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Nigerias Geschichte mit zwei Seiten - und zwei Stars auf Konfrontationskurs

kicker

Vom Afrika-Cup in Marokko berichtet Michael Postl

Die folgende Geschichte hat zwei Seiten. Die eine, positiv-euphorische, hat ihren bisherigen Höhepunkt am vergangenen Montag erreicht, als Nigeria Mosambik dominierte, souverän mit 4:0 besiegte, ins Viertelfinale des Afrika-Cups gegen Algerien einzog. Die andere Seite, jene, die Mitte November vergangenen Jahres ihren Tiefpunkt mit einem verschossenen Elfmeter Semi Ajayis fand, zeigt auf, dass die eigentlich als Top-Nation angesehenen Nigerianer zunächst einmal ihre strukturellen Probleme bewältigen müssen, um ihre tatsächliche Stärke entfalten zu können.

Rückblick ins Jahr 2024. Damals, im Juni, tritt die Mannschaft von Augustine Eguavoen in der Elfenbeinküste gegen das von Gernot Rohr trainierte Benin an. Der deutsche Coach, bekannt für seinen offensiv ausgerichteten Stil, führte den Underdog zu einem 2:1 - und besiegelte so das knapp eine Woche später verkündete Aus seines Trainerkollegen Eguavoen. Diesen sollte kurz darauf Bruno Labbadia ersetzen, der deutsche Fußballlehrer haderte jedoch zunächst mit den Bedingungen, dem Geld sowie "meinem Gefühl" - und sagte dann doch überraschend ab.

Eric Chelle, ein in der Elfenbeinküste geborener Ex-Profi, der die meiste Zeit seiner Karriere als Innenverteidiger in der französischen 2. und 3. Liga verbrachte und zuletzt die malische Nationalmannschaft stark verbesserte, übernahm dann im Januar, also knapp fünf Monate nach Labbadias Absage. Chelle konnte sein neues Team zwar stabilisieren, aber nicht entschiedend voranbringen. Auch, weil die schwachen Ergebnisse vor seiner Amtszeit zu schwer wogen. Am Ende der Qualifikation stand eine Play-off-Niederlage gegen die DR Kongo, bei der Innenverteidiger Ajayi den eingangs erwähnten Elfmeter verschoss.

Nun verpasste Nigeria also zum zweiten Mal in Folge die WM, auf der Nationalelf lastet nach den Enttäuschungen zu Beginn der Qualifikation im Allgemeinen und der Niederlage im Finale des Afrika-Cups 2024 (1:2 gegen die Elfenbeinküste) im Speziellen ein enormer Druck. Das Team wankt bereits bei wenig Gegenwehr, selbst gegen nominell schwächere Gegner. Die Souveränität, die Mannschaften wie Ägypten oder Marokko auszeichnet, fehlt zu oft. Beide Teams haben beim aktuellen Afrika-Cup lange nicht so überzeugt wie die Super Eagles, kommen aber trotzdem weiter. Vor allem dank ihrer Stabilität.

Die haben die Nigerianer zwar während des Afrika-Cups demonstriert, standen sich gegen Tansania (2:1) selbst im Weg, wackelten spät gegen Tunesien (3:2), überrannten Uganda (3:1) - und holten so neun Punkte in einer jedoch nicht allzu schwierigen Gruppe. Auch Mosambik zählt nicht zur Top-Kategorie. So fällt es bislang nicht ins Gewicht, dass das eigentlich überragend besetzte Team zu sehr wankt, dass es Nebenkriegsschauplätze wie Korruptionsvorwürfe gegen den Verband sowie ausstehende Prämien aushalten muss oder sie sich selbst schafft.

Siehe Victor Osimhen und Ademola Lookman. Sowohl der Mittelstürmer von Galatasaray als auch der pfeilschnelle Dribbler von Atalanta Bergamo haben in den vergangenen beiden Jahren die Auszeichnung zu Afrikas Fußballer des Jahres erhalten, beide trafen jüngst gegen Mosambik - Lookman einfach, Osimhen doppelt. Und mit jeweils insgesamt drei Treffern streiten sich beide nicht nur um die interne Torjägerkrone, sondern auch um Nichtigkeiten auf dem Platz.

So hatte Osimhen nach seinen beiden Treffern gegen Mosambik den Dreierpack im Visier, ging verbal mit Lookmann auf Konfrontation. Später nannte der Ex-Leipziger seinen Sturmpartner "meinen Bruder", dennoch kochten die Gerüchte um eine vorzeitige Abreise Osimhens derart hoch, dass der Verband dies öffentlich dementierte.

Nicht nur diese Aktion zeigt, wie viel Druck bei Nigeria herrscht, vor allem vor dem Duell mit Ägypten. Spielen die Super Eagles jedoch ihre Qualität aus wie im Achtelfinale, dürften sie nach den bislang überschaubaren Leistungen der Pharaonen als Favorit in die Partie gehen - und die Geschichte Afrika Cup 2026 weitererzählen. Diesmal mit nur einer Seite.