Trotz des moderaten Umbruchs der auf tragische Weise in den Aufstiegsspielen gescheiterten Meistermannschaft geht der 1. FC Lokomotive Leipzig schon wieder als Tabellenführer der Regionalliga-Nordost in einen zweifellos heißen Herbst. Zum etwa gleichen Zeitpunkt wie in der fabelhaften Vorsaison, als man in Jena den Platz an der Sonne errang und fortan nicht mehr hergab, fügt sich das neuerliche blau-gelbe Mosaik zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Es war auch genau der Moment vor einem Jahr, als die beiden Führungsspieler Lukas Wilton und Alexander Siebeck das Potenzial für den ganz großen Wurf realisierten. Jetzt auch?
Parallelen sind unverkennbar, aber Wilton erlebt dennoch nur wenige Déjà-vus, will die Magie des Moments akzentuieren: "Es wird alles neu geschrieben jetzt", so der Probstheidaer Abwehrchef: "Ich finde, es ist eine andere Saison, mit neuen Spielern und neuen Abläufen."
„Ich hätte vor der Saison nicht unbedingt gedacht, dass es wieder so gut läuft.“ (Lukas Wilton)
Leitwölfe wie Wilton haben stets fein kalibrierte Antennen für die eigene Leistungsstärke: "Ich hätte vor der Saison nicht unbedingt gedacht, dass es wieder so gut läuft - ich wusste aber, dass wir eine richtig gute und schlagfertige Truppe beisammen haben." Besagte Truppe ist nach acht Spielen abermals die einzige noch ungeschlagene Mannschaft der Liga und steht punktgleich mit Rot-Weiß Erfurt auf dem ersten Rang - bei einem Spiel in der Hinterhand. Zudem stellt die Mannschaft von Jochen Seitz erneut eine der besten Defensivreihen. Im direkten Duell mit Jena, dem Nachholspiel vom 17. September, kann man den Primus auch in dieser Statistik eigenhändig einfangen.
Gute Basis ausschlaggebend
Die Null muss stehen - für dieses Mantra steht die Loksche unter Jochen Seitz mit seinem Namen. Auch Alexander Siebeck freut sich über die frühe Galaform, kennt aber Gründe: "Viele wichtige Spieler sind auch geblieben trotz vieler Neuen - es war eine gute Basis da. Wir haben den Neuen mit dem Trainer zusammen direkt gezeigt, wie wir spielen wollen und die setzen das alle gut um", erklärt der Mittelfeld-Tausendsassa. Für Siebeck ist die Arbeitsmoral im Kollektiv entscheidend für tabellarische Höhenflüge: "Man kann schon Parallelen sehen zur Vorsaison. An sich bestätigt das unsere Arbeit, die wir Tag für Tag hinlegen", so der 31-Jährige. Es sei aber auch "erst der 8. Spieltag, es ist noch zeitig und eng in der Tabelle!"
Auch der kommende Gegner aus Babelsberg hat laut Siebeck das Potenzial, für erste Ernüchterung zu sorgen. Im letzten Jahr verlor Lok das Rückspiel vor den Toren Berlins mit 1:3: "Babelsberg hat eine gute Mannschaft, da dürfen wir auf gar keinen Fall denken, das geht jetzt nach dem 7:2 (bei Hertha II) von allein. Wir müssen wie immer an unsere 100 Prozent herankommen, dann haben wir gute Chancen", warnt der 31-Jährige. Im Duell am Freitagabend kehrt Siebecks zentraler Mittelfeld-Kollege Farid Abderrahmane nach abgesessener Rot-Sperre wieder in das Aufgebot zurück - gerade rechtzeitig für einen angesichts des brutalen Oktober-Spielplans nötigen Formaufbau.
"Kracher-Oktober" vor der Brust
Der kommende Monat wartet unter anderem mit Spielen gegen Jena, Erfurt, Chemie Leipzig und Halle auf, drei davon in der Fremde. Wilton spürt dennoch eher Vorfreude, statt Anspannung: "Das wird ein Kracher-Oktober - ich finde das aber nicht schlecht, da können wir viele vermeintlich gute Mannschaften abarbeiten und es könnte ein sehr schöner Monat werden", schenkt Wilton das Glas halb voll.
„Dafür hat man doch irgendwann einmal angefangen, Fußball zu spielen.“ (Alexander Siebeck über die Spiele vor vielen Zuschauern)
Sportsfreund Siebeck vollendet: "Der Oktober wird schon speziell, gerade mit den drei Auswärtsspielen bei drei Mitfavoriten. Aber wir spüren Vorfreude, weil wir gegen jeden Gegner einen guten Plan mit und gegen den Ball haben werden", weiß der Taktgeber: "Es werden geile Spiele, große Stadien mit vielen Zuschauern - dafür hat man doch irgendwann einmal angefangen, Fußball zu spielen."
Wenn die Leipziger ihre Hausaufgaben machen und an ihr Leistungsmaximum heran kommen, dann "wird es schwer, uns zu besiegen," erklärt Siebeck und schiebt nach: "Und wenn es einer schafft, dann hat er es auch gut gemacht." So viel Selbstvertrauen und innere Überzeugung kennt man doch irgendwo her - ein Déjà-vu zur Meistersaison.