Schon zum sechsten Mal findet in diesem Jahr der italienische Supercup nicht in Rom, Mailand oder Turin statt - sondern in Saudi-Arabien. Im Januar dieses Jahres waren dort auch spanische Teams zu Gast, um die Supercopa auszuspielen. In La Liga sind zum Wohle der Auslandsvermarktung sogar Spiele in den USA ein Thema, die AC Milan würde ihr Ligaspiel gegen Como im Januar gerne im australischen Perth austragen.
In der Bundesliga aber ist das kein Thema, zumindest wenn es nach Jan-Christian Dreesen geht. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern hält "gar nichts" davon, Pflichtspiele deutscher Profiklubs im Ausland auszutragen. Das stellte der 58-Jährige in einem Interview mit der Welt am Sonntag klar.
"Wir dürfen nie vergessen, wo unser Fundament liegt", sagte Dreesen. "Ich möchte daher, dass unsere Pflichtspiele immer in Deutschland ausgetragen werden - auch wenn ein Supercup im Ausland womöglich eine größere Aufmerksamkeit hätte als Freundschaftsspiele."
Auch Watzke lehnt Pflichtspiele im Ausland ab
Letzteres ist schon lange üblich. Viele Bundesliga- oder auch einzelne Zweitligateams tragen Teile ihrer Saisonvorbereitung schon seit einigen Jahren im Ausland aus - der FCB beispielsweise im Rahmen einer Asien- oder USA-Tour - und bestreiten dort Testspiele gegen andere europäische oder nationale Top-Klubs. Dreesen halte "viel davon, dass die 36 Klubs der ersten und zweiten Liga den deutschen Fußball in die Welt tragen".
Offiziellen Pflichtspielen im Ausland hatte derweil auch DFL-Präsidiumssprecher Hans-Joachim Watzke nach seiner Wiederwahl Anfang September eine deutliche Absage erteilt: "Das ist im Prinzip ganz einfach: Solange ich bei der Liga in der Verantwortung stehe, wird es kein Spiel im Ausland geben, was Pflichtspiele angeht. Punkt."
Dreesen sieht Aufstockung der WM kritisch
In dieser Hinsicht herrscht also offenbar Einigkeit zwischen Watzke und Dreesen. Der Bayern-Boss ist darüber hinaus der Meinung, Wachstum und Expansion dürfen im Fußball nicht grenzenlos sein. Auch die Aufstockung der WM sieht er deshalb kritisch.
"Wir haben schon 2026 mit den 48 Mannschaften eine über vier Wochen lange WM", sagte Dreesen: "Es geht zudem um die Qualität des Sports. Lässt man Nationen zu, die auf der Weltbühne des Sports keine Rolle spielen, erhöht das einzig die Quantität. Die Menschen schauen aber nur Fußball, wenn die Qualität stimmt, das ist meine Überzeugung."