Wenn die Anhänger von Paris Saint-Germain in einigen Jahren in den Geschichtsbüchern schmökern, werden sie ganz bestimmt in den Erinnerungen an die herausragende Saison 2024/25 schwelgen. Trotz der schmerzlichen 0:3-Niederlage gegen Chelsea im Finale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025™ war es für den erfolgreichsten französischen Klub des 21. Jahrhunderts eine Saison, die fast zu schön ist, um wahr zu sein.
Die Männer von Luis Enrique haben in allen Wettbewerben brilliert. National wurden sie zum 13. Mal Meister, gewannen zum sechsten Mal in Folge die Trophée des Champions und wurden zum 16. Mal Pokalsieger. Kontinental dominierten sie die Konkurrenz und triumphierten am 31. Mai erstmals in der UEFA Champions League.
"Ich habe gehört, dass wir für andere Teams zum Maß der Dinge geworden sind", sagte der spanische Trainer einige Tage nach dem Titelgewinn gegenüber der FIFA. "Das ist wunderschön, aber Reden ist einfach. Wir müssen nun zeigen, dass wir diesen neuen Status verdienen." Den Worten folgten Taten. Das französische Team hat auch bei der Klub-WM begeistert und Atlético Madrid in Los Angeles gleich mit 4:0 geschlagen, ebenso Inter Miami danach im Achtelfinale in Atlanta.
Im Viertelfinale bezwang die Mannschaft, angeführt von Ousmane Dembélé, Bayern München mit 2:0. Selbst mit zum Schluss nur noch neun Mann hielten die Franzosen stand und spielten sogar weiter nach vorne. Im Halbfinale folgte mit dem 4:0 gegen Real Madrid eine weitere Machtdemonstration, deren Highlights auch in zehn Jahren noch Millionen von Klicks generieren werden. Trotz der Finalniederlage gegen Chelsea in New York New Jersey hat PSG in den USA Überirdisches geleistet und sich den Urlaub redlich verdient.
Die Saison 2024/25 geht vor allem deswegen in die Annalen der Klubgeschichte ein, weil die Spieler von Luis Enrique fast alles gewonnen haben, was es zu gewinnen gibt. Neben den drei nationalen Titeln haben sie mit der UEFA Champions League endlich auch die wichtigste Trophäe in Europa gewonnen.
PSG hatte schon mehrere Anläufe unternommen, bislang jedoch immer erfolglos. 2021 waren die Pariser nahe dran, mussten sich im Finale aber Bayern München mit 0:1 geschlagen geben. Davor und danach gab es weitere traumatische Niederlagen, etwa 2017 gegen den FC Barcelona, 2019 gegen Manchester United und 2022 gegen Real Madrid.
2024/25 schien sich das Trauma fortzusetzen, da PSG in der Ligaphase fast ausgeschieden wäre. Danach legten die Hauptstädter aber einen sagenhaften Steigerungslauf hin und schalteten nacheinander gleich drei englische Klubs aus (Liverpool, Aston Villa und Arsenal). Die Krönung war das denkwürdige Finale in München, in dem die Pariser Inter Mailand mit 5:0 vom Platz fegten und damit weltweit Millionen Fans in Ekstase versetzten.
Ousmane Dembélés Wandlung war wohl eines der Erfolgsrezepte dieser Saison. Der ehemalige Spieler des FC Barcelona ist unter Luis Enrique auf seiner neuen Position als Nummer 9 so richtig durchgestartet und zu einem der ganz Großen avanciert. Offensiver und kaltblütiger denn je hat er Tor um Tor erzielt, insbesondere in den entscheidenden Momenten in der UEFA Champions League gegen Manchester City, Liverpool und Arsenal.
"Es ist die bisher beste Saison meiner Karriere", ließ der Stürmer, der diese Saison für PSG die meisten Tore erzielt hat, auf der offiziellen Vereinswebsite verlauten. Mit 35 Toren in 53 Spielen hat er seine bisherige Bestmarke aus der Saison 2018/19 beim FC Barcelona (14 Tore in 42 Spielen) pulverisiert.
Bei der Klub-WM meldete er sich nach einer Oberschenkelverletzung und verpasster Gruppenphase eindrucksvoll zurück. Im Viertelfinale gegen Bayern München machte er mit dem 2:0 für sein nur noch zu neunt spielendes Team alles klar. Beim souveränen Sieg im Halbfinale gegen Real Madrid ließ er sich einen weiteren Treffer und eine Torvorlage gutschreiben. Mit seinem konstanten und hartnäckigen Pressing war er der Schrecken der gegnerischen Abwehrreihen. Antonio Rüdiger kann ein Lied davon singen.
