Die Emotionen hatten Yussuf Poulsen schon vor und vor allem auch nach der Partie gepackt. Weit nach den anderen Hamburger Profis kam er am Samstagabend in die Mixedzone der Leipziger Arena. Weil er am Stadionmikrofon nach der großen Abschiedszeremonie auch noch zu den RB-Fans gesprochen und sich für die Choreographie bedankt hatte. "Darauf", verrät er, "waren Bilder, die während der zwölf Jahre zwischen mir und den Fans entstanden sind." Bilder und Momente, die ihn sichtlich ergriffen zurückgelassen haben.
Mintzlaff bietet Rückkehr in RB-Kosmos an
"So etwas erlebt man nicht alle Tage", sagt Poulsen, "es war sehr besonders für mich. Wenn meine Karriere einmal zu Ende geht, ist das etwas, was bleibt." Ans Karriereende und auch an die Zeit danach indes will Poulsen ausdrücklich noch nicht denken. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hatte ihm via Stadionmikrofon eine Rückkehr zu RB, in welcher Position auch immer, in Aussicht gestellt, der HSV-Kapitän aber sagt: "Erst mal hoffe ich, dass ich noch ein paar gute Jahre vor mir habe. Und ob ich danach etwas im Fußball machen will, das weiß ich heute noch nicht."
Poulsens Fokus ist die Gegenwart. Deshalb hadert er mit dem für ihn so besonderen Nachmittag in Sachsen in einer Hinsicht dennoch: mit dem Ergebnis. Nach 76 Minuten hatte Merlin Polzin ihn nach auskurierten Oberschenkelproblemen erstmals wieder gebracht, auf Anhieb war er ein Teil der Hamburger Schlussoffensive. Schwierigkeiten, nach den großen Emotionen direkt umzuschalten, hatte er keine. Im Gegenteil: "Ich bin ein Typ, der über die Emotionen kommt. Ich hatte direkt viele intensive Läufe, viele Zweikämpfe - und ich hätte zum Schluss gern noch das Tor gemacht."
Ein weiterer Hamburger Treffer und ein Punktgewinn wäre auch der statistische Beleg dafür gewesen, dass der HSV die vor der Länderspielpause eingeleitete Entwicklung in Leipzig fortgesetzt hat, obwohl es nach drei Partien ohne Niederlage erstmals wieder keine Punkte gab. "Wir haben uns entwickelt", sagt auch Poulsen, "mir war vom ersten Tag an klar, dass diese Gruppe das Potenzial hat, eine Entwicklung zu nehmen."
Die Art und Weise des Auftritts bei einem Champions-League-Aspiranten hat indes auch dem Langzeit-Leipziger und Rückkehrer für 90 Minuten imponiert. "Dass es uns gelungen ist, RB in der Schlussphase regelrecht einzuschnüren und unter Druck zu setzen, ist ganz sicher keine Selbstverständlichkeit." Und das wiederum passte auch zu seinem sehr besonderen Abschied.