Sebastian Polter spielte seit Sommer 2024 in Braunschweig, glänzte dabei aber nicht gerade als Knipser. In 40 Spielen gelangen ihm lediglich drei Tore. In der laufenden Saison kam er vorwiegend als Einwechselspieler zum Zug, in zehn Ligaspielen wurde der Stürmer eingewechselt - meist in der Schlussphase, lediglich beim 1:3 in Münster stand Polter in der Startelf, über 90 Minuten spielte er also nie. Nun folgt der Abschied aus der 2. Liga.
"Wir haben mit Sebastian offen über seine Situation gesprochen, seine Aussichten auf Spielzeit wären auch in der Rückrunde nicht gestiegen. Kurzfristig hat sich für ihn nun die besondere Möglichkeit ergeben, noch einmal im Ausland bei einem der Top-Vereine Serbiens zu spielen. Für uns stand fest, dass wir ihm bei diesem Vorhaben keine Steine in den Weg legen wollten", wird Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel in einer Vereinsmitteilung zitiert.
In Belgrad unterschrieb Polter nun einen Vertrag bis zum Saisonende mit Option auf Verlängerung. Er erhält die Rückennummer 91 und soll mit seiner Erfahrung dem jungen Team als Vorbild dienen. "Ich bin ein bisschen älter als die anderen Spieler im Team, ich kenne meine Rolle", sagte der Routinier, der vorhat, mit einer "Siegermentalität" voranzugehen. Nach Lothar Matthäus, der von Dezember 2002 bis Dezember 2003 den serbischen Traditionsklub als Trainer zu Meisterschaft sowie in die Champions League geführte und bis heute von den Fans sehr geschätzt wird, und Jürgen Röber, der 2005/06 eher glücklos das Traineramt in Belgrad ausgeübt hatte, ist Polter der erste deutsche Spieler in der Geschichte von Partizan.
Und die Erwartungen sind durchaus hoch an ihn. "Er bringt sicherlich eine gewisse Qualität in die Offensive mit, da er über reichlich Erfahrung in der Bundesliga verfügt", lobte Trainer Nenad Stojakovic den Deutschen und betonte: "Wichtig ist auch, wie die Menschen in seinem Umfeld bestimmte Details wahrnehmen; er muss einer der Anführer in der Kabine, im Training und natürlich manchmal auch während der Spiele sein. Die Art und Weise, wie er trainiert und sich engagiert, wird ein Vorbild für die Spieler sein, die bereits hier sind."
Viele Stationen, viel Erfahrung
In Belgrad will Polter den Neuanfang wagen und zu alter Stärke zurückfinden. Bei Partizan tritt er in die Fußstapfen des Stuttgarters Jovan Milosevic (20), den die Serben unbedingt halten wollten, sich mit dem VfB aber nicht auf eine Weiterbeschäftigung einigen konnten. Milosevic wurde an Werder Bremen verliehen - und Partizan brauchte dringend einen neuen Stürmer, was zuletzt in Testspielen auch immer offensichtlicher wurde. Zumal die "Totengräber" auch noch ihren zweiten Stürmer, den erst 18-jährigen Andrej Kostic, verlieren könnten. Der Montenegriner wird mit der AC Milan in Verbindung gebracht und soll der finanziell klammen Dampfwalze wichtige Millionen in die Kasse spülen.
Aktuell führt Partizan die serbische Liga mit einem Punkt Vorsprung auf Erzrivale Roter Stern an, verlor mit Milosevic jedoch seinen besten Torjäger (12 Tore). Polter kommt den Serben, die zuletzt aufgrund ihrer prekären finanziellen Lage auf staatliche Unterstützung angewiesen waren, da gerade recht, denn der Transfer ist wirtschaftlich stemmbar - und mit der Hoffnung verbunden, dass er seinen Torinstinkt wiederentdeckt. Ende Januar startet die serbische SuperLiga in die Rest-Rückrunde.
Belgrad wird nicht Polters erste Auslandsstation. Einst schaffte er beim VfL Wolfsburg den Durchbruch als Profi, reifte gar zum deutschen Junioren-Nationalspieler. In der Bundesliga stürmte er für Nürnberg, Mainz, Union Berlin, Bochum, Schalke und Darmstadt. Dabei kam er auf 25 Tore in 125 Spielen. 137 Partien bestritt Polter bislang in der 2. Liga, wo er für Union, Schalke und zuletzt Braunschweig aktiv war, er kommt auf 48 Tore im Unterhaus. Auslandserfahrung sammelte der Stürmer in der zweiten englischen Liga bei den Queens Park Rangers (11 Tore in 56 Spielen) und der niederländischen Eredivisie bei Fortuna Sittard (10 Tore in 34 Spielen).
"Die Zeit in Braunschweig und bei Eintracht wird für mich immer in bester Erinnerung bleiben. Nun hat sich kurzfristig für mich die besondere Chance ergeben, noch einmal im Ausland für einen Top-Verein zu spielen. Ich danke den Verantwortlichen für die stets offenen und ehrlichen Gespräche sowie für die Möglichkeit, den Weg zu Partizan gehen zu können. Mein Dank gilt ebenso allen Wegbegleitern und Fans - es war eine tolle Zeit“, verabschiedet sich Polter.