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Neustart in Sandhausen: Janßen ist "eher mit der Schaufel unterwegs"

kicker

Neuer Kader, neuer Trainer, neue DNA

Erst am 17. Mai war Olaf Janßen zu Gast in Sandhausen und feierte mit Viktoria Köln einen 4:0-Auswärtssieg am letzten Spieltag der 3. Liga. Mit 59 Zählern haben die Kölner die erfolgreichste Drittliga-Saison der Vereinsgeschichte hinter sich, hinzu kommt der Sieg im Landespokal gegen Aachen (3:2).

Ganz anders sieht die Situation in Sandhausen aus, wo Janßen am Montag erneut aufschlug - diesmal allerdings im Dress des SVS zu seiner eigenen Vorstellung als neuer Trainer des künftigen Regionalligisten. Nach 15 Jahren in der 2. und 3. Liga rutschte der Klub in dieser Saison in die Viertklassigkeit ab. Ein Abstieg, der "brutal schmerzt", wie Präsident Jürgen Machmeier gestand. Doch: "Der Neustart fühlt sich jetzt richtig und wichtig an."

Und dafür wird in Sandhausen "jeder Stein umgedreht". Kein Spieler hat einen gültigen Vertrag für Liga 4, Torwart-Trainer Daniel Ischdonat und Physiotherapeut Christian Bieser mussten aufgrund ihrer weiten Anreisewege gehen, mit einem Etat von 3,5 Millionen Euro soll eine neue Mannschaft inklusive Staff aufgebaut werden.

„Wir sind hier wahrscheinlich eher mit der Schaufel unterwegs und buddeln erst das Loch für das Fundament.“ (Olaf Janßen)

Leiten wird diesen Neuaufbau eben Janßen, der sich zuletzt über viereinhalb Jahre mit seiner nachhaltigen Arbeit in Köln einen Namen gemacht hat. "Wenn bei der Viktoria schon ein Fundament da war, um ein Haus darauf zu bauen, als ich angefangen habe, dann sind wir hier wahrscheinlich eher mit der Schaufel unterwegs und buddeln erst das Loch für das Fundament", blickte der 58-Jährige auf seine neue Aufgabe. "Genau das war es, was mich so gepackt hat."

Für dieses Fundament brauche es "Mitarbeiter, die qualifiziert und in der Lage sind, dem SV Sandhausen eine durchlässige DNA zu verleihen". Gemeinsam wolle man "zurück zu der DNA, die uns stark gemacht hat und die uns diese wunderbare Reise ermöglicht hat", erklärte Machmeier. Janßens Arbeit in Köln dient dafür als Blaupause. "Olaf Janßen ist solch einen Weg über Jahre mit Viktoria Köln gegangen. Mit geringen finanziellen Mitteln, mit einer unglaublich hohen Durchlässigkeit vom NLZ zu den Profis und natürlich vor allem maximalem sportlichen Erfolg."

„Im Moment fällt es dem ein oder anderen schwer, anzuerkennen, dass wir Regionalliga spielen und dass es dann auch Regionalliga-Gehälter gibt.“ (Jürgen Machmeier)

Auch in Sandhausen soll das NLZ künftig im Vordergrund stehen. Yanis Outman und Torwart David Zimmer sollen aus der U 19 in den Seniorenkader übernommen werden, der Rest des Kaders befindet sich noch in der Planung. Auch, dass Spieler aus dem Abstiegskader bleiben, sei nicht auszuschließen. "Klar hätten wir den Richard Meier gerne behalten, aber der hat sich anders entschieden", erklärte Machmeier beispielhaft. "Wir schließen derzeit nicht aus, dass sich der ein oder andere vielleicht doch noch bewegen lässt. Aber es ist natürlich auch eine wirtschaftliche Frage. Wir haben uns einen klaren Rahmen auferlegt und zahlen Gehälter, wie sie andere Regionalligisten auch zahlen. Im Moment fällt es dem ein oder anderen schwer, anzuerkennen, dass wir Regionalliga spielen und dass es dann auch Regionalliga-Gehälter gibt."

Die Kaderplanung stehe ohnehin zunächst nicht an allererster Stelle. "Wenn wir zum Trainingsstart erst zehn, elf, zwölf Spieler unter Vertrag haben, dann ist das kein Problem", betonte Janßen. "Wir müssen erst dieses Fundament gießen." Der Coach will in Sandhausen etwas hinterlassen, das bleibt - und braucht dafür das Vertrauen der Verantwortlichen. "Am Ende des Tages ist die Position des Trainers die wichtigste im Verein. Die so unsicher wie möglich zu machen, das macht keinen Sinn", blickte Janßen kritisch auf den Trainerverschleiß der vergangenen Saison in Liga 2 und 3. Überzeugt habe ihn daher, "dass ich hier gespürt habe, die Menschen meinen das ernst, die sind bereit, dir dieses Vertrauen zu geben und dich maximal zu unterstützen".

Diekmeier bleibt Co-Trainer, Kroll kommt aus Darmstadt

Wie genau sein Trainerstab aussehen wird, ist noch offen. Sicher ist jedenfalls, dass Dennis Diekmeier als Co-Trainer im Verein bleibt und Gerhard Kleppinger wieder in die Scouting-Abteilung rückt. Neuer Torwart-Trainer wird Steve Kroll, aktuell noch bei Darmstadt 98 unter Vertrag.

Auch die Position des Sportdirektors ist noch nicht besetzt. "Wir wollen uns damit Zeit lassen. Selbst wenn wir jemanden hätten, dann könnte der nicht sofort einsteigen, da wäre die Kaderplanung rum", erklärte Machmeier. "Deshalb hat es nicht diese Priorität, dass wir zum 1. Juli oder 1. August einen neuen sportlichen Verantwortlichen brauchen. Wir sind im stetigen Austausch, es gibt sicherlich sehr, sehr interessante Kandidaten, aber die haben woanders noch Vertrag." Klar sei jedenfalls, dass der neue Mann "das Scouting und die Kaderplanung inhaliert" haben soll. "Es kann schnell gehen, es kann aber auch noch zwei, drei Monate dauern."