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"Punkte mit Erleichterung": Kwasnioks Gefühle nach dem Ende der Sieglos-Serie

kicker

In der 36. Minute setzte tausenden Kölnern kurz der Herzschlag aus. Mutterseelenallein rannte der Mainzer Stürmer Silas auf das Kölner Tor zu, weder Sebastian Sebulonsen noch Jahmai Simpson-Pusey konnten ihn aufhalten. Doch auf den Kapitän des FC ist auch in der aktuellen Saison Verlass, Marvin Schwäbe parierte im Eins-gegen-eins überragend. "Da hatten wir das Quäntchen Glück, dass es nicht 0:2 steht", gab Trainer Lukas Kwasniok im Anschluss zu. Und er schilderte eine seltsame Gemengelage: "Ich hatte nicht das Gefühl, dass mit der Parade die Stimmung im Stadion explodiert ist."

Bemerkenswert, denn Schwäbes Glanztat hätte durchaus als Brandbeschleuniger für eine hitzige Atmosphäre im Müngersdorfer Stadion taugen können. Doch bis zur Pause blieb es frostig. "Wir sind mit Pfiffen in die Halbzeitpause begleitet worden, und das war in Ordnung. Es war eine menschliche Reaktion, weil die Menschen die Erwartung hatten, dass wir zur Halbzeit zumindest mal nicht hinten liegen", sagte Kwasniok verständnisvoll. Doch diese Erwartungen enttäuschte sein Team in den ersten 45 Minuten.

Sowohl die Stimmung auf den Rängen als auch die Leistung auf dem Platz verdeutlichte den immensen Druck in Köln: Nach zuvor acht Spielen ohne Sieg spitzte sich die Angespanntheit in den vergangenen Tagen zu. Kein Wunder, schließlich datierte der letzte Dreier in der Bundesliga von Anfang November - da besiegten die Geißböcke den Mit-Aufsteiger Hamburger SV mit 4:1. Keine einfache Situation also, doch Kwasniok fand seinen eigenen Umgang mit der Situation.

Die Flaute nagte am Selbstbewusstsein

"Du bist dir im Klaren, dass du auch Phasen haben wirst, die nicht ganz so einfach sein werden", sagte er mit Blick auf seinen Amtsantritt im Sommer und gab zu: "Diese Phase hatten wir jetzt, aber nicht im Bezug auf Leistung, sondern im Bezug auf Ergebnisse." Tatsächlich zog seine Mannschaft oft knapp den Kürzeren, verkaufte sich stets mindestens engagiert, oft auch ansehnlich - wie zuletzt beim 1:3 gegen den FC Bayern. Trotzdem nagte die Siegflaute am Selbstbewusstsein des eigentlich ja so selbstbewussten und furios in die Saison gestarteten Aufsteigers.

"Ich habe die Neigung, wenn der vermeintliche Druck von außen größer wird, umso ruhiger und entspannter zu werden", beschrieb Kwasniok sein Vorgehen mit der ersten kleinen Krise. "Ich werde eher emotionaler, wenn ich das Gefühl habe, dass die Dinge einschlafen." Dass es im Klubumfeld unruhig wurde, sei in der Trainerkabine "nicht angekommen. Da war der Fokus auf die Mannschaft da."

Mit Erfolg. Denn die ersten, ziemlich schlechten 45 Minuten machten die Kölner mit den zweiten 45 Minuten vergessen. "Als wir nichts mehr zu verlieren hatten, gab es eine gewisse Wucht", fand Kwasniok und machte die Stimmung im wie fast immer ausverkauften Müngersdorf mitverantwortlich: "Da war das Stadion der spielentscheidende Faktor, wir haben eher zwölf gegen elf gespielt."

Überbewerten wollte der 44-Jährige die atmosphärische Kehrtwende aber nicht. "Wenn du länger nicht gewinnst, fühlt sich ein Sieg größer an", sagte er, blieb aber geerdet: "Nüchtern betrachtet gibt es genau drei Punkte - und wir sollten nüchtern bleiben. Wir haben jetzt 20 Punkte und haben den Abstand nach unten ausbauen können." Was allerdings genau das ist, worum es dem FC in dieser Saison geht. Und die beste Maßnahme, um die hitzigen Gemüter im Rheinland zu beruhigen. "Aber klar", gab Kwasniok dann schließlich doch noch zu: "Heute sind es drei Punkte mit einer gewissen Erleichterung."