Bis 2006 spielte Florian Niederlechner im Nachwuchs des TSV 1860 München, ganze 19 Jahre später absolvierte der mittlerweile 34 Jahre alte Stürmer nun sein erstes Pflichtspiel im Dress der Löwen. Der gebürtige Ebersberger, der über die SpVgg Unterhaching in den Profifußball fand und nach Stationen in Heidenheim, Mainz, Freiburg, Augsburg und Hertha BSC in diesem Sommer den Weg zurück zu seinem Ausbildungsklub fand, feierte seine 1860-Premiere am Freitagabend beim Auftaktspiel der 3. Liga in Essen - und garnierte seinen ersten Auftritt für die ambitionierten Münchner mit dem wichtigen Tor zum Ausgleich beim 1:1.
In typischer Niederlechner-Manier startete der Routinier dabei aus dem rechten Halbfeld, entschwand seinem Gegenspieler und krönte den Sololauf mit einem Heber über RWE-Keeper Felix Wienand. "Das ist während meiner Bundesliga-Zeit mein Lieblingslauf gewesen, hinten rein hinter die Abwehr, da hast du einen Bewegungsvorteil dem Verteidiger gegenüber", erklärte Niederlechner seinen Schachzug, bei dem er womöglich hauchzart im Abseits gestanden hatte, ehe er im Interview mit MagentaSport bewegende Worte anschlug.
Bei all der Freude, "endlich den Löwen auf der Brust" tragen zu können, ging der Rückkehrer nach eigener Aussage mit einer Extra-Motivation ins Spiel. Am Vormittag hatte Niederlechners Profi-Kollege und Freund Sven Ulreich und dessen Frau Lisa bekannt gegeben, dass ihr Sohn im Alter von sechs Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. "Ich habe heute früh ein paar Tränen verdrückt, weil es ein unglaublicher Schicksalsschlag ist, es tut mir unglaublich leid für die Familie", so Niederlechner, den der Verlust der befreundeten Familie sichtlich bewegte. "Darum bin ich sehr froh, dass mir heute ein Tor gelungen ist. Das ist für die Familie Ulreich, weil das so eine coole Familie ist. Alle Gedanken sind bei der Familie. Ich drücke die Daumen, dass es bald wieder in eine bessere Richtung geht."
Niederlechner: "Das wird hundertprozentig mein letzter Verein sein"
Für ihn selbst ging am Abend trotz allem ein Traum in Erfüllung. "Am Schluss meiner Karriere - das wird hundertprozentig mein letzter Verein sein - darf ich den Löwen auf der Brust tragen, darf ich für den Verein auflaufen, den ich einfach liebe", freute sich Niederlechner. "Das ist für mich das Schönste, was es gibt. Deshalb werde ich alles geben, dass wir am Ende unsere Ziele erreichen. Ich brenne richtig."