Schon 2021/22 stand Fabio Fehr nach dem Aufstieg mit dem Grasshopper Club Zürich vor einer möglichen ersten Saison in der Super League. Am zweiten Spieltag beim 0:0 gegen den BSC Young Boys erlebte er in der Schlussphase auch seine Feuertaufe im Schweizer Oberhaus. Der Weg des rechten Verteidigers hatte ihn dann aber wieder in die Challenge League geführt, und so bestreitet der 26-Jährige aktuell mit dem FC Thun seine erste Saison im Schweizer Oberhaus.
Den Schritt zu den Profis hatte Fehr davor bei GC in der Zeit geschafft, als der Rekordmeister in der Challenge League spielte. "Es ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist, beim Kindheitsverein, für den ich spielte, seit ich 10 Jahre alt war", beschreibt Fabio Fehr die Unterzeichnung seines ersten Profivertrags im Gespräch mit Damien Martin im Podcast "Storytime - Hinter den Kulissen des Fussballs". Für die Hoppers, die ihn einst bei einem Hallenturnier entdeckt hatten, bestritt Fehr 44 Einsätze, einen einzigen davon nach dem Aufstieg in die Super League.
Mit besonderen Momenten in Vaduz als Spieler und Mensch gewachsen
In jener Saison 2021/22 wurde Fehr dann gleich zweimal verliehen. Erst landete er beim FC Schaffhausen. Rückblickend gesteht er offen ein, dass er natürlich vorzugsweise in der Super League gespielt hätte. Er habe aber schnell gemerkt, dass es ein guter Schritt sei, um Spielpraxis zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Weil aber weder die Hoppers noch Fehr selbst zufrieden waren mit seiner Spielzei in Schaffhausen, wurde bereits in der Winterpause eine neue Leihe arrangiert. Fehr landete in Vaduz, wo er langfristig unterkommen sollte.
Dass er sich bei den Hoppers nicht endgültig durchsetzen konnte, bereut Fehr rückblickend nicht, auch wenn er sich das einst anders vorgestellt hatte: "Ich hätte mir sicherlich gewünscht, länger dort zu sein und mit GC in der Super League zu spielen, jetzt ist der Weg eben so gegangen." In Vaduz erhielt Fehr viel Vertrauen, umgehend wurde er zur Stammkraft und nach einem halben Jahr per Leihe schloss er sich fix der Mannschaft aus dem Fürstentum Liechtenstein an.
Mit der zusätzlichen Verantwortung, die er in Vaduz übernommen hatte, sei er als Mensch und als Spieler gewachsen. Mit dem Challenge-League-Club hat er aber auch erste grosse Erfahrungen gemacht. Der Rechtsverteidiger spielte sich mit dem vermeintlich kleinen Verein aus dem Fürstentum auf die europäische Fussballbühne. 2022/23 qualifizierte sich Fehr mit seinen Teamkollegen für die Conference League. In der Qualifikation schaltete der FCV unter anderem den SK Rapid Wien aus.
"Du spielst am Donnerstagabend vor 35’000 Zuschauern und weisst: Wenn du hier 99 Prozent gibst, verlierst du, es müssen hundert Prozent oder mehr sein. Und dann spielst du drei Tage später in der Challenge League vor 500 Leuten. Das macht schon etwas mit dem Menschen", beschreibt Fehr den Spagat zwischen den internationalen Einsätzen und dem Ligaalltag. Besonders prägend war der 4:2-Sieg auswärts gegen Konyaspor, mit der Stimmung im türkischen Stadion, die ganz etwas Neues war.
Mit dem FC Thun mischt Fehr die Super League auf
Nach 105 Einsätzen für den FC Vaduz wechselte Fehr im Sommer 2024 nach Vertragsende zum FC Thun. Im Podcast "Storytime - Hinter den Kulissen des Fussballs" erklärte er, dass sich Thun schon früh um ihn bemüht hätte. Bereits im Januar konnte der FC Thun Fehr von den Plänen, die sie mit ihm hatten, überzeugen. Was damals ein Wechsel innerhalb der Challenge League gewesen ist, sollte dazu führen, dass Fehr mit der Mannschaft aus dem Berner Oberland eineinhalb Jahre später zur Winterpause von der Tabellenspitze grüsst. Eine neue Krönung der Karriere, für die Fehrs Mutter ihren Sohn einst wöchentlich drei- bis viermal den einstündigen Weg ins Training des GCZ hin- und zurückfahren hatte.
Die erfolgreiche Hinrunde führt der Abwehrspieler auf die Teamdynamik zurück: "Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir aufsteigen wollen und dann nicht einfach so dabei sein möchten. Wir wollten etwas reissen und oben dabeisein. So sind wir in jedes Spiel gegangen." Den Thunern gelinge es bislang, jedes Spiel, unabhängig vom Gegner, gleich anzugehen. Es sei nicht zunehmender Druck, der aufgrund der vielversprechenden Tabellenposition wachse, sondern das Selbstvertrauen, das immer stärker werde, führt Fehr aus.
Auf der Position des Rechtsverteidigers teilt sich Fehr derzeit mit Lucien Dähler die Spielzeit. Der ein Jahr ältere Fehr hat mit Blick in die Zukunft etwas mehr Planungssicherheit. Wie er im Podcast exklusiv verrät, hat sich sein im Sommer 2026 auslaufender Vertrag mittels Option automatisch verlängert. Gleichwohl arbeitet auch Fehr täglich hart an sich selbst. "Verbesserungspotenzial habe ich sicherlich noch im Defensiven, sei es im Duell oder im Defensivverhalten", erklärt er selbstkritisch. Dass er hauptsächlich defensiv noch Luft nach oben sieht, hängt wohl auch damit zusammen, dass er im Jugendbereich noch auf der offensiveren Position auf der rechten Aussenbahn eingesetzt worden ist.
Für den perfekten Abschluss der Hinrunde sorgte das eindrückliche Comeback im Heimspiel gegen den FC Zürich. Einen 0:2-Rückstand zur Pause drehten die Thuner in der zweiten Halbzeit zu einem 4:2-Sieg. Den Schlusspunkt in dieser Partie setzte Fehr in der Rolle des Jokers erzielte er sein erstes Saisontor und damit auch den ersten Treffer in der Super League. Der Rechtsfuss traf den Ball mit seinem vermeintlich schwächeren Fuss perfekt. Gefeiert hat Fehr den Treffer direkt vor der Fankurve, er beschreibt die Situation als "sehr emotional" und "unbeschreiblich".
Dank dieser starken zweiten Halbzeit gegen den FCZ startet der FC Thun als sensationeller Tabellenleader in die Rückrunde. Der erste Gegner im neuen Jahr wird am Sonntag ausgerechnet mit dem Grasshopper Club Zürich Fehrs Jugendverein sein. Es bleibt definitiv spannend, was für die Thuner diese Saison noch alles möglich sein wird. Sollte die Saison den FC Thun tatsächlich ins internationale Geschäft führen, dürfte Fehrs gemachte Erfahrung in Vaduz für die ganze Mannschaft wohl noch wichtiger werden. Vorerst möchte er mit dem Aufsteiger auch in der zweiten Saisonhälfte für Furore sorgen.