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Lohne nach dem Pokal-Triumph: "Der größte Moment meiner Karriere"

kicker

Neun Abgänge bei BWL

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Vor dem ganz großen Moment drehte sich BW Lohnes Kapitän Thorsten Tönnies mit suchendem Blick noch einmal zur Mannschaft um. Als er fündig wurde, beorderte er einen besonderen Teamkollegen zu sich nach vorne: Felix Oevermann. Eine BWL-Ikone, die nach zwölf Jahren im Sommer ihre Karriere beenden wird. Um 14.45 Uhr war es dann soweit: Tönnies und Oevermann reckten den NFV-Pokal in die Höhe und ließen sich von über 2000 Gästefans feiern.

In allen anderen Bereichen des Stadions an der Bremer Brücke hatte da schon lange die Flucht eingesetzt. Kein Wunder: Der Regionalligist BW Lohne hatte den Drittligisten VfL Osnabrück gerade in dessen Wohnzimmer düpiert - mit einem verdienten 4:2 (2:2)-Sieg vor 14.331 Zuschauern, der den Pokaltriumph und den Einzug in die erste DFB-Pokal-Runde der Saison 2025/26 bedeutete. Und der mit wertvollen Einnahmen verbunden ist, die der VfL auch gerne für sich beansprucht hätte.

Daraus wurde nichts, weil BW Lohne eklatante Schwachstellen der Osnabrücker eiskalt ausnutzte. Mit zwei frühen Kopfballtoren von Felix Schmiederer und dem angehenden Osnabrücker Theo Janotta sorgte Lohne für eine VfL-Schockstarre. Und als das Spiel zu kippen schien, weil Osnabrück durch Tore von Bryang Kayo und Marcus Müller noch vor der Pause zum Ausgleich gekommen war, schlug BW Lohne wieder zu. Nico Thoben mit dem dritten Kopfballtor und VfL-Leihgabe Bernd Riesselmann machten die Sensation perfekt.

„Ich habe gerade Männer heulen sehen.“ (BWL-Stürmer Felix Schmiederer)

Lohne war im Freudentaumel, es brachen alle Dämme. Tönnies sagte: "Das ist der größte Moment meiner Karriere." Sein Trainer Uwe Möhrle wähnte sich "wie im Film". Und Torjäger Schmiederer berichtete: "Ich habe gerade Männer heulen sehen. Wenn es so weit ist, dann weiß man, dass etwas Besonderes passiert ist."

Was passiert war, hatte vorher wohl kaum jemand für möglich gehalten. Lohnes Sechser Sandro Heskamp hielt fest: "Nach zehn Minuten mit 2:0 zu führen, damit hat natürlich keiner gerechnet. Das war schon sehr emotional. Ganz wichtig war es, danach die Emotionen zu kontrollieren und nicht durchzudrehen." Es klappte, wenngleich BWL angesichts der höheren individuellen Qualität der Osnabrücker auch einige heiklere Momente überstehen musste. Doch das Team schmiss sich in jeden Zweikampf. Und wenn doch mal ein Schuss aufs Tor kam, war der überragende Torwart Marko Dedovic zur Stelle. Der Keeper schwärmte aber lieber von einer "super Leistung von allen".

Im lila-weißen Lager herrschte hingegen eine Mischung aus Entsetzen und Frust. "Wenn du gegen einen Regionalligisten vier Gegentore im eigenen Stadion kriegst, ist das schon enttäuschend und schwer zu verarbeiten", urteilte VfL-Trainer Marco Antwerpen. Unter vereinzelten Pfiffen verließ die Mannschaft das Stadion, nachdem sie zuvor mit hängenden Köpfen in Richtung Fankurve marschiert war. Nur einer wurde gefeiert: Timo Beermann. Für die VfL-Legende war es das letzte Spiel der Karriere - zum Abschied war ihm weder ein Sieg noch ein Einsatz vergönnt.

Passives Duell der Beermann-Brüder

Das Finale war somit nur ein passives Duell der Beermann-Brüder. Auch Malte, der nach neun Jahren in Diensten von BW Lohne nun ebenfalls seine Laufbahn beendet, saß auf der Bank. Immerhin durfte er danach einen versilberten Abschied feiern - und er war nicht der einzige: Neben Beermann, Oevermann, Janotta und Riesselmann verlassen auch Christoph Bollmann, Aaron Goldmann, Alessio Arambasic, Marc Augé und Stan van Dijck den Klub im Sommer.

Während Janotta und Riesselmann mit ihren Toren quasi selbst dafür gesorgt haben, dass sie mit dem VfL im nächsten Jahr nicht im DFB-Pokal spielen, freuen sich bei BW Lohne alle auf die zweite Erstrunden-Teilnahme nach 2022/23 (0:4 gegen Augsburg). Wenn es nach Möhrle geht, darf am 15. Juni gerne ein "richtiger Kracher" aus dem Lostopf gezogen werden.