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Mit Chaos zum Rekord: Brahim Diaz als Schlüsselspieler gegen Nigeria

kicker

Aus Marokko berichtet Michael Postl

Die letzte Aufgabe war die einfachste. Keine zwei Meter stand Brahim Diaz vor dem Tor, als er während der Partie gegen Kamerun einen Rekord übertraf, den dessen Halter vor fast genau 22 Jahren aufgestellt hatte. Die damit verbundene Geschichte führt von Burghausen, dem Zentrum Südostbayerns, über Rades, einer Hafenstadt in Tunesien, bis nach Rabat, Marokkos Hauptstadt. Die Frage ist: Endet sie beim diesjährigen Afrika-Cup und vor dem Halbfinale gegen Nigeria ebenso bitter, wie sie begonnen hat?

Rückblick ins Jahr 2004. Damals, in Rades, stieg das Finale des Afrika-Cups im Stade Olympique, Tunesien gegen Marokko, die Nordafrikaner unter sich. Nach 38 Minuten setzte Youssef Mokhtari, Zehner des deutschen Zweitligisten SV Wacker Burghausen, nahe dem Elfmeterpunkt zum Sprung an und traf mit dem Kopf zum 1:1. Und obwohl Tunesien einen weiteren Treffer erzielte und das Finale damit für sich entschied, sicherte sich mit Mokhtari zumindest ein Marokkaner zwei, wenn auch ebenso inoffizielle wie nebensächliche Titel: den des Vize-Torschützenkönigs und jenes Marokkaners, der während eines Afrika-Cups die meisten Tore erzielte, vier an der Zahl.

Hakimi passt sich dem Spiel von Brahim Diaz an

Doch letztere Marke wurde während des aktuellen Turniers flugs von einer Nebensache zum Gesprächsthema Nummer eins neben dem angestrebten Gesamtsieg. Angefangen beim 2:0 über die Komoren, über das 1:1 gegen Mali sowie die Siege gegen Sambia (3:0), Tansania (1:0) und zuletzt Kamerun (2:0) hat Brahim Diaz stets getroffen, einmal per Elfmeter, immer entscheidend. Ein Garant fürs Weiterkommen. Beim eingangs erwähnten Kamerun-Spiel gelang dem 26-Jährigen die Führung nach einer Ecke, er musste nur noch den Oberschenkel hinhalten.

Zugegeben, so einfach wurde es Mokhtari vor 22 Jahren nicht gemacht. Mit der wachsenden Trefferzahl von Brahim Diaz wurden auch dem mittlerweile 44-Jährigen immer häufiger Fragen zu seinem wankenden Rekord gestellt, der Ex-Profi gilt wegen seiner Treffer in Tunesien noch immer als Fußballlegende. Ihn freue es, wenn Brahim Diaz seinen Rekord egalisiere, sagte Mokhtari im Gespräch mit dem kicker, und er wünsche sich gar noch mehr Treffer von seinem Nachfolger. Sein Wunsch wurde erfüllt.

Der Profi von Real Madrid, der in der Heimat seines Vaters seinen ersten Afrika-Cup bestreitet, gilt neben Achraf Hakimi von Paris Saint-Germain als Top-Star des Teams, jener Spieler, der die Fans am meisten begeistert. Auf der rechten Seite bildet das Duo ein Tandem, das selbst im Vergleich mit den europäischen Top-Nationen keine Konkurrenz scheuen muss. Kapitän Hakimi, etwas defensiver aufgestellt als bei PSG, ist zwar keineswegs der "Rücken-Freihalter" von Brahim Diaz, und doch passt er sein Spiel seinem Vordermann an, marschiert weniger, verlässt seltener die Viererkette.

Brahim Diaz könnte sich auch bei Real für eine wichtigere Position qualifiziert haben

Brahim Diaz dagegen kreiert das Chaos in den Abwehrreihen der Gegner, ist nicht der klassische Außenstürmer, sondern bewegt sich eher zwischen den Linien. Einer der Gründe, warum die Kameruner ihren Spielführer Nouhou auf ihn ansetzten, ihn aber trotzdem kaum unter Kontrolle bekamen. Dank dieses Umstandes gelang es den Marokkanern erstmals während des Turniers, sowohl defensiv als auch offensiv zu überzeugen und ihre Angriffskraft zu entfalten. Sicher, das eine oder andere Tor mehr hätte durchaus fallen können. Doch das Pressing sowie die Körperlichkeit der Atlaslöwen waren auch so überzeugend genug.

Damit schwingt sich Brahim Diaz in der Nationalmannschaft immer mehr zum Führungsspieler auf - und könnte sich auch im Klub für eine wichtigere Position qualifiziert haben. Dort nämlich könnten die Karten durch den Trainerwechsel von Xabi Alonso hin zu Alvaro Arbeloa neu gemischt werden. Die Chance für Brahim Diaz, nach einem etwaigen Erfolg beim Afrika-Cup mit ordentlich Rückenwind durchzustarten. Ex-Trainer Xabi Alonso soll ihn deshalb bereits kontaktiert und starkgeredet haben.

Nun geht es heute Abend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) im Halbfinale gegen Nigeria, dessen Angriffsreihe ebenfalls immer gefährlicher und besser aufeinander abgestimmt wirkt. Dann kann auch Brahim Diaz weiter Geschichte schreiben. Diesmal seine ganz eigene.