Die Hoffnung, dass es womöglich halbwegs glimpflich ausgehen könnte, hatte sich am Dienstag zerschlagen. Da war klar, dass Dawid Kownacki wegen einer beim 3:0-Sieg in Nürnberg erlittenen Sprunggelenkverletzung voraussichtlich bis zum Jahresende ausfallen wird. "Das ist natürlich ein brutaler Ausfall für uns", sagt Trainer Stefan Leitl. "Das muss ich auch nicht kleiner machen, als es tatsächlich ist." Der von Werder Bremen mit einer Kaufpflicht ausgeliehene Angreifer war zuletzt - mit drei Scorerpunkten in den vergangenen drei Spielen - ins Rollen gekommen. Ab sofort sind andere gefordert. "Jetzt", erklärt Leitl vor Herthas Heimspiel gegen Preußen Münster am Samstag, "sind Jungs, die vor der Saison vielleicht für andere Rollen vorgesehen waren, in der Situation, wachsen zu können."
Grönning vor Schuler - das ist die neue Rangordnung
Da Kapitän Fabian Reese nach seiner vor Wochen vollzogenen Rückversetzung auf den linken Flügel dort bleiben soll, stehen dem Coach für den Neuner-Part zwei Kandidaten zur Verfügung: Sommer-Neuzugang Sebastian Grönning und Luca Schuler, der sich nach fast fünfmonatiger Ausfallzeit wegen einer hartnäckigen Hüftverletzung Mitte September mit einem Joker-Tor in Hannover (3:0) zurückgemeldet hatte. Vorläufig ist die neue Hierarchie klar. "Wenn bis Samstag nichts passieren sollte, wird Seba beginnen", kündigt Leitl an. "Und mit Luca Schuler haben wir den Back-up auf dieser Position."
Grönning, in der Vorsaison mit 17 Treffern für den FC Ingolstadt drittbester Torschütze der 3. Liga, hatte in Herthas Vorbereitung mit den gestiegenen Anforderungen zeitweise zu kämpfen, setzte aber unter anderem mit seinem Tor beim Saisonstart auf Schalke (1:2) bereits Duftmarken. "Er kommt immer besser ins Rollen", sagt Sportdirektor Benjamin Weber über den 1,88 Meter großen Dänen. "Er ist sehr fleißig, läuft gut an, tut dem Gegner mit seiner Wucht weh und hat sich im Abschluss gesteigert. Unsere Aufgabe ist es, ihn im Strafraum in die entsprechenden Situationen zu bringen, damit er uns mit Toren hilft."
Beide sind andere Stürmer-Typen als Kownacki
Schuler, der vor einem Jahr ablösefrei vom Liga-Rivalen 1. FC Magdeburg gekommen war und in Berlin ein wechselhaftes Premieren-Jahr erlebt hat, steht für ein anderes Stürmer-Profil als Strafraum-Spezialist Grönning. "Luca geht gern in die Tiefe und nutzt seine Geschwindigkeit", sagt Weber. "Wir sind froh, dass er nach seiner Verletzung wieder zurück und in einem guten Fitnesszustand ist." Beide sind andere Stürmer-Typen als Kownacki, der sich gern in den Zehner-Raum fallen lässt, um mehr Ballkontakte zu haben und selbst Angriffe zu initiieren. Das Gute für Grönning und Schuler: Beide beginnen, nach jeweils einem Saisontor, nicht bei Null.