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Polster: "Eine Bestechung nach Linz wird nicht kommen"

kicker

WAC-Schlussmann im Gespräch

Herr Polster, Ihre hervorragende Leistung beim 1:2 gegen die Austria konnte Sie vergangene Woche nicht über die Niederlage hinwegtrösten. Wie bewerten Sie die Partie mit einigen Tagen Abstand?

Es war eine Riesenmöglichkeit, die wir ausgelassen haben, um es weiterhin selbst in der Hand zu haben. Das Ziel bleibt mit einem Sieg gegen Sturm aber gleich, dann wird es schlechtestenfalls der zweite Platz - was für den WAC immer noch eine richtig gute Saison wäre.

Wir erleben in den vergangenen Wochen das nervenaufreibendste Meisterschafts-Rennen seit Jahrzehnten. Sie setzen sich intensiv mit Mentaltraining auseinander - welche konkreten Strategien helfen Ihnen dabei, mit der vorhandenen Drucksituation umzugehen?

Ich habe immer wieder mit meinem Mentalcoach geredet, auch vor dem Cup-Finale. In unseren Sessions reden wir einfach darüber, was mir auf der Seele liegt, sowohl über Privates als auch über Fußballerisches. Ich werde ihn auch vor dem Sturm-Spiel noch einmal anrufen, weil es ja doch um etwas geht. Vor den wichtigen Spielen telefonieren wir meist ein oder zwei Stunden.

Zu welchem Zeitpunkt in der Saison wurde Ihnen bewusst, dass der WAC tatsächlich Chancen auf den Titel hat?

Wir sind richtig gut in die Meistergruppe gestartet, mit den Siegen gegen Rapid und Blau-Weiß wurde es dann richtig interessant. Ab dem Zeitpunkt hat man daran geglaubt und auch gehofft.

Ausgerechnet im alles entscheidenden Spiel in Graz fallen mit Dominik Baumgartner und Simon Piesinger zwei Leistungsträger aus. Wie haben diese Hiobsbotschaften die Stimmung in der Trainingswoche beeinflusst?

Das sind natürlich zwei Stammkräfte, die fehlen. Aber wir haben einen guten Kader, mit dem wir das kompensieren können. Die Jungs, die am Platz stehen, werden sich voll reinhauen. Die Stimmung war - so wie die restliche Saison auch - sehr gut. Von Druck oder Angst war bei uns wenig zu spüren.

„Ich denke, dass ich eine richtig gute Saison gespielt habe und es mir auf jeden Fall verdient hätte.“ (Nikolas Polster über zukünftige A-Nationalteam-Nominierungen)

Sie standen jahrelang beim LASK unter Vertrag, spielten dort für die zweite Mannschaft. Nun liegt das Schicksal des WAC ausgerechnet in den Händen des Stadtrivalen Blau-Weiß - dieser muss der Austria Punkte abnehmen. Was wird nach Linz geschickt, sollte Blau-Weiß tatsächlich erfolgreich Schützenhilfe leisten?

Das ist eine gute Frage, ich kenne dort nicht so viele Spieler. Eine Bestechung wird von unserer Seite nicht kommen, aber ein großes Danke auf jeden Fall.

Was spricht für den WAC im Titel-Dreikampf?

Wir haben gegen Sturm immer gute Spiele gemacht, in dieser Saison noch nie verloren und zweimal sogar gewonnen, einmal davon auswärts. Der Gegner liegt uns gut und wir können mit unserem Tempo vorne richtig gefährlich werden.

Sie liefern in dieser Saison sehr stabile Leistungen ab und haben den Ruf, einer der besten Fußballer unter den österreichischen Torhütern zu sein. An welchen Vorbildern orientieren Sie sich?

Man schaut natürlich bei den Besten der Besten zu. Mit dem Fuß zum Beispiel bei Alisson und Ederson, die haben auch eine brutale Ruhe mit dem Ball. Ter Stegen ist auch ein überragender Fußballer, der mit beiden Füßen sehr gut ist. Von ihm schaue ich mir viel ab, wie er die Dinge löst. Ich profitiere jetzt auch von meiner fußballerischen Ausbildung bei Rapid und beim LASK.

  • Steckbrief Nikolas Polster

In wenigen Wochen beginnt Österreichs WM-Qualifikation, kommenden Montag wird der Kader bekannt gegeben. Wie gestalten sich Ihre Ambitionen bezüglich A-Nationalteam, rechnen Sie mit einer baldigen Einberufung?

Das ist schwer zu sagen, es gibt zurzeit gute Tormänner in Österreich. Ich denke, dass ich eine richtig gute Saison gespielt habe und es mir auf jeden Fall verdient hätte. Am Ende entscheidet der Tormanntrainer mit dem Trainer gemeinsam, aber es ist natürlich ein Ziel von mir, nächstes Jahr bei der WM dabei zu sein.

Abseits des Fußballplatzes setzen Sie sich auch für soziale Zwecke ein. Was genau umfasst Ihr Engagement in diesem Bereich?

Meine Mama hat mit einem Kongolesen, der in Österreich wohnt, den Verein Aksanti gegründet. Der Verein baut im Kongo für Kinder Schulen und Wohnhäuser. Ich versuche, mich dort so gut es geht einzubringen und organisatorisch sowie mit Spenden zu helfen. Es ist mir ein großes Anliegen, ärmere Länder zu unterstützen.

Die vergangene Saison waren Sie an den SV Horn verliehen, nun ist der Verein aus der 2. Liga abgestiegen. Haben Sie diese Entwicklung verfolgt?

Ich habe das schon mitverfolgt und ein paar Spiele angeschaut. Es tut mir auch ein bisschen weh, dass sie abgestiegen sind, weil sie ein richtig cooler Verein sind mit guter Infrastruktur und coolem Stadion. Aber ich bin überzeugt davon, dass sie es in den nächsten Jahren wieder raufschaffen.

Nach Ihrem gehaltenen Elfmeter gegen den LASK im Cup-Halbfinale haben Sie als Jubel den "Schulterputzer" ausgepackt. Sollte sich gegen Sturm eine ähnliche Situation ergeben, wie wird dann zelebriert?

Wenn ich in der 95. Minute das 1:0 zum Meistertitel halte, dann werde ich so viele Emotionen haben, dass ich das nicht mehr kontrollieren kann. Überlegt habe ich mir noch nichts Konkretes, aber vielleicht sollte ich das.

Unabhängig davon, mit welchem Ergebnis der Dreikampf um die Meisterschaft am Samstag endet - wie lautet Ihr bisheriges Saison-Fazit?

Es war meine erste Bundesliga-Saison, daher war es natürlich viel Neuland und viele Erfahrungen, die mich weitergebracht haben. Ergebnistechnisch war es eine richtig gute Saison. Vor allem im oberen Play-off haben wir ganz groß aufgezeigt, was wir können und was wir für eine Mannschaft sind. Ich persönlich bin mit meiner Leistung auch zufrieden, war konstant und habe wenige Fehler gemacht.

Und der Cupsieg?

Der Cupsieg natürlich (lacht). Also sehr zufrieden eigentlich.