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Mourinho nach der Trubin-Ekstase: "Wir wussten, dass er es kann - wir wussten es!"

kicker

Kurz vor 23 Uhr begannen sich an diesem Mittwochabend die Ereignisse zu überschlagen - angefangen mit Sportings 3:2-Siegtreffer bei Athletic Bilbao. Denn erst dadurch war Real in der LIVE!-Tabelle plötzlich auf Rang 9 und damit aus den Top 8 gerutscht.

Die Folge: Madrid brauchte nun ein Tor für den direkten Achtelfinal-Einzug - und handelte sich auf dem Weg dahin gleich zwei Ampelkarten gegen Raul Asencio (90.+2) und Rodrygo (90.+7) ein.

Und das alles eben auswärts in Lissabon, wo Gastgeber Benfica selbst trotz eigener 3:2-Führung gegen die Königlichen auf der letzten Rille noch auf den letzten Play-off-Rang 24 schielte. Dafür benötigte die Truppe von Trainerikone José Mourinho wie auch Real ein Tor.

Trubin springt, trifft und rutscht

Das war aber offenbar vor allem bei Anatoliy Trubin trotz längst angebrochener Nachspielzeit nicht angekommen. Lissabons Torwart nämlich schnappte sich bei einer Madrider Flanke in seinen Strafraum sicher den Ball, ging zu Boden und spielte bewusst auf Zeit. Sicher sehr zur Verwunderung vieler Fans, Zuschauer vor den Endgeräten und eventuell auch dem bibbernden "Special One" an der Seitenlinie bei dessen Wiedersehen mit dem Ex-Klub (Trainer bei Real zwischen 2010 und 2013). Im Anschluss kannte die Freude keine Grenzen mehr.

Denn in der achten Minute der Nachspielzeit hatte sich Benfica nochmals einen Freistoß im rechten Halbfeld erarbeitet - und auch Trubin wusste nun durch einen Hinweis der eigenen Bank um Mourinho mitbekommen, was die Stunde geschlagen hatte. Der Torwart ging mit nach vorn, stieg nach toller Freistoßflanke von Fredrik Aursnes vorbildhaft hoch und überwand Gegenüber Thibaut Courtois mit einem sauberen Kopfball.

Trubin, der nach Jörg Butt (je ein Treffer für Hamburg 2000, Leverkusen 2002 und Bayern 2009), Sinan Bolat (Standard Lüttich 2009), Vincent Enyeama (Tel-Aviv 2010) und Ivan Provedel (Lazio 2023) zum erst fünften treffsicheren Schlussmann der bisherigen Champions-League-Geschichte avancierte, rutschte auf den Knien. Der zuständige DAZN-Reporter schrie ins Mikrofon: "Das ist mit das Irrste, was ich jemals gesehen habe!" Die Fans auf den Rängen umarmten sich, jubelten, warfen Dinge in die Luft oder staunten ungläubig. Und Coach Mourinho griff sich kurzerhand einen Balljungen, umschlang diesen und ballte Richtung Tribüne die Jubelfäuste.

"Der Große ging hin und machte ein spektakuläres Tor"

Nach Spielschluss beim Gespräch mit Moviestar bezeichnete "Mou" den Treffer seines Keepers als "historisches Tor" - und gab zu, selbst nicht so recht über die Geschehnisse Bescheid gewusst zu haben. Als er ab der 83. und bis in die Nachspielzeit hinein all seine fünf Wechseloptionen gezogen hatte, "dachte ich, wir wären im Rennen - Sekunden später hieß es dann, dass dem nicht so ist - also schickte ich Trubin nach vorn ..." Denn zu diesem Zeitpunkt hatte Olympique Marseille trotz eigener 0:3-Niederlage beim Club Brügge das finale Play-off-Ticket gelöst - und die OM-Profis bangten noch auf dem Rasen mit Handys in den Händen mit dem Geschehen aus Lissabon.

Mourinho ergänzte ob der eigentlich nicht so präsenten Benfica-Spieler beim Kopfball an diesem Abend im Estadio da Luz: "Wir sind nicht stark im Kopfballspiel gewesen, aber der Große ging hin und machte ein spektakuläres Tor. Wir wussten, dass er es kann - wir wussten es!" Sein Anhaltspunkt dabei: "Vor ein paar Wochen lagen wir in Porto zurück - und in der letzten Minute ist er hochgesprungen und hätte beinahe getroffen. Wir wissen also, dass der Junge dazu fähig ist."

„Ich bin sprachlos.“ (Anatoliy Trubin)

Und wer weiß, vielleicht wird Trubin demnächst schon wieder gefragt sein. Schließlich könnte es dazu kommen, dass Benfica Lissabon in den bevorstehenden zwei Play-off-Duellen erneut als Außenseiter gegen Real Madrid ran muss. Der 24-jährige Ukrainer verschwendete an sowas aber noch keine Gedanken, er ließ vielmehr nochmals gegenüber der UEFA Revue passieren: "Mir war gar nicht klar, was wir brauchten. Tomas (Araujo; Anm. d. Red.) und Antonio (Silva; Anm. d. Red.) riefen immer wieder 'Eins, eins!' - und ich dachte nur: 'Was bitte?'. Dann sah ich aber, wie alle mir zuriefen, ich solle nach vorn gehen. Ich sah auch den Trainer, also ging ich nach vorn in den Strafraum. Und ich weiß nicht … ich bin sprachlos. Es war ein unglaublicher Moment. Ich bin es nicht gewohnt, Tore zu schießen. Ich bin 24 Jahre alt - und es ist mein erstes Mal. Unglaublich."