Mit 168 Treffern hätte PSG in der Saison 2024/25 beinahe seinen Allzeitrekord von 171 Toren aus der Saison 2017/18 egalisiert. Wesentlichen Anteil daran hatte Désiré Doué. Der ehemalige Spieler von Stade Rennes, der im Sommer 2024 zu PSG kam, brauchte zwar einige Monate, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, aber ab Dezember kam er so richtig in Fahrt und spielte fortan eine entscheidende Rolle in der Pariser Erfolgsserie.
Trotz seiner erst 20 Jahre war er der Baumeister des Siegs gegen Inter Mailand im Champions-League-Finale. Er war nicht zu bremsen und schrieb mit seinen beiden wichtigen Toren Klubgeschichte. Auch im Viertelfinale der Klub-Weltmeisterschaft gegen Bayern München war der Stürmer, der in Angers im Osten Frankreichs geboren wurde, mit seinem Treffer zum 1:0 der Mann des Spiels. Es war sein 16. Treffer in einer Saison, die er wohl nicht so schnell vergessen wird. Seit dem 1. Januar hat PSG in 16 Partien mindestens je vier Tore verbucht. Das ist 2025 europäischer Rekord und wäre ohne einen überragenden Doué nicht möglich gewesen.
"Wir haben auf dem Platz großartige Dinge gezeigt", sagte der Stürmer vor dem Finale bei der Klub-WM. "Die Fans sind von unserem Spiel begeistert. Genau das ist unser Ziel. Die ganze Welt soll PSG wegen seines Fußballs mögen."
Trotz aller Differenzen sind sich die Pariser Fans in einem Punkt einig: Das Trio Vitinha, Fabián Ruiz und João Neves ist eines der besten, das PSG im Mittelfeld je hatte. Die drei ergänzen sich perfekt, sind intelligent, technisch brillant und vor allem unermüdlich, wie sie in der Saison 2024/25 eindrucksvoll demonstriert haben.
Kopf dieses genialen Trios ist Vitinha, der sich im taktischen Konzept von Luis Enrique so richtig austoben kann. Er diktiert das Tempo im für PSG so typisch dynamischen Spiel und ist nicht nur zweikampfstark, sondern auch ein hervorragender Passgeber mit Torinstinkt, wie seine acht Treffer beweisen.
Solche Lobeshymnen gelten auch für die beiden anderen iberischen Spieler im Trio, die mit ihrer Klasse, ihren atemberaubenden Leistungen und ihrem immer wieder von Erfolg gekröntem Offensivdrang das Publikum begeistern.
"Wir haben fantastische Stürmer, auf die wir uns verlassen können und die wir suchen, um Tore zu schießen", erklärte Ruiz am 15. Juni gegenüber der FIFA. Mit drei Toren hatte der ehemalige Spieler der SSC Neapel auch bei der Klub-WM einen überaus starken Auftritt. Zusammen mit seinen beiden Kollegen kommt er auf insgesamt 23 Saisontreffer – ein stolzer Wert für die drei Spielmacher.
Ein fulminanter Sturm und ein phänomenales Mittelfeld sind aber nur die halbe Miete. Ebenso wichtig ist eine felsenfeste Abwehr. Die Pariser Verteidigung hat in den letzten neun Spielen sieben Mal zu null gespielt und sich damit als wahres Bollwerk erwiesen.
Bei der Klub-WM konnte vor der Finalniederlage gegen Chelsea nur Igor Jesus die PSG-Abwehr bezwingen – beim 1:0-Sieg Botafogos im zweiten Gruppenspiel. Auch wenn im Konzept von Luis Enrique alle verteidigen und angreifen müssen, stechen einige Akteure dennoch heraus.
Das gilt besonders für Torhüter Gianluigi Donnarumma mit seinen oftmals entscheidenden Paraden, vor allem in der Champions League oder im Viertelfinale der Klub-WM gegen die Bayern, wo er die beeindruckende Münchner Offensive Mal für Mal zum Verzweifeln brachte.
Ebenfalls nicht zu knacken war im Zentrum die Achse um Marquinhos und Pacho. Es ist kein Zufall, dass der ecuadorianische Nationalspieler von Luis Enrique in der abgelaufenen Saison am zweitmeisten eingesetzt wurde. So kommt er insgesamt auf bemerkenswerte 4.545 Spielminuten. "Der Trainer hat mir geholfen, mich persönlich weiterzuentwickeln", erzählte der ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt, der im Finale am 13. Juli von seinen Mitspielern schmerzlich vermisst wurde, gegenüber der FIFA. "Dank ihm bin ich hungrig auf Titel und will mich jeden Tag verbessern."
Außen verrichteten Nuno Mendes und Achraf Hakimi nicht nur hervorragende Abwehrarbeit, sondern sorgten auch für wichtige Impulse nach vorne. Mit elf Toren in 55 Spielen gebührt dem marokkanischen Nationalspieler besondere Anerkennung. Mit 4.668 Spielminuten war er auch der Marathonmann im Team. Kein anderer PSG-Spieler stand länger auf dem Platz.