Die offizielle Stellungnahme des HSV-Aufsichtsrates zum Ausscheiden von Stefan Kuntz war am Montagmorgen erfolgt, dass die Trennung wegen des Vorwurfs der verbalen sexuellen Belästigung Unruhe um den Verein herum erzeugt, liegt in der Natur der Sache - obwohl der HSV bemerkenswert schnell und diskret gehandelt hat. Der Trainer steht nun vor der schweren Aufgabe, die Aufregung nicht in die Kabine zu lassen.
"Ich nehme die Mannschaft sehr wach wahr"
Polzins Rezept ist dabei ähnlich zum Umgang mit der "Aufstiegsflatter", die im vergangenen Jahr wie in den Spielzeiten zuvor Einzug gehalten hatte: darüber reden. "Natürlich war das in der Kabine ein Thema", sagt der 35-Jährige, "und natürlich haben wir auch darüber gesprochen." Gleichwohl sagt er: "Mein Credo und Motto lautet, dass wir uns auf die Dinge fokussieren, die wir beeinflussen können. Und es ist auch gar nicht schwer, uns auf die Spiele vorzubereiten. Ich nehme die Mannschaft sehr wach wahr."
Zu Polzins Herangehensweise gehört außerdem, weniger über die Begleitumstände der 1:2-Niederlage in Freiburg durch ein zumindest umstrittenes und ein irreguläres Tor zu sprechen, sondern über jene Dinge, die seine Profis in der ersten Hälfte am vergangenen Samstag vermissen lassen haben. "Die Entscheidungen des Schiedsrichters", sagt er, "haben maßgeblich zum Spielausgang beigetragen, aber es ist nicht unser Mindset, uns darauf zu fokussieren. Mir haben in Freiburg zu Beginn viele Dinge nicht gefallen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit allem, was wir haben, gegen den Ball gearbeitet haben. Wir müssen am Dienstag definitiv von Anfang an ein anderes Gesicht zeigen."
Die sich langsam entspannende Personallage soll sich positiv auswirken. Zwar muss der Coach den gesperrten Daniel Elfadli ersetzen und wird dies durch Jordan Torunarigha tun, dafür hat sich das Lazarett gelichtet und nicht neu gefüllt: Daniel Heuer Fernandes wird trotz seiner in Freiburg erlittenen Schulterprellung im Tor stehen, die zuletzt erkrankt ausgefallenen Flügelstürmer Fabio Baldé und Rayan Philippe sind wieder im Training und zumindest Kader-Optionen.
Verfügbar ist seit Beginn dieser Trainingswoche auch Robert Glatzel wieder. Bei seinem Mittelstürmer neigt Polzin nach wochenlanger Pause wegen eines Muskelfaserrisses jedoch zur Vorsicht. "Bobby", erklärt er, "steht theoretisch zur Verfügung, aber wir werden genau überlegen und abwägen, ob es schon am Dienstag Sinn macht, ihn in den Kader zu nehmen." Das wahrscheinlichere Szenario ist, dass gegen Leverkusen erneut Neuling Damion Downs startet, Ransford Königsdörffer als einzige Mittelstürmer-Alternative auf der Bank Platz nimmt - und Glatzel dann in Teil zwei des Heimspiel-Doppelpacks, am kommenden Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, sein Comeback im HSV-Aufgebot feiert.