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Lok Leipzig vor den Spielen des Jahres: "Am Mittwoch wird die Wiese brennen"

kicker

Müde nach Pokal-Finale?

In einem sportlich nicht unbedingt hochklassigen, aber enorm spannenden Finale des sächsischen Landespokals, konnte der 1. FC Lokomotive Leipzig in seiner Fabel-Saison einen weiteren seismographischen Ausschlag verzeichnen. Im Elfmeterschießen bezwangen die Leipziger den Drittligisten Erzgebirge Aue und versanken umgehend in einer Flut aus Emotionen und Freudentränen. Viel Zeit zum Feiern des "Doubles" bleibt freilich nicht - am Mittwoch steht die erste Runde der Havelse-Festspiele um den Aufstieg in die 3. Liga an, Regeneration wird dadurch zum Wort der Stunde.

Als frisch gebackener Landespokal-Sieger gehen die Leipziger nun den oftmals unbeliebten Aufstiegsspielen gegen den TSV Havelse, Meister der Regionalliga-Nord, entgegen. Stefan Maderer, Top-Torjäger der Leipziger, ist mit Bayreuth schon einmal in Liga drei aufgestiegen, Aufstiegsspiele sind ihm damals erspart geblieben. Seine spezielle Meinung zum Prozedere teilt er mit gefühlt allen, die jemals eine Kugel am Fuß hatten: "Wer sich diese Aufstiegsregelung ausgedacht hat, hat für mich nicht mehr alle Latten am Zaun", hält der 28-Jährige wie gewohnt nicht hinter den Berg. Zeiten ändern sich - hoffentlich bald, zumindest wenn es nach vielen Fußball-Fans und Mitgliedern einer im Nordosten gegründeten Reform-Bewegung geht.

Bis sich etwas ändert, muss man sich eben arrangieren und zwei weitere Schritte bis hin zur möglichen Ekstase gehen. Nach dem beherzten Abnutzungs-Kampf im Finale gegen Aue müssen aber zunächst Wunden geleckt und Nervenkostüme geflickt werden. Eine Verlängerung wurde schon im Vorfeld der Partie als größtmöglich anzunehmender Betriebsunfall deklariert. Nach einer langen Saison knirschen die Gelenke und rauchen die taktisch überfrachteten Köpfe - die drei wichtigsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte in eine englische Woche zu quetschen, halten einige für eine unglückliche Ansetzung.

Gesittete Pokal-Feier

Einerlei, die Leipziger wollen und müssen die Erfolgswelle durch surfen bis hin zum viel versprechenden Ende. Für eine kleine, gesittete Pokal-Feier wurde selbstredend ein Zeitfenster gefunden. Das Relikt der Meister-Sause aus der Vorwoche, ein eigens angemieteter Party-Sattelschlepper, konnte die Woche über direkt an Ort und Stelle stehen bleiben - zur Zweitnutzung im Sinne der Nachhaltigkeit. Über die Stränge wurde nicht geschlagen, dafür sind die Jungs zu fokussiert und willens, das ganz große Ziel zu erreichen.

Kapitän Djamal Ziane, der nach Schlusspfiff gegen Aue mit den Tränen kämpfte und vor Stolz platzte, gab allen Leipzigern sein Ehrenwort: "Ich kann versprechen, dass wir am Mittwoch ein weiteres Feuerwerk abbrennen werden!" Wer will dem blau-gelben Urgestein kurz vor der Krönung seiner illustren Laufbahn widersprechen? Teamkollege Lukas Wilton jedenfalls nicht, er verweist das Thema Erschöpfung in das Reich der Ammenmärchen fußballerisch Minderbegabter: "Das ist alles Kopfsache - also wer am Mittwoch bei so einem Spiel müde ist, der ist hier falsch."

„Dass wir als Verein nach all den Jahren seit Verl so zurückkommen, hätte ich niemals gedacht.“ (Djamal Ziane über die Zeit nach 2020)

Ziane steht mit den Aufstiegsspielen seit dem denkbar knapp verpassten Erfolg gegen den SC Verl anno 2020 auf Kriegsfuß, für ihn und den gesamten Verein könnte sich nun ein Kreis schließen: "Das Spiel von damals habe ich mir nie wieder angeschaut und werde es auch nicht tun - aber logischerweise denkt man ab und zu darüber nach," so der 33-Jährige, der anfügt: "Für jeden Blau-Gelben wäre das unglaublich. Egal, was passiert, wir können viel gewinnen - niemand hat uns da gesehen und wir haben eine Menge Mäuler gestopft." Die Narben des Leipziger Urgesteins erzählen Geschichten, beinahe wären sie vor fünf Jahren schon verstummt: "Dass wir als Verein nach all den Jahren seit Verl so zurückkommen, hätte ich niemals gedacht. Damals hat man vermutlich eher ans Aufhören gedacht, und jetzt ist man wieder so nah dran."

Sportdirektor Toni Wachsmuth, der sich nach der Energieleistung gegen Aue erneut beeindruckt vom physischen und mentalen Kraftakt der Mannschaft zeigte, gibt die Richtung für die kommende Woche vor: "Wir haben gezeigt, dass wir leiden können. Dieses Wir-Gefühl werden wir mitnehmen. Es ist klar, dass wir heute kaputt sind, morgen kaputt sind und von mir aus auch Montag noch. Aber am Mittwoch wird hier ganz klar wieder die Wiese brennen."

Der Gegner aus dem Norden tütete die Meisterschaft schon vor Wochen ein, fährt seither auf Sparflamme, während die Leipziger bis zum bitteren Ende zittern und investieren mussten. Schlechte Vorzeichen? "Beides hat Für und Wider. Natürlich konnte sich Havelse länger auf die Spiele vorbereiten. Andererseits waren wir jetzt permanent Drucksituationen ausgesetzt und waren nicht schon vor vier Wochen durch. Wir gucken auf uns, wissen, was wir können und hoffen, im Hinspiel hier bei uns den Grundstein legen können," erklärt Wachsmuth. Alles Kopfsache eben.