Ein Großturnier, bei dem Marokko um den Titel mitmischt? Das wird allmählich zur Gewohnheit. Bei der WM 2022 in Katar zogen die Marokkaner ins Halbfinale ein, in Paris holten sie beim Olympiaturnier 2024 die Bronzemedaille. Nun folgte mit dem Titelgewinn bei der U-20-WM der ganz große Coup.
Zwar beeindruckte auch der Abwehrverbund mit nur fünf Gegentoren in sieben Spielen, doch in Staunen versetzte die Zuschauer in Chile vielmehr das attraktive Offensivspiel der jungen Marokkaner, dem kein Spanien, kein Frankreich und auch kein Argentinien wirklich gewachsen war. Drei Akteure stachen dabei besonders heraus:
Othmane Maamma (20)
Dem rechten Flügelangreifer vom englischen Zweitligisten FC Watford gelang zwar nur ein Tor, doch gleich vier Treffer legte Othmane Maamma für seine Kollegen auf - darunter das 2:0 im Finale gegen Argentinien. Der 20-Jährige kombiniert Kraft mit Technik, ist stark im Spiel Eins-gegen-eins und gilt als eine Persönlichkeit im Team. Dank seiner Kreativität gelang es Marokko immer wieder, die Abwehrreihen der Gegner zu durchbrechen. Die Belohnung für seine starken Auftritte: Maamma wurde zum Spieler des Turniers gewählt.
Gessime Yassine (19)
Ähnliche Qualitäten verkörpert auf der linken Angriffsseite Gessime Yassine. Flink, trickreich, frech und effektiv - zwei Tore und drei Vorlagen gingen dank dieser Qualitäten auf das Konto des 19-Jährigen, der seit Januar 2024 und noch bis Sommer 2027 beim französischen Zweitligisten Dunkerque unter Vertrag steht und auch dort schon von sich reden machte.
Im französischen Pokal-Halbfinale im vergangenen April drehte Yassine gegen Paris St. Germain dermaßen auf, dass er trotz einer 2:4-Niederlage nach 2:0-Führung zum Spieler des Spiels gewählt wurde. Die Interessenten für den Angreifer sollen bereits Schlange stehen, auch einige Bundesligisten und der FC Chelsea aus der Premier League haben offenbar die Fühler nach ihm ausgestreckt.
Yassir Zabiri (20)
Der Final-Matchwinner und Toptorjäger der Marokkaner darf natürlich nicht fehlen. Zwei seiner fünf Tore erzielte Yassir Zabiri gegen Argentinien, darunter ein blitzsauberer Freistoß aus 17 Metern. Der 20-Jährige sorgte auch im Halbfinale gegen Frankreich (5:4 i.E.) für ein Ausrufezeichen: Während der regulären Spielzeit verschoss er einen Strafstoß, um dann im Elfmeterschießen im Panenka-Stil zu treffen - die Nerven muss man erstmal haben!
Auch Zabiri fliegt im Klubfußball noch unter dem Radar, für den portugiesischen Erstligisten Famalicao wurde er in der laufenden Saison lediglich dreimal eingewechselt. Der Angreifer landete bei der Wahl zum besten Spieler des Turniers hinter Maamma auf Rang zwei.
Erfolgreiche Akademie-Arbeit
Zabiri gehört übrigens auch zu einer Handvoll Spielern aus dem Kader, die in der 2009 gegründeten "Mohammed VI Akademie" in Marokko ausgebildet wurden. Eine Einrichtung, die im Auftrag des Königshauses eröffnet wurde und staatlich finanziert ist. Dort soll der Grundstein für den WM-Titel 2030 gelegt werden, das Turnier tragen die Nordafrikaner gemeinsam mit Spanien und Portugal aus. Große Ambitionen, die allerdings seit einigen Jahren mit konstanten Erfolgen untermauert werden.
Auch bei der U-17-WM ab 3. November ist Marokko übrigens dabei - der Jahrgang hatte sich durch den Sieg im Afrika-Cup der U-17-Mannschaften qualifiziert.