In den vergangenen beiden Saisons ist Schalke 04 nur nicht in die 3. Liga abgestiegen, weil die Offensive die Defensivschwächen kompensieren konnte, in der laufenden Runde herrscht nun verkehrte Welt im Pott. Schalkes Abwehr steht bislang stabil, auf der anderen Seite schmälert eine harmlose Angriffsreihe den bisherigen sportlichen Erfolg.
Defensiv haben die Schalker ihren Laden dichtbekommen, zumindest wenn man die vergangenen beiden Spielzeiten als Maßstab nimmt, in denen sie zusammengerechnet 122 (!) Gegentreffer kassiert haben. Aktuell sind es vier, was natürlich kein Ruhmesblatt ist, sondern reiner Durchschnitt für eine Mannschaft aus der derzeitigen oberen Tabellenhälfte, doch die positive Entwicklung ist an dieser Stelle das, worum es vordergründig geht.
Muslic kennt die Offensivprobleme genau
Bauchschmerzen muss die Attacke-Abteilung bereiten. Miron Muslic weiß genau um die Offensivprobleme, die längst nicht allein daran zu bemessen sind, wie selten seine Mannschaft an den ersten fünf Spieltagen schon getroffen hat - lediglich fünfmal nämlich, gegen Lautern und Kiel (jeweils 0:1) dabei gar nicht. Die Schwierigkeiten sind klar definierbar. Schalkes Spiel nach vorn kommt zu schlicht strukturiert daher, es ist zu eindimensional, zu ideenlos. Die Rädchen greifen nicht ineinander.
Es ehrt die Königsblauen, dass sie in den ersten Monaten alles dafür getan haben, um die Defensive zu stabilisieren, doch aktuell rächt sich die zu einseitige Schwerpunktverteilung. Größter Kritikpunkt, dem sich Muslic stellen muss: Er hält zu starr an seinem Plan A fest, auch im Umfeld des Vereins wächst der Unmut darüber, dass die Mannschaft keine taktische Variabilität zeigt, erst recht nicht im Verlauf eines Spiels.
Wie auch? Der Trainer wählt sein Kaderpersonal bislang so aus, dass es zu seinem aggressiven und laufintensiven Stil passt. Seine Möglichkeiten bei Ein- und Auswechslungen sind dadurch begrenzt.
Besonders auffällig: Muslics Mannschaft hat selten mehr Ballbesitz, und wenn, kann sie damit nicht viel anfangen. Einer, der das ändern könnte, wäre Amin Younes. Doch wie ernst es Muslic damit ist, Younes außen vor zu lassen, zeigt sich unter anderem daran, dass der Trainer anstelle des technisch versierten Ex-Nationalspielers lieber Spieler wie den eigentlich aussortierten Henning Matriciani auf die Bank setzt.
Ruf nach Younes im Umfeld wird lauter
Der Ruf nach Younes, der zwar läuferische Mängel hat, aber spielerische Qualitäten wie kaum ein anderer im Kader mitbringt, wird aktuell auf Schalke immer lauter. Muslic könnte das jetzt noch elegant abmoderieren, bevor sich die Lage zuspitzt. Würde er seinen Younes-Kurs nun ändern, könnte es sich für ihn zwar wie ein Eingeständnis anfühlen, ein Einknicken. In Wahrheit würde er damit aber Größe zeigen.
Im Vorfeld des Auswärtsspiels beim 1. FC Magdeburg am Samstag (13 Uhr, LIVE! bei kicker) traf der Trainer nun jedoch eine knallharte Aussage. Konkret auf die Younes-Thematik angesprochen, sagte Muslic: "Ich entscheide mich immer für die Profile, die zu unserer Spielidee passen. Da gibt es Profile, die dafür hervorragend geeignet sind, und Spieler, die mit ihrem Profil nicht zu unserer Idee passen. Wir ziehen den Weg konsequent durch."
Muslic lehnt eine Abweichung von seinem Weg unmissverständlich ab. "Wir haben ihn gemeinsam eingeschlagen. Amin Younes war während der siebenwöchigen Vorbereitung bei uns kein einziges Mal Thema. Er war auch an den vergangenen fünf Spieltagen kein Thema." Ebenso aktuell sei der Ex-Nationalspieler intern "kein Thema". Rumms!
Muslic sieht "fantastischen Weg"
"Wir haben uns vorgenommen, mit Schalke zwei Gänge höher zu schalten. Da sind wir auf einem fantastischen Weg", meint Muslic. Younes habe "außerordentliche Fähigkeiten in seiner Kreativität und in seinem Eins-gegen-eins", lobte der Coach, um einschränkend fortzuführen, dass diese Qualitäten wohl "nur eine Spielphase" beeinflussen würden. Für "die anderen drei oder vier Phasen" sieht Muslic seine Mannschaft "gut aufgestellt".
Vertrag läuft 2026 aus
Younes stieß im Sommer 2024 ablösefrei zur Schalker Profimannschaft, nachdem er sich wochenlang bei der U 23 fitgehalten und über dortige Trainingsleistungen empfohlen hatte. Sein Vertrag gilt bis 2026. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen ist eine Trennung im Winter wahrscheinlich. So, wie es aktuell für ihn läuft, will der 32-Jährige seine Karriere (der Ex-Nationalspieler trug unter anderem das Trikot von Eintracht Frankfurt, Ajax Amsterdam und der SSC Neapel) vermutlich nicht ausklingen lassen.