflichtete Münchner Hertha aus einer schwierigen Situation heraus und unaufgeregt zum Klassenerhalt.

In dieser Saison ist der Aufstieg das Ziel - und eine andere, dominantere Art von Fußball erforderlich. Aber den Nachweis, ein Entwickler zu sein, hat Leitl in Berlin bislang nicht erbracht. Schwierige Umstände, etwa die Verletzungsflut oder die Corona-Welle im Verlauf dieser Woche, erleichtern Leitls Job nicht. Aber unterm Strich bleibt der fatale Eindruck, dass es aktuell mehr Fragen als Antworten gibt. Ein fußballerischer Fußabdruck ist kaum auszumachen. Auch deshalb bröckelt Leitls Kredit, der nach der Rettung im Sommer groß war. Vor zehn Tagen sagte der Trainer mit Verweis auf Herthas Größe und Selbstverständnis: "Es muss jedem bewusst sein, dass die 2. Liga nicht die Heimat von uns sein kann." Nur: Aktuell ist die 3. Liga näher als die 1. Liga.