Bange machen gilt nicht für Jörn Schulz. Auch wenn der 1. FC Lok Stendal als Oberliga-Aufsteiger am 1. Spieltag mit dem VFC Plauen ausgerechnet den Regionalliga-Absteiger erwartet, wirkt der Trainer des Sachsen-Anhalt-Meisters völlig entspannt. "Realistisch betrachtet, wird es für uns nur um den Klassenerhalt gehen. Aber nach zwei tollen Jahren in der Verbandsliga stehen wir jetzt vor der Aufgabe, uns auf neue Gegner und neue Stadien einzustellen. Und genau das macht den Reiz aus. Diese Vorfreude versuche ich auch der Mannschaft zu vermitteln", sagt der 47-Jährige. Die Rückkehr in die 5. Liga steht für ihn und den Verein unter ungewöhnlichen Vorzeichen. War Stendal am Ende der Saison 2021/22 aus der Nord-Staffel der NOFV-Oberligen abgestiegen, so mischt Lok ab August in der Süd-Gruppe mit. "Das war schon überraschend, weil wir fest von der Nord-Staffel ausgegangen sind", sagt Schulz.
Das Präsidium des NOFV hatte die Staffel-Einteilung Ende Juni beschlossen. "Die Zusammensetzung der Oberliga Nord und Süd erfolgt nach territorialen Gesichtspunkten. Dabei werden unter anderem die Fahrtwege der jeweiligen Vereine berücksichtigt", erläutert NOFV-Geschäftsführer Till Dahlitz. Er verweist darauf, dass es auch in der Vergangenheit mit dem Ludwigsfelder FC und dem RSV Eintracht 1949 bereits Vereine gab, die aufgrund ihrer geografischen Lage die Staffel gewechselt haben. Auch Stendal war in der Saison 2017/18 schon mal im Süden "einsortiert" worden. Schulz und der 1. FC Lok wollen das Beste aus der Situation machen. "Ich sehe da ein Für und Wider. Im Norden wären die Entfernungen für uns angenehmer. Aber ich glaube, dass uns vom Fußball her eher der Süden liegen könnte, weil das mit den Berliner Teams in der Nord-Staffel schon ziemlich brutal ist", meint der Trainer.
Überraschend kam für Stendal derweil nicht nur die Staffel-Einteilung, sondern teilweise auch der Aufstieg selbst. "Wir hatten unsere Planungen schon komplett auf Verbandsliga ausgerichtet, weil wir nicht dachten, dass Weißenfels noch Punkte liegen lässt", sagt Schulz. Als der ärgste Kontrahent im Kampf um den Staffel-Sieg jedoch am letzten Spieltag nicht über ein 1:1 gegen Halle-Ammendorf hinauskam, eroberte Stendal als mit Abstand beste Mannschaft der Rückrunde die Tabellenführung in letzter Sekunde zurück. Beim 1:0 in Gardelegen avancierte der vor der Saison zurückgekehrte Niclas Buschke mit seinem Tor in der Nachspielzeit zum Aufstiegshelden. Über die gesamte Saison gesehen ragte Rosario Schulze mit seinen 29 Treffern heraus.
Mit dem Stendaler Hölzchen können sich die Vereine der Oberliga Süd auf eine traditionsreiche Spielstätte und auf eine stattliche Kulisse freuen. Sportlich hat sich der Aufsteiger zwar um Zugänge mit Oberliga-Erfahrung bemüht, aber finanziell nicht auf wilde Dinge eingelassen. "Wir setzen im Kern auf unsere eingespielte Mannschaft. Das soll unser Faustpfand sein", sagt Schulz. Klingt logisch: Lok Stendal hat in der Vorsaison nur zwei Punktspiele (bei neun Unentschieden) verloren und musste sich im Pokal-Endspiel den Regionalliga-Profis des Halleschen FC denkbar knapp mit 0:1 durch ein Gegentor in der Nachspielzeit geschlagen geben. "Wir wollen das Selbstvertrauen mitnehmen, mutigen Fußball spielen und ein unangenehmer Gegner sein", kündigt der Trainer an.