Weit mehr als eine Stunde hatte der Hamburger SV bei seinem Bundesliga-Comeback am vergangenen Sonntag in Mönchengladbach (0:0) vor allem mit Kompaktheit überzeugt, der Vorwärtsgang aber hatte deutlich sichtbar geklemmt - bis der 30-jährige Linksaußen für die Schlussviertelstunde ins Spiel kam und umgehend demonstrierte: Er kann auch in der Bundesliga den Unterschied ausmachen. Und soll dies nun bei der Stadt-Meisterschaft untermauern.
Dompé ist bereit für mehr
"Wenn Jean-Luc an den Ball kommt, geht sofort ein Raunen durch das Stadion." Diesen Satz hat Merlin Polzin zu Zweitligazeiten schon häufiger gesagt. Am Sonntag hat ihn der Trainer wiederholt, nachdem auch das Mönchengladbacher Publikum registriert hat, dass der dribbelstarke Franzose eine Bedrohung darstellt.
Nach einer während der zweiten Vorbereitungshälfte erlittenen Sprunggelenk-Blessur war Dompé pünktlich zum Auftakt zumindest für einen Joker-Einsatz fit geworden, hat seitdem beschwerdefrei trainiert und steht im Derby für mehr zur Verfügung.
Polzin jedenfalls deutet einen Startelfeinsatz seines Unterschiedsspielers mehr als nur an. "Ich kann mir alles vorstellen, er kann sich auch alles vorstellen. Jean-Luc ist voller Vorfreude und steht komplett zur Verfügung." Das soll die offensive Durchschlagskraft nach der Nullnummer zum Auftakt erhöhen.
"Es wird kein elf gegen elf, wir sind mindestens 50 000"
Der Trainer blickt aus vielerlei Gründen erwartungsfroh auf den Freitag. "Fußball-Hauptstadt Deutschlands trifft es ganz gut", findet Polzin, "es ist das einzige Stadt-Derby der Bundesliga, unser erstes Bundesliga-Heimspiel nach vielen Jahren, die wir darauf warten mussten. Ich bin der DFL sehr dankbar für eine coole Ansetzung."
Und er ist sicher, dass es heiß hergehen wird. "Ich muss emotional keinen mehr packen. Die Jungs sind sehr, sehr bereit, das Stadion wird auch bereit sein. Wir haben beim Aufstiegsspiel gegen Ulm im Mai gesehen, welche Energie der Volkspark entwickeln kann." Er ist überzeugt: "Es wird am Freitag kein elf gegen elf, sondern wir sind mindestens 50 000 HSVer, die den Derby-Sieg holen wollen."
Dass das Stadt-Derby für ihn als gebürtigen Hamburger und langjährigen HSV-Fan besonders ist, verhehlt Polzin nicht. Beim letzten Bundesliga-Duell, einem 0:1 im Volkspark im Februar 2011, war er noch als Anhänger im Stadion und sagt: "Ich werde dieses Spiel nicht kleiner machen." Dass er nun Chef- und nicht mehr Co-Trainer ist, macht die Aufgabe für ihn indes nicht besonderer.
"Es ist kein normales Spiel, aber die Energie war und ist bei uns immer im gesamten Staff da. In der Hinsicht hat sich für mich von der Herangehensweise nichts verändert."
Ebenso unverändert ist der Anspruch. Der HSV will wieder die Nummer eins der Stadt werden. "Wir sind überzeugt und gewillt, der Derby-Geschichte am Freitag eine weitere coole Episode hinzuzufügen." Mit Dompé hat Polzin einen Profi zurück, der fähig ist, entsprechende Schlagzeilen zu liefern.