Mit einem Sieg am Freitag vor eigenem Publikum gegen Greuther Fürth (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) könnte Schalke 04 an die Spitze der Tabelle springen, zumindest für eine Nacht. Nach dem erfolgreichen Saisonstart (vier Siege aus sechs Spielen) keimt in Gelsenkirchen dieser Tage mal wieder spürbar Euphorie auf, was das Thema Bundesliga-Rückkehr betrifft. Doch Miron Muslic drückt auf die Bremse.
"Wir sind auf einem guten Weg, nicht mehr und nicht weniger", betonte er am Mittwoch, um lächelnd hinterherzuschieben: "Hier ist alles emotional, hier schießt alles immer schnell durch die Decke." Der Trainer versicherte: "Wir haben nicht die Tabellenführung im Kopf, sondern unsere Leistung."
Mit beiden Füßen auf dem Boden
Allein in Bezug auf den Auftritt "haben wir eine große Möglichkeit, den nächsten Schritt zu gehen, und das werden wir auch machen", sagte Muslic, der in dem Zusammenhang die Stimmungslage seiner Mannschaft hervorhob. "Ich habe noch einmal das Selbstvertrauen angesprochen, das wir als Kollektiv haben, ebenso wie den Hunger und die Gier." Und weiter: "Dabei stehen wir mit beiden Füßen auf dem Boden." Dies sei "eine Mischung, die Schalke sehr guttut".
Das Selbstvertrauen rührt vor allem aus dem Fakt, dass "wir etwas sehr Fragiles stabilisiert haben", sagt Muslic mit Blick auf das neue Schalker Bollwerk. Die Gelsenkirchener haben erst vier Gegentore kassiert, kein Team kommt aktuell auf weniger. "Die Jungs spüren, dass unsere defensive Struktur unser Fundament ist", sagte Muslic.
Beckers Becken-Beschwerden
Mit Blick auf Fürths 13 Saisontreffer weiß Schalkes Coach: "Gegen die Mannschaft, die bislang die meisten Tore erzielt hat, brauchen wir defensiv wieder eine Topleistung." Ein wenig Bauchschmerzen bereitet den Königsblauen, dass mit Innenverteidiger Timo Becker wohl ein wichtiger Führungsspieler ausfällt. Becker klagt über Becken-Beschwerden.
Muslic spricht von "starken Schmerzen", die es Becker bislang nicht ermöglicht hätten, am Mannschaftstraining teilzunehmen. "Wir können ihn nicht eins zu eins ersetzen", sagte Muslic, "aber wir haben einen guten Plan, wie wir das auffangen können". Namen wollte er nicht nennen, Adrian Gantenbein käme als Ersatz in Frage.
Professionelle Aussage zu Mangas Freistellung
Derweil hat Muslic anscheinend nicht viel Mitgefühl übrig für den Mann, der seit Sommer 2024 maßgeblich für die Zusammenstellung seines Kaders verantwortlich war, am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub jedoch von der Vereinsführung in einem Gespräch gesagt bekam, dass eine sofortige Freistellung erfolgt. Auf das angesprochen, was Ben Manga zu Wochenbeginn widerfuhr, reagierte Muslic am Mittwoch mit einer von reiner Professionalität geprägten Aussage.
"Ich bin zuständig für das Profileistungszentrum, dementsprechend gilt mein ganzer Fokus der Energie und der Konzentration und allem, was dort passiert. Ich wünsche Ben Manga alles Gute", gab Muslic zu Protokoll. Auch auf erneute Nachfrage ließ sich der Trainer des FC Schalke keine warmherzigen Worte entlocken. Er müsse Mangas Freistellung "nicht kommentieren", betonte Muslic. "Meine Aufgabe ist die Mannschaft, dementsprechend liegt mein Fokus genau auf diesem Schwerpunkt."
Dass zwischen dem Coach und dem rausgeworfenen Kaderplaner keine große Symbiose bestand, verdeutlicht Muslics Hinweis darauf, mit wem er sich in den vergangenen Monaten vor allem stets im engen Austausch befand - nämlich Sportvorstand Baumann und Sportdirektor Mulder: "Frank und Youri waren meine direkten Ansprechpartner".
Schalke 04 hatte seinem "Direktor Kaderplanung, Scouting und Knappenschmiede" am Montag nach nur anderthalb Jahren den Laufpass gegeben. Diese Trennung wird den hochverschuldeten Verein teuer zu stehen kommen, da Manga im Sommer 2024 einen bis 2028 gültigen Vertrag erhalten hatte. Der 51-Jährige darf mit einer finanziellen Entschädigung in Höhe von fast einer Million Euro rechnen.