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Nachts aus der Startelf, nachmittags Matchwinner: Sahins ungewöhnlicher Sonntag

kicker

Es ist nicht immer ganz leicht, mit Torsten Lieberknecht zusammenzuarbeiten - wie Kaiserslauterns Trainer übrigens selbst zugibt. Für seine Co-Trainer Carsten Rump und Niklas Martin ist das aber nichts Neues, sie wissen längst, dass der Chefcoach gerne mal kurzfristig die Pläne umwirft.

Am Sonntagmorgen war das mal wieder der Fall. "Die wachen morgens auf und haben um 5 Uhr schon meine erste WhatsApp mit meinen Gedanken. Da sind die dann aber auch hellwach", sagte Lieberknecht lachend über seine Trainerkollegen. Am Tag des Rückrundenauftakts enthielt die Nachricht eine geplante Änderung der Startaufstellung.

Semih Sahin musste raus, ein zweiter Stürmer durfte rein. "Das war der typische Lieberknecht-über-Nacht-Bauch-Impuls, diese Änderung zu machen. Ich hatte das gestern noch gar nicht vor", erklärte der Trainer nach dem 3:1-Erfolg über Hannover 96. "Wir wissen, dass die Schwächen von Hannover 96 bei den Defensivkopfbällen liegen. Deshalb habe ich mich dafür entschieden." Mit Daniel Hanslik und Neuzugang Norman Bassette liefen also zwei Angreifer auf.

"Natürlich war ich nicht begeistert"

Brisant war der spontane Tausch aus zwei Gründen. Zum einen ist Sahin der Dauerbrenner des Teams, der Neuzugang aus Elversberg stand in allen 17 Hinrundenspielen in der Startelf. Außerdem ist Lieberknecht bekennender Fan des Fußballers, beide pflegen ein enges Verhältnis. Das mache solche Entscheidungen noch einmal "schwerer", gestand Lieberknecht, der froh war, dass ihm Sahin kurz vor Bekanntgabe der Aufstellung über die Füße lief und er ihn so vorzeitig informieren konnte. "Sonst wäre er wahrscheinlich noch mehr erschrocken gewesen, wenn er nur die Aufstellung gesehen hätte."

"Natürlich war ich jetzt nicht begeistert", gestand Sahin nach dem Spiel. "Aber ich habe es mir nicht anmerken lassen. Es war jetzt auch kein Schlag ins Gesicht, weil es einfach kurz vorm Spiel ist. Da muss man einfach professionell bleiben und mannschaftsdienlich denken." Die bestmögliche Antwort hatte der Mittelfeldspieler zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon gegeben - und zwar auf dem Feld ab der 59. Minute.

Sahin kam zusammen mit Ivan Prtajin rein, der sein Comeback nach überstandenem Muskelbündelriss gab. Beide ersetzten die Stürmer Hanslik und Bassette, die die Defensive der 96er zwar durchaus beschäftigen, aber selten zu Abschlüssen kamen. Richtig an Fahrt nahm das Spiel ohnehin erst nach etwa einer Stunde auf.

Der Hannoveraner Führung durch Enzo Leopold entgegnete der FCK den Ausgleichstreffer durch Prtajin, dem die fünfwöchige Pause nicht anzumerken war. Sahin lieferte den vorletzten Pass zum neunten Saisontor des Kroaten. Direkt im Anschluss leistete sich Waniss Taibi einen selten dämlichen Platzverweis, den auch 96-Coach Christian Titz als "unnötig" betitelte. Sechs Minuten nach seiner Einwechselung sah Taibi die erste Gelbe Karte, weitere sechs Minuten später die zweite. Jeweils für Foulspiele im Mittelfeld. Beim zweiten war auch Sahin beteiligt, der vom Franzosen gehalten worden war.

Als trotz der Hannoveraner Unterzahl alles auf ein Remis hindeutete, brachten die beiden Joker den Betzenberg in der Nachspielzeit doch noch zum Beben: Prtajin bediente Sahin, der erzielte das 2:1. Während auf der Tribüne danach gezittert wurde, machte Naatan Skyttä drei Minuten später endgültig den Deckel drauf - nach Vorlage Sahins.

Sahin und der selbst auferlegte Druck

Das Gefühl, auf dem Betzenberg ein Tor zu schießen, ist für Sahin nicht gänzlich neu. Der gebürtige Mannheimer kennt das aus dem August 2023 - aber eben nur im Trikot der SV Elversberg, die das Spiel damals dennoch 2:3 verlor. Nach einem halben Jahr Wartezeit durfte er das Erlebnis jetzt erstmals auch in Diensten des FCK erleben. "Ich glaube, das gehört zu den besten Toren, die ich geschossen habe. Der Zeitpunkt war einfach perfekt", schwärmte der 26-Jährige. Die Emotionen, die das Tor bei Sahin freisetzte, sind nicht nur mit dem damit einhergehenden Sieg über Hannover verbunden. Das Tor war eine Erlösung nach einem nicht ganz einfachen Halbjahr in der Pfalz, in dem Sahin noch nicht an die starke Vorsaison in Elversberg anknüpfen.

"Ich freue mich riesig für ihn, dass er endlich sein Tor geschossen hat", betonte Lieberknecht und führt aus: "Semih macht sich selbst sehr viel Druck, um seinen Transfer hierher zu rechtfertigen. Er geht viel zu hart mit sich ins Gericht. Das braucht er nicht, weil ich als Trainer bin hochzufrieden mit ihm. Ab dem ersten Tag hat er gezeigt, dass er mit seiner Mentalität zu diesem Verein passt. Mit Sicherheit kann man sagen, dass er nie leidenschaftslos spielt."

Sahin setzt sich freiwillig auf die Bank: Wenn ...

Weil außer dem FCK kein anderes Team unter den Top 7 zum Rückrundenstart dreifach gepunktet hat, machen die Pfälzer Boden gut und knacken mit einem Spiel Verspätung die vor Weihnachten ausgegebene 30-Punkte-Marke. Damals hat Lieberknecht zugleich das Ziel für den Januar ausgegeben: alle vier Spiele gegen die Spitzenteams gewinnen. Teil eins ist erfüllt. Weiter geht es am kommenden Sonntag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) auf Schalke.

Ob Sahin dort erneut der Bankplatz droht, weil er als Joker so wertvoll war? Unter zwei Bedingungen könnte der selbst damit leben: "Wenn wir nächste Woche gewinnen und ich wieder ein Tor mache, dann setze ich mich freiwillig auf die Bank